Geld zerstört die Welt

10. August 2007, 09:21 Uhr

Von einer "Kreditkrise" ist die Rede, die Notenbanken greifen ein, der Dax verliert. Aber wie kann es sein, dass eine Krise auf dem US-Häusermarkt deutsche Banken und den Aktienmarkt in Turbulenzen stürzt? Der stern erklärt und illustriert die Regeln des globalen Milliardenspiels. Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

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Hatten Sie bis zur vorigen Woche schon mal etwas von einem Düsseldorfer Geldhaus namens IKB Deutsche Industriebank AG gehört? Wohl kaum. Doch vor zehn Tagen kam heraus, dass das Institut praktisch pleite und Deutschland womöglich an der größten Finanzkrise seit 1931 vorbeigeschlittert ist. Die IKB verlor ihre Chefs und Stunden später die Hälfte ihres Börsenwertes. Die bundeseigene KfW-Bank, der 38 Prozent der IKB gehören, bürgt mit acht Milliarden Euro. So hat sie einen Dominoeffekt verhindert, der andere Banken hätte mitreißen können. Dann wären auch Anlagen von Kleinsparern in Gefahr geraten.

Eigentlich war die IKB auf die Finanzierung deutscher Mittelständler spezialisiert, doch sie spekulierte am amerikanischen Markt für Immobilienkredite. Der gerät seit einigen Monaten immer tiefer in die Krise, die IKB nun mit ihm. Wie es zu den Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen konnte, ist eine lange Geschichte. Am Anfang steht aber eine ganz einfache Frage: Würden Sie jemandem Geld leihen, von dem Sie wissen, dass er Schwierigkeiten haben wird, es Ihnen zurückzuzahlen? Viel Geld? Bestimmt nicht. In der globalen Finanzwelt aber ist das üblich, ja ein Milliardengeschäft. Daran wollte auch die IKB mitverdienen. Da leihen US-Banken Hauskäufern Zehntausende Dollar, obwohl deren Einkommen kaum zum Leben reicht. Da bekommen private Finanzinvestoren, sogenannte Private-Equity-Gesellschaften, von Banken Hunderte Millionen Dollar Kredit, um angeschlagene Firmen zu kaufen. Da versorgen Geldhäuser Hedgefonds mit Milliardenkrediten, obwohl die schon bei kurzzeitigen Verlusten von zehn Prozent pleitegehen können.

Warum machen Banken so riskante Geschäfte? Zum einen, weil sie das Leihgeld lange sehr billig von den staatlichen Zentralbanken bekommen konnten. Das hat sich in Amerika nun deutlich verteuert, in Europa ein wenig. Ein zweiter Grund macht die Verlockung noch größer: Die Banken müssen die heiklen Darlehen nicht behalten, sondern sie verkaufen sie weiter (siehe Grafik). Käufer solcher Kredite sind vor allem Hedgefonds, übersetzt "Absicherungsfonds". Seit einiger Zeit beschließen immer mehr von ihnen, Banken nicht mehr jeden Immobilienkredit abzukaufen. Das hat Folgen – weltweit. Die Banken drehen jetzt überall die Geldhähne zu, versuchen zu retten, was teils nicht mehr zu retten ist. Neben der IKB stehen US-Baufinanzierer wie New Century und American Home am Rande der Pleite. Eine der größten Private-Equity- Firmen der Welt, KKR & Co, der in Deutschland unter anderem der "Grüne Punkt", die Kfz-Kette A.T.U. und Teile von Pro Sieben Sat1 gehören, muss einen Firmenkauf abblasen – mangels Kredit. Das eigentliche Problem ist, dass niemand mehr genau weiß, wie viel Kredit gerade bei wem und mit welchen Risiken zu Buche steht. Denn Hedgefonds und Private-Equity-Unternehmen handeln nahezu ohne jede Aufsicht oder Kontrolle.

Unter tätiger Mithilfe von Banken haben sie eine gigantische Geldbombe gelegt, vor deren Explosion Altkanzler Helmut Schmidt, Ex-Citibank-Boss Sandy Weill und auch die europäischen Notenbanken warnen. Jetzt, da immer mehr Kredite platzen, wird die Lage auch auf anderen Märkten explosiv: Die Aktienbörsen von New York über Frankfurt bis Tokio verloren rund zehn Prozent an Wert – binnen zwei, drei Wochen.

Im Finanzuniversum des 21. Jahrhunderts hängt alles mit allem zusammen. Da nehmen Häuslebauer in Ostdeutschland einen Kredit bei der Münchner Hypo-Vereinsbank auf – und haben es plötzlich mit amerikanischen Finanzinvestoren zu tun. Die haben die Kredite aufgekauft – und die Zinsen erhöht. Die neue Geld-Welt ist gefährlich und undurchschaubar. Wer oder was sind Hedgefonds, Private-Equity-Firmen, Staatsfonds? Wie riskant ist ihr Treiben? Lesen Sie auf den nächsten Seiten die Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Hedgefonds

Herkunft Der erste Hedgefonds wurde 1949 in den USA von Alfred Winslow Jones gegründet, einem Wirtschaftsjournalisten. Die Idee: mit Wertpapieren, vor allem Aktien, Geld verdienen, auch wenn die Kurse fallen. Das geht, wenn man Aktien verkauft, die man erst später zu dann womöglich niedrigeren Kursen selbst kauft. Bekannt machte die Hedgefonds der aus Budapest stammende George Soros. Der studierte Ökonom ging 1969 in die Branche und verlagerte als einer der Ersten Geschäfte auf Karibikinseln, um sich staatlicher Finanzaufsicht zu entziehen. Berühmt wie berüchtigt wurden seine Devisenspekulationen gegen das britische Pfund oder die D-Mark.

Heilsversprechen Der Köder für die Kunden war nie der maximale Profit, sondern das Versprechen, praktisch nie Verlust zu machen – egal, wie sich Aktien, Zinsen oder andere Geldanlagen entwickeln. So erklärt sich auch der Name "Hedge", zu Deutsch "absichern".

Geldgeber Das sind vor allem Großinvestoren wie Versicherungen, Pensionskassen, reiche Privatleute und private Universitäten. Der US-Elite-Uni Harvard droht jetzt ein Verlust von bis zu 700 Millionen Dollar – Folge der US-Immobilienkrise.



Grösse Insgesamt verwalten die weltweit rund 9000 Hedgefonds geschätzte 1,6 Billionen Dollar. Das entspricht knapp der Hälfte des Geldvermögens aller Deutschen. Hinzu kommen noch geschätzte 500 Milliarden Dollar Kredit.

Menschen Macher und Manager stammen typischerweise aus Banken. Teils betreiben Institute wie JP Morgan Chase und Goldman Sachs selbst derartige Fonds. Teils verlassen Banker auch ihre Arbeitgeber, um eigene Fonds zu gründen. Einige Fonds werden von Ex-Wissenschaftlern (Ökonomen, Mathematikern) verwaltet.

Gehälter Spitzenreiter 2006 war James Simons, 69, Doktor der Mathematik, Gründer und Chef von Renaissance Technologies, dem sechstgrößten Hedgefonds der Welt. Simons strich 1,7 Milliarden Dollar Jahresgehalt ein – mehr als das Hundertfache des Gehalts von DeutscheBank-Chef Josef Ackermann. Sein Stundenlohn bei acht Stunden täglicher Arbeit und einer Sieben-Tage-Woche: 580 000 Dollar (420 000 Euro).

Strategien Es gibt ein gutes Dutzend. Gemeinsam ist allen, dass zusätzlich zum Kundenkapital auch geliehenes Geld investiert werden kann. Diese Möglichkeit unterscheidet Hedgefonds von herkömmlichen Investmentfonds. Und ein Weiteres: Schon bei kurzfristigen Verlusten von mehr als zehn Prozent droht Hedgefonds die Totalpleite – weil die Anleger massenhaft ihr Geld abziehen. Hedgefonds ist jeder Deal erlaubt, der an den Weltfinanzmärkten angeboten wird. Sie handeln jedoch nur ganz selten direkt mit Aktien, Zinspapieren, Devisen, Rohstoffen oder Immobilien. Sie spekulieren mit von solchen Basiswerten abgeleiteten Wertpapieren ("Derivaten"). Nur sehr selten geraten sie in die Schlagzeilen, wie zum Beispiel durch die Beteiligung an der Deutschen Börse AG. Die allermeisten Hedgefonds arbeiten mithilfe ausgefeilter Computerprogramme still und leise und verdienen umso mehr, je stärker Märkte, etwa Aktienbörsen oder Rohstoffpreise, ausschlagen. Egal, ob nach oben oder unten.

Auswirkungen auf Deutschland Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bescheinigt Hedgefonds einen grundsätzlich positiven Einfluss auf das globale Finanzsystem. Die schnellen, flexiblen und radikalen Handlungen beschleunigen Trends an sämtlichen Märkten und sorgen so für eine schnellere Bereinigung – zumindest in der Theorie. Gefährlich für das Finanzsystem ist aber das große und weitgehend unbekannte Kreditvolumen. Politiker fordern mehr Transparenz. Doch die Fonds würden dann wohl noch stärker in Länder auswandern, die von ihnen keine Daten verlangen

Private Equity

Herkunft Zu Beginn der 50er entstanden in den USA und Großbritannien die ersten Private-Equity-Firmen, übersetzt: „private Beteiligungsgesellschaften“. Sie beteiligen sich an Unternehmen, besonders denen, die nicht an der Börse gehandelt werden. In der anglo-amerikanischen Wirtschaft wurden sie zu den wichtigsten Finanziers für Firmen. Anders als Banken verlangen sie für das vergebene Geld keinen Zins, sondern steigenden Gewinn und Unternehmenswert. Denn ihr Ziel ist, die Beteiligung später gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Heilsversprechen Die direkte, außerbörsliche Firmenbeteiligung bringt eine höhere Rendite als die Anlage am Aktienmarkt.

Geldgeber Die Mittel stammen von Großanlegern, Versicherungen und Pensionskassen. Zusätzlich beschaffen sich die Gesellschaften Bankkredite zur Finanzierung ihrer Beteiligungskäufe.

Grösse Das investierte Vermögen der zehn marktführenden Gesellschaften beträgt allein rund 500 Milliarden Dollar, rund das Doppelte des Bundeshaushaltes. Die großen Spieler sitzen überwiegend in den USA und in England. An der Spitze steht die New Yorker Firma Blackstone, unter anderem mit 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom beteiligt.

Menschen Die Beteiligungsjongleure kommen aus der Finanzbranche und auch aus Unternehmensführungen und der Politik. So ist der frühere US-Handelsminister Peter G. Peterson ein Mitbegründer von Blackstone. Und John W. Snow, bis Mai 2006 US-Finanzminister, ist heute Chef von Cerberus, das Daimler gerade große Teile von Chrysler abgekauft hat. Für Cerberus arbeitet zudem Ex-VW- und Ex- Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard.

Gehälter Dreistellige Millioneneinkommen pro Jahr sind bei den Branchenführern üblich. Die Nummer eins, Blackstone- Boss Stephen A. Schwarzman, kassierte im vergangenen Jahr geschätzte 400 Millionen Dollar – also deutlich weniger als die bestverