. .
Sport aus aller Welt
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. März 2007, 15:58 Uhr

"Ihr könnt alles von mir haben"

Die Weltrekordlerin und Favoritin bei der Schwimm-WM, Britta Steffen, wird kaum verehrt, sondern angesichts ihres Leistungsschubs argwöhnisch beäugt. Um gegen Dopingverdächtigungen zu kämpfen, bietet sie sich als gläserne Athletin an. Porträt eines verhinderten Stars. Von Alexandra Kraft

Schwebezustand: Britta Steffen, 23, hofft, eines Tages beweisen zu können, dass sie sauber ist© Jens Neumann; Gero Breloer/dpa

Es ist ein Dilemma, und es gibt keinen Ausweg. Wenn sie an diesem einen Tag schlecht drauf sein sollte, verdammt nervös vielleicht, und am Ende nicht als Erste anschlägt, dann werden viele sagen: "Klar, diesmal wurde sie besser kontrolliert." Sollte sie in guter Form sein und den anderen davonschwimmen, wird es heißen: "Na, wenn die mal nicht gedopt hat." Britta Steffen, 23, ist für eine Schwimmerin zierlich. Sie hat keine Muskelpakete, stattdessen weibliche Rundungen. Jeden Tag, außer sonntags, schindet sie sich sechs bis sieben Stunden. Schon frühmorgens um kurz vor acht zieht sie ihre Bahnen im Becken des Berliner Velodroms. Ihr Stil ist nicht kraftvoll, sondern elegant. Sie gleitet mit Leichtigkeit durchs Wasser, während ein Seil weiter eine ihrer Trainingspartnerinnen spritzend durchs Becken pflügt.

Glücksschmied: Trainer Norbert Warnatzsch verhalf ihr zum Karrieresprung© Jens Neumann; Gero Breloer/dpa

Die Chancen, dass sie am Wochenende bei den Weltmeisterschaften in Melbourne siegen wird, stehen gut: in der Staffel und in ihrer Paradedisziplin 100 Meter Freistil. Sie ist vierfache Europameisterin, sie hält zwei Weltrekorde, und sie ist derzeit Deutschlands beste Schwimmerin. Sie müsste eine gefeierte Sportheldin sein, die Nachfolgerin von Franziska van Almsick. Sie ist zudem blond und langbeinig, verkörpert also all das, was Sponsoren sich wünschen. Doch Ruhm und Verträge sind nicht mehr so einfach zu erlangen in einer Zeit, in der Spitzenathleten allgemein und Schwimmer im Speziellen unter Generalverdacht stehen; in einer Zeit, in der der Sport kaum noch unbefleckte Heldenepen kennt. Dieses Misstrauen bekam Britta Steffen im vergangenen Jahr zu spüren, und sie ist es bis heute nicht losgeworden. Bei der EM in Budapest schwamm sie eine Fabelzeit nach der anderen - eine Sportlerin, die ein Jahr lang Pause macht, zurückkehrt und plötzlich schneller ist denn je. Eine "unheimliche Beschleunigung" schrieb die "FAZ". Und nicht nur sie hatte Zweifel.

Nach dem Training sitzt Britta Steffen in einem Café nahe dem Prenzlauer Berg, es macht ihr nichts aus, über die EM und die Schlagzeilen zu sprechen. Sie sagt: "Ich hatte das Pech, dass zur selben Zeit Jan Ullrich wegen Dopingverdachts suspendiert wurde." In ihrem Fall gibt es keine Blutbeutel, keine verräterischen Kalendernotizen. Noch nicht einmal Indizien. Sechsmal wurde sie in den vergangenen vier Monaten auf Doping untersucht, so häufig wie kaum eine andere. Das Einzige, was Britta Steffen unglaubwürdig macht, sind ihre Leistungen. "Das reicht heutzutage schon aus", sagt sie. Und gibt selbst zu: "Ich würde auch so denken, wenn eine Konkurrentin plötzlich so gut in Form wäre wie ich."

Die Verdächtigungen haben sie zutiefst verletzt, sagt sie. "Es ging an mein Innerstes. Ich musste lernen, damit zu leben." Britta Steffen wirkt angespannt, nestelt an ihren Haaren. Die Angst, etwas Falsches zu sagen, lässt sie hölzern wirken. Ihre Sätze klingen wie auswendig gelernt. Sie sagt: "Ich könnte nie in dem Bewusstsein auf dem Starblock stehen zu betrügen." Und: "Ich würde meine Gesundheit nicht für das bisschen Kohle ruinieren." Das behaupten viele. Doch: Wem kann man noch trauen?

Sportler, die nach einem enormen Leistungsschub argwöhnisch beäugt werden, hoffen darauf, dass sich die Gerüchte im Laufe der Zeit verflüchtigen. Britta Steffen gab sich damit nicht zufrieden. Nach der EM bot sie in einer Pressekonferenz an: "Ihr könnt alles haben. Mein Blut, DNA, jederzeit. Ich habe nichts zu verbergen." Es hörte sich sehr verzweifelt an. Ihr Trainer Norbert Warnatzsch verkündete danach pathetisch: "Ich verbürge mich dafür, dass sie sauber ist." Aber wer verbürgt sich für ihn? Und ihre nach den Erfolgen von Ungarn engagierte Managerin Regine Eichhorn sah, ganz erfahrene PR-Frau, in der Debatte sogleich eine Chance: "Britta könnte die erste Sportlerin sein, die dem Publikum ihre Sauberkeit beweist."

  zurück
1 2
 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch