. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. März 2010, 10:39 Uhr

Guttenbergs Fassade bröckelt

Star oder Blender - wer ist Karl-Theodor zu Guttenberg? Im Bundestag hat Ex-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan Zweifel am Bild des Hochglanzministers geschürt. Nun ist Guttenberg am Zug. Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Kundus, Afghanistan, Wolfgang Schneiderhan, Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundestag, Untersuchungsausschuss, Wichert, Affäre, Verteidigungsminister, Generalinspekteur

Erst Berater des Ministers, nun Gegenspieler: Ex-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags© DDP/Michael Gottschalk

Wer ist Karl-Theodor zu Guttenberg – und wenn ja, wie viele? Es wird hohe Zeit, dass der Verteidigungsminister diese Frage beantwortet. Sonst tun es andere für ihn. Und es sieht nicht so aus, als ob die Antwort besonders günstig für ihn ausfallen wird. Gerne zeichnet Guttenberg ja ein Bild von sich, das ihn als werte-geprägten, an klaren Maßstäben orientierten Mann zeigt. In diesem Selbstbild ist für Unaufrichtigkeit kein Platz. War er unaufrichtig?

Es ist der schärfste Vorwurf, der ihm im Zusammenhang mit dem Bombardement von Kundus gemacht wird. Und er steht seit der Vernehmung von Ex-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Ex-Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss vom Donnerstag deutlicher im Raum denn je. Beide, Schneiderhan und Wichert, waren von Guttenberg am 25. November 2009 entlassen worden, weil der Minister sich von ihnen nicht ausreichend über den verheerenden Militärschlag von Kunduz informiert fühlte, bei dem wahrscheinlich bis zu 142 Menschen ums Leben gekommen sind.

Was aber hat ihn dazu getrieben? Tatsächlich mangelndes Vertrauen? Das Gefühl, nicht ausreichend informiert worden zu sein? Oder doch eher eine Mixtur aus Selbstüberschätzung, politischem Opportunismus und dem Willen, vermeintliche Führungsstärke zu demonstrieren?

War Guttenberg der Getriebene?

Was immer auch genau geschah, im Amtszimmer des Ministers an jenem 25. November nachmittags zwischen 14.20 Uhr und 17.35 Uhr – es hat eine Kettenreaktion ausgelöst, an deren Ende die fundamentale Neubewertung des Luftschlags von Kundus stand. Guttenberg hat bis heute inhaltlich nicht begründet, weshalb eigentlich. Die Öffentlichkeit hat aber ein Recht darauf. Es ist wichtig zu wissen, was einen Verteidigungsminister bewegt angesichts des folgenreichsten Militärschlags in der Geschichte der Bundeswehr. Es ist eine Frage der Maßstäbe. Stimmen die nicht, dann hat sich der Minister disqualifiziert.

War Karl-Theodor Guttenberg in dieser Angelegenheit womöglich der Getriebene seines eigenen Aktionismus, weil nur eine Neubewertung jener Unterlagen, die ihm nicht vorgelegt worden waren, den Rauswurf seiner wichtigsten Mitarbeiter legitimieren konnte?

Wolfgang Schneiderhan hält den Angriff von Kundus auch heute noch für "militärisch angemessen." Der General a. D. ist ein gewissenhafter Mann. Er hat den jungen Minister seinerzeit so beraten – unter Hinzuziehung aller Unterlagen, die er für relevant gehalten hat. Ein vor Ort von deutschen Feldjägern erstellter Bericht gehörte nicht dazu. Mit der Qualität des Feldjägerberichts, sagt Schneiderhan, sei er "zutiefst unzufrieden" gewesen. Schneiderhan ist alles andere als ein Raubein, aber in fast 44 Dienstjahren geprägt vom militärischen Denken. Seine Diktion zur Bewertung des Bombardements von Kundus war, so hat er es am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss noch einmal verdeutlicht: Man hat so handeln können.

Ein subtiler Nadelstich gegen den Minister

Karl-Theodor zu Guttenberg aber hat in seiner ersten politischen Bewertung Anfang November daraus gemacht: Man hat so handeln müssen. Guttenberg hatte Anfang November den Angriff von Kunduz nicht nur als "militärisch angemessen," sondern sogar als zwangsläufig bezeichnet. Er hat sich damit weit aus dem Fenster gelehnt – weiter ging es nicht. Es hatte alles so gut gepasst. Er wollte der forsche Minister sein, der mit der klaren Sprache.

