Uli Hoeneß erklärt die Welt: Vor seinem 60. Geburtstag spricht der Präsident im Interview über die Italien-Griechenland-Krise, Parteienstreit - und warum er sich wundert, dass der BVB die Mannschaft des Jahres ist.

Redet sich mal wieder in Rage: Bayern-Präsident Uli Hoeneß© Getty Images
Er ist der Mr. FC Bayern: Uli Hoeneß. Am 5. Januar 2012 feiert der Präsident des deutschen Rekordmeisters seinen 60. Geburtstag. Zur Jahreswende steht sein Verein blendend da - jetzt sollen im neuen Jahr auch Titel her.
Herr Hoeneß, haben Sie Vorsätze oder Ziele für 2012?
Vorsätze habe ich immer, fünf oder zehn Kilo abzunehmen, aber das ist an Silvester immer so. Manchmal klappt's, dann nicht. Die beste Therapie für mich wäre stressfrei zu sein. Wenn die Mannschaft gut spielt, habe ich gute Chancen.
Die Mannschaft hat Ihnen zuletzt sehr viel Freude gemacht, so kann es doch weitergehen, oder?
Es hat selten ein Jahr gegeben, wo wir so rundum zufrieden sein konnten, es ist ja alles unvorstellbar, wenn man das Gesamtbild anschaut. Es geht ja nicht nur um die Herbstmeisterschaft und Champions League, sondern auch um die wirtschaftliche Situation, es ist Ruhe im Verein, kein Krach, kein Streit, es gibt keine großen Konflikte. Wenn Sie mal die Welt anschauen, Syrien, in Ägypten geht es wieder los, in den Parteien jeder gegen jeden, die Grünen gegen die Roten, aber auch die FDP in sich, CDU/CSU Gott sei Dank nicht im Moment, ist mein Geheimrezept für alles Erfolgreiche: sich einig sein, alle Konflikte intern lösen. Anders geht es nicht.
Das ist der große Unterschied zum Vorjahr?
Wir haben keine Reibungsverluste innerhalb des Clubs, wir können draußen angreifen. Wir haben hier drin oft genug Sitzungen gehabt, die waren boring, würde der Engländer sagen. Die kosten zu viel Kraft.
Das war beim Ex-Trainer Louis van Gaal auch ein bisschen so, oder?
Ich will jetzt das Thema van Gaal beenden. Es war einfach nie das, was wir uns vorgestellt haben. Fachlich brauchen wir nicht zu diskutieren, das war okay. Aber du darfst heutzutage keine Reibungsverluste haben. Es gehört nicht nur fachliche Kompetenz dazu, sondern auch menschliche.
Wenn alles so rund läuft in diesem Jahr, kann es ja nur in dem einem oder anderen Titel enden.
Ja, aber man darf nicht vergessen, draußen gibt es auch andere gute Mannschaften. Und unsere Gegner, in Deutschland sind es Dortmund, Schalke und Gladbach, die haben den Vorteil, sie haben gar keinen Europapokal mehr. Okay, Schalke spielt Europa League, aber die haben die Champions League nicht mehr. In der Champions League wollen wir weit kommen. Dort ist Real Weltklasse dieses Jahr, Barcelona sowieso, dann kommt vielleicht noch der eine oder andere Engländer. Auch die Italiener darf man nie unterschätzen.
Und dann der FC Bayern, der Ihnen in dieser Hinrunde viel Freude gemacht hat. Zum Beispiel mit vielen Siegen in Serie ...
Was ich besonders genossen habe, waren diese vier, fünf Heimspiele, wo wir Fußball zelebriert haben. Wir hatten es ja oft in den letzten Jahren: 1:0 geführt, gezittert, mit Mühe und Not das zweite gemacht, und dann irgendwann vielleicht 2:1 gewonnen. Aber diesmal waren da Spiele bei, ich denke an Hertha, Freiburg, Hamburg. Da war nach einer halben, dreiviertel Stunde alles gegessen. Dann sitzt du ja ganz anders da oben, dann genießt du, dann kannst du in der Halbzeit mal einen Glühwein trinken, wenn es kalt ist, oder einen Apfelstrudel essen.
Über was redet man da oben eigentlich?
Ich sage ja während des Spiels gar nichts (schmunzelt). Der Karl-Heinz (Rummenigge) spricht ja immer. Der muss immer aufpassen, dass er nicht zu viel spricht.
Wer ist da oben der Ruhigste? Wer der Impulsivste?
Karl Hopfner ist natürlich der allerruhigste von uns allen. Aber ich bin auch ruhig - im Gegensatz zu Karl-Heinz bin ich ein Lamm! Aber weil wir beide immer so ruhig sind, schaut Karl-Heinz uns oft an und sagt: War ich jetzt wieder zu weit?
Ist es oben auf der Tribüne eigentlich schöner als auf der Bank?
Auf der Bank ist es natürlich intensiver. Oben bist du noch ohnmächtiger, da bist du fast schon im Himmel. Beides hat seine Vorteile. Es ist eine neue Zeit. Da unten war es natürlich Adrenalin pur, wenn du noch den Linienrichter beschimpfen konntest und dem Schiedsrichter auf dem Weg in die Kabine sagen konntest: Was sie heute wieder pfeifen, das geht ja gar nicht!
Haben Sie einen Spieler des Jahres ausgemacht?
Ich hätte schon den einen oder anderen, aber ich möchte ihn eigentlich nicht nennen, weil man damit die anderen ein wenig abwertet. Wenn ich jetzt jemanden nenne, das ist halt leider so, dann geht vielleicht jemand anderes zu ihm hin und sagt: Hat der Hoeneß was gegen dich? Du hast doch eine Super-Saison gespielt! Deswegen lass ich es.