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7. November 2009, 20:16 Uhr
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Opel - eine politische Insolvenz

Beim Debakel um Opel sind sich plötzlich alle einig: Der Mutterkonzern General Motors sei "hinterhältig", "abgezockt", "verantwortungslos". Doch eigentlich haben es die selbsternannten Retter aus der Bundespolitik vergeigt. Von Wolfram Weimer

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"Geiselnahme": Hessens Ministerpräsident Roland Koch© Ralph Orlowski/Reuters

Vor allem die Politik schwingt sich zum Moralapostel über "die Amerikaner" auf, als hätten die uns die Loreley oder den Kölner Dom gestohlen. Von Rainer Brüderle bis Gregor Gysi ziehen sie auf die verbalen Barrikaden, machen Gewerkschaften wie Medien heiß und spielen Robin Hood, als seien sie die Rächer der Armen, Witwen und Waisen des Opel-Universums. Roland Koch lässt sich sogar dazu hinreißen, den Amerikanern "Geiselnahme" vorzuwerfen, als wäre Rüsselsheim der Sherwood Forest und Detroit das grausame Schloss des Sheriffs von Nottingham.

Tatsächlich aber trägt die deutsche Politik selber eine Mitschuld an der verfahrenen Situation. Denn ihre selbstgefällige Einmischung in die Geschicke des Unternehmens haben dessen Probleme nur vergrößert. Dabei gab es im Frühjahr die Gelegenheit, den Königsweg für eine Neuausrichtung des Opel-Konzerns zu beschreiten: die geordnete Insolvenz. Mit ihr wären die amerikanischen Alteigentümer aus dem Spiel gewesen. Mit ihr hätte es ein geordnetes Bieterverfahren gegeben. Mit ihr wäre ein marktorientiertes Kalkül aufgegangen und kein politisches Spiel entfesselt worden. Heute zeigt sich, wie töricht der politische Retterreflex gewesen ist.

Merkel und Steinmeier

Der damalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wurde gescholten als "Insolvenzminister" und "kalter Baron", als er das Insolvenzverfahren noch anmahnte. Nun gibt ihm die Entwicklung auf ganzer Linie Recht. Denn auch in der Politik gilt: Gut gemeint ist lange noch nicht gut gemacht.

Waren es nicht Merkel und Steinmeier, die sich wahlkampfgetrieben wechselseitig mit Hilfszusagen hochschaukelten? Legten sie sich nicht voreilig und ohne Not auf einen schillernden Magna-Partner mit russischen Krediten fest? Wurde nicht willkürlich mit Staatshilfemilliarden um sich geworfen, die GM jetzt offensichtlich gar nicht mehr braucht? Brüskierte die Politik in ihrem Rettungswahn nicht gleich noch unsere Nachbarländer, indem man nur deutsche Werke retten wollte? Hat nicht die EU-Kommission letztlich das Debakel der deutschen Industriepolitik ausgebremst?

Nie wieder Robin Hood

Schon in der dramatischen Beschreibung der Krise lag die Politik falsch. Denn der Finanzkrach von 2008 war mitnichten "die schlimmste Wirtschaftskrise seit 1929", eher sogar eine kurze Rezession. Deshalb sollte man nun lieber froh darüber sein, dass sich die Lage vieler Unternehmen so schnell verbessert hat. Und weil das so ist, kann auch General Motors mit gutem Recht ein eigenes Sanierungskonzept vorlegen, und die Politik täte gut daran, dies erst einmal abzuwarten. Für uns Steuerzahler scheint die neue Entwicklung sogar erfreulich, denn plötzlich werden deutlich geringere Staatshilfen erbeten als zuvor. Und bei Lichte betrachtet hätte das Magna-Russland-Abenteuer mehr Risiken in sich geborgen als der Comeback-Versuch der Amerikaner.

Die Pointe der Geschichte liegt darin, dass General Motors - anders als Opel - selber den Weg der geordneten Insolvenz gegangen ist und nun gestärkt dasteht. Wenn für die Zukunft aber die Lektion gelernt worden ist, dass die Politik die Wirtschaft mit ihren Robin-Hood-Spielen besser verschont, dann hätte die Opelkrise für Deutschland viel bewirkt.

Von Wolfram Weimer
KOMMENTARE (9 von 9)
 
johnwayne1477 (08.11.2009, 22:21 Uhr)
Recht soll behalten...
Herr Eisenbaer !!!

Ich war auch einer von denen die Herrn von und zu Gutenberg`s "Vision" von einem geordneten Insolvenzverfahrens hinterfragt hat. Die Gründe für seine "Vision" dürften wohl mittlerweile alle kennen.

Wenn es um die Politiker geht, haben sie nichts anderes gemacht, als Herr Gutenberg, denn alle handeln in ihren Interessen und Vorteilen.

Ob es nun Herr Gutenberg ist, der seine Verwandtschaft in den Vorteil ziehen wollte, oder die Herrn Politiker um die Wahl zu gewinnen.

Wie öfter schon gesagt, die einzigen die den Scheiss ausbaden müssen sind die armen Mitarbeiter. Sonst niemand. Und der Steuerzahler wird nunmehr so oder so zur Kasse gebeten, denn Tausende werden ihren Job verlieren.

Ich möchte euch an dieser Stelle nur noch eines sagen, denkt mal ein wenig mehr über Politiker nach, untersucht bzw. recherchiert mal ein wenig in der Vergangenheit, dann werdet ihr es auch feststellen, dass sich unsere großen Vorbilder NIEMALS in die eigene Hand beißen werden !!!!
Eisenbaer (08.11.2009, 20:01 Uhr)
Ich kann mich noch recht gut....
...an die wütende Reaktion der "Öffentlichen Meinung" erinnern, als Herr Minister von Guttenberg die geordnete Insolvenz vorgeschlagen hatte. Der gleiche empörte Aufschrei hier in den Leserkommentaren.

Und nun, wo sich herausstellt, dass der Radikalkurs der Wirtschaftspolitiker richtig gewesen wäre, nun sind schon wieder die Spitzenpolitiker Schuld, die dem Volk doch eigentlich nur nach dem Maul gesprochen (und gehandelt) haben.

War ja klar: die Politiker agieren - und das Volk träumt immer das gleiche Mantra laut vor sich hin: "Alles wird gut!" - "Alles wird gut!" - "Alles wird gut!"
erichmonika (08.11.2009, 18:13 Uhr)
Letzte Weisheit eines Besserwissers
"Wolfram Weimer gilt als wertkonservativ. In der Ordnungspolitik vertritt er wirtschaftsliberale Positionen. So fordert er die Reduzierung der Staatsquote und umfassende Deregulierung. Die Warnungen vor dem Klimawandel hat er unter anderem als ?Öko-Horrorshow? bezeichnet, die Ergebnisse des Weltklimarats zieht er in Zweifel In der Integrationsdebatte kritisiert Weimer ?naiven Multikulturalismus? und spricht von einer ?Multi-Kulti-Lüge?. Wenn man das alles bei Wikipedia nachgelesen hat, weiß man,woher der Wind weht. Er ist eine Stockkonservatiever. Währe die Erde eine Scheibe, würde er rechts runter fallen. Es it ja gut, dass der Stern auch solche abwegigen Meinungen zulässt. Demnächst schreibt hier Herr Voigt von der NPD.
kabelmann (08.11.2009, 15:33 Uhr)
Herr Weimer,
Ich dachte jetzt da sie doch so ein hohes Tier beim Focus werden sind wir sie außerhalb der marktradikalen Sphären endlich los.

Jetzt senfen sie hier aber trotzdem weiter vor sich hin.

Ist ja schlimm
Prologo (08.11.2009, 12:59 Uhr)
Merkel und Steinmeier haben es alleine versaut!
Nur wegen dem Wahlkampf haben sich die beiden zum Retter aufgespielt. Die Opelaner waren denen dabei völlig wurscht.

Warum ist denn erst nach der Wahl und der Dankesrede von Merkel in USA die Bombe geplatzt?

Und der Messias von USA Obama hat auch nichts vorher gewußt? Ich lach mich krank.

Für den Verkauf an Magma hätten sie die Milliarden locker gemacht. Und jetzt zieren sie sich plötzlich, weil GM Opel behalten will. Dämlicher gehts nicht mehr.

Aber daran sieht man ja noch deutlicher, vor der Wahl waren ihnen die Opelaner wurscht, und nach der Wahl erst recht.

Das einzig Gute daran ist, die schlaue Mekel muss jetzt die Suppe auslöffeln,
die sie angerichtet hat.
MfG,
Tobi

rockyciano (08.11.2009, 10:53 Uhr)
Herr Weimer hat mit seinem
Artikel den Nagel auf den Kopf getroffen.Wenn Politiker die Existenzängste der Betroffenen noch für ihren Wahlkampf mißbrauchen ist das höchst unseriös.Fakt ist : GM ist der Besitzer und hat es nicht nötig unseren Politikern sanft über den Kopf zu streicheln.Das "Narrenschiff" in Berlin hat alles verbockt und versucht nun vehement den Hals aus der Schlinge zu ziehen,notfalls auch auf Kosten der Betroffenen.
Bitte-sachlich (08.11.2009, 09:42 Uhr)
Oh Mann, der Weimer hat echt Nerven
Wenn sich Herr Weimer und auch der Focus damals neben dem Baron eindeutig zu Wort gemeldet hätten mit dem Ruf nach der Opel-Insolvenz, lauthals wie man es aus dieser extremistischen Ecke gewohnt ist, dann würde ich ihm jetzt zujubeln für seine Weisheit. Hat er??

Wohin der Weimer guckt als CSU-Fan erfährt man auch gleich nebenbei. Obwohl die Linkspartei nur eine von vielen gleichen Stimmen ist derzeit zum Thema Opel, rüpelt Weimer wie weiland Seehofer wieder gegen das, was er politisch nicht ausstehen kann: "von Brüderle bis Gysi".

Und unterschwellig jubelt uns Weimer sein politisches ABC zum x-ten Male unter:

- selbstgefällige Einmischung bei Unternehmen (wo war der Weimer, als die Banken um Einmischung in Form von deutschen Staatskrediten bettelten?)

- die eben gröbst überstandene Finanzkrise, die beileibe noch nicht abgeschlossen ist, wird als kurze Rezession verniedlicht (ich wäre dafür, Herrn Weimer mit für die Unsummen aufkommen zu lassen, die die Krise den braven Steuerzahler kostet)

- GM's Sanierung per Insolvenz wird gelobt. Also ehrlich, mit sovielen Staatsmilliarden kann man die allermeisten Insolvenzen schaffen. Aber auch hier, wo ist Weimers Protest gegen die US-staatliche Einmischung in ein runtergewirtschaftes Unternehmen?

- "Magna-Russland-Abenteuer". Der Weimer ist ein kalter Krieger von annodazumal. Selbst CNN betont in erster Linie die kanadische Zugehörigkeit von Magna und weniger den russischen Anteil.

- Merkel und Steinmeier hätten sich voreilig festgelegt. Naja, Weimer hält nunmal nix von aktiver Politik für tausende Jobs, er sitzt ja auch die Krise gemütlich in seinem Büro ab und kommentiert schlau (hinterher aber erst)

- Den Wortbruch von GM, den freilich beschönigt er als "gutes Recht". Typisch.
jetrabbit (08.11.2009, 01:16 Uhr)
ja, steinmeier und merkel
haben sich mit geld an GM gegenseitig überboten. nun ist es alles auf GM konten. das war um gut auszusehen vor der anstehenden wahl. opel hat mit sicherheit keine zukunft in deutschland. wie auch, da will der gesamte vorstand von GM in der USA mitverdienen. die konkurrenz hier ist viel zu stark, da kann opel seit jahren schon nicht mehr mithalten.
Fakten (07.11.2009, 23:02 Uhr)
Kaufen werden wir die GM Produkte nicht mehr.
Da kann dann Angela Merkel noch so den Amis in den Allerwertesten kriechen und sich wie letztens fuer die US Bomben auf deutsche Zivilisten bedanken.
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