Schneiderhan aber hatte zuvor zur Vorsicht gemahnt. Im Untersuchungsausschuss hat der frühere Generalinspekteur gesagt, er sei zuständig dafür gewesen, dass die Urteilsfähigkeit des Ministers hergestellt werde. Das Urteil müsse er sich aber selber bilden. Es war ein subtiler Nadelstich gegen Guttenberg.

Der Minister wird nun belegen müssen, wie es um seine Urteilsfähigkeit bestellt ist und worauf sie genau gründet. Schafft er es nicht, dann bekommt sein Bild mehr als nur einen Kratzer. Dann bleibt das, was die geschassten Schneiderhan und Wichert am Donnerstag in stundenlangen Befragungen vor dem Ausschuss sehr subtil intonierten: Da ist einer an der Spitze des Ministeriums, der doch arg zur Selbstüberschätzung neigt.

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen
 
 
KOMMENTARE (10 von 36)
 
Administrator (19.03.2010, 17:24 Uhr)
Liebe User
vielen Dank für Ihre Beiträge - wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
rennschnecke (19.03.2010, 16:58 Uhr)
mupfeline
Danke ! Kurz und richtig und wahr !!
mupfeline (19.03.2010, 16:51 Uhr)
Add Johann58
Und wie hieß der damalige Außenminister? Hat man den dumm sterben lassen in dem man ihm die Vorgänge in Kundus vorenthalten hat?

Ach ja, und dass die Kriegseinsätze in Jugoslawien und Afghanistan eine SPD-Grüne-Regierung beschlossen hat - das ist demnach auch nur ein böswilliges Gerücht, oder?
Onzapintada (19.03.2010, 15:46 Uhr)
Infos zu: Von ab und zu
Wer mehr ueber dieses Medienprodukt wissen will, schaue in Das Guttenberg-Dossier, Teil I: Der Zögling, von Friederike Beck. Gefunden in den Nachdenkseiten v. 24.07.09, Zit. aus ZeitGeist:
Als uns vor kurzem der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg präsentiert wurde, stellte sich bald ziemlich alles, was über seine angebliche Erfahrung in der ?freien Wirtschaft? berichtet wurde, als falsch heraus. Aus den Medien war und ist außer nachweislichen Falschinformationen und Plattitüden kaum etwas Sachdienliches zu erfahren. Wer aber ist zu Guttenberg wirklich, woher kommt er? Und wofür steht er? ZeitGeist-Autorin Friederike Beck begab sich auf Spurensuche und fand erstaunlich Brisantes.
auwei (19.03.2010, 15:33 Uhr)
@onzapintada
Soweit würde ich nicht gehen. Was der - sehr redegewandte - Herr Guttenberg kann oder nicht, das muss er schlicht noch beweisen. Zurzeit surft er auf der leistungslosen Popstarwelle, aber das dürfte demnächst ein Ende finden. Dann bin ich gespannt auf die Substanz - und ich traue ihm sogar durchaus etwas zu.
Onzapintada (19.03.2010, 15:25 Uhr)
Von ab und zu
. . . Guttenberg ist ein Beispiel, dass der dieser Tage zu recht viel kritisierte Westerwelle, noch nicht der Schlimmste ist.

Westerwelles Lobbyismus fuer die Reichen ist schlimm. Aber gegen den hochnäsigen Freiherrn von ab und zu Guttenberg, dessen einzige Qualifikation in seinem Standesdünkel und darin besteht, in die leistungslose Oberschicht hineingeboren zu sein, ist er fast noch ein Musterdemokrat. Wenn solche Herren wieder an die Macht kommen, ist die Demokratie am Ende, und die Diktatur dieser Klasse nicht mehr weit.
Johann58 (19.03.2010, 14:28 Uhr)
Da wollte sich ein junger, forscher Minster
gleich mal Respekt bei seinen Mitarbeitern schaffen und hat darueber vergessen, dass man eben manchmal auch erst nachdenken muss bevor man etwas tut was weitreichende Konsequenzen haben kann. Wenn ich mit Halbwissen jemand rausschmeisse muss ich damit rechnen, dass derjenige sich eventuell zur Wehr setzt.Die Motivation Schneiderhahn rauszuschmeissen bleibt mir so wie so schleierhaft. Er war die Aufgabe zu Guttenberg's sich erst mal umfassend zu informieren aber das hat er wohl versaeumt. Hier kommt jetzt natuerlich durch den Untersuchungsausschuss ans Tageslicht was er gerne verborgen haette. Der Untersuchungsausschusch hat ja nicht originaer zum Ziel den Verteidigungsminister zu erlegen, die Umstaende des Angriffs auf die tank LKW's sollen geklaert werden und erst zu Guttenberg's unueberlegte Handlung fuehrt zur aktuellen Situation. Warum sollte Schneiderhahn gegen zu Guttenberg aussagen, wenn dieser ihn nicht unter falschen Voraussetzungen gechasst haette.

Die billige Polemik, die hier ein paar Schreiber loslassen und die ueblichen daemlichen Phrasen auf Struck, Steinmeier oder Schroeder absondern koennen nicht vom Fehlverhalten zu Guttenberg's ablenken. Ihr vergesst naemlich bei eurer Polemik den damaligen Verteidigungsminister und der hiess weder Struck noch Steinmeier oder Schroeder und war schon garnicht im Verdacht der SPD anzugehoeren. Vielleicht lernt er ja etwas daraus jung genug um lernfaehig zu sein ist er ja. zu Guttenberg hat ja wohl inzwischen auch ohne Untersuchungsausschuss etliche Rueckzieher gemacht und wohl selbst festgestellt dass er voreilig und falsch gehandelt hat.
Nursery (19.03.2010, 14:19 Uhr)
Fatale Berichterstattung
Wie Unglaubwürdig die ganze Maschinerie des "Superpolitikers Guttenberg" gelaufen ist zeigen jetzt die Insider.Die Medien hatten ihren neuen Star und verkaufen die Bürger für Blöd.Wie schnell die Erklommene Leiter zu einem Fall führt und Fakten den Wählern vorenthalten sind unglaublich. Vor Selbstüberschätzung können Kameraden wie Westerwelle,Guttenberg,Rösler kaum noch gehen.Dabei stehen sie sich in der Regel selber im Weg.Eine schlimme Entwicklung wenn das die Zukunft des zukünftigen Politikers sein soll.
Karl_Schreiber (19.03.2010, 14:03 Uhr)
Für Leute wie Gutenberg
(Geldadel) ist unsere Republik ein riesiger Supermarkt mit der Lizenz zur Selbsbedienug . Einer seiner Brüder wurde neulich Vorstand aller Waldbesitzer oä. Wer hat, dem wird gegeben werden. Gerne und viel. Wer aber nichts hat, den holt der Westerwelle und jagt ihn davon.
jetrabbit (19.03.2010, 13:53 Uhr)
deutscher CFR ableger
jetzt verstehe ich wieso guttenberg aus dem nichts, in höchste ämter gesetzt wurde und narrenfreiheit geniesst. CFR, trilateral commission, bilderberger, sind die schutzmauern, welche die US FED (grösste privatbank der welt) ummanteln.
MEHR ZUM ARTIKEL
Kundus-Ausschuss "Guttenberg hat einen Sündenbock gesucht"

Nach den Steilvorlagen im Kundus-Ausschuss schießt sich die Opposition auf den Verteidigungsminister ein. Karl-Theodor zu Guttenberg habe seine Verantwortung "stil- und würdelos" abgewälzt. mehr...

Schneiderhan und Wichert im Kundus-Ausschuss Die Gefeuerten feuern zurück

Haben der Ex-Generalinspekteur und der frühere Staatssekretär ihre Minister ausreichend über den Angriff von Kundus informiert? Wolfgang Schneiderhan und Peter Wichert sagen "eindeutig ja" und greifen die Hardthöhe an. Die Opposition sieht den Verteidigungsminister schwer belastet. mehr...

Kundus-Affäre Wer sagte wann was?

Karl-Theodor zu Guttenberg, Wolfgang Schneiderhan, Franz Josef Jung - wer von den Protagonisten der Kundus-Affäre hat wann was zum Thema gesagt? Eine Chronologie. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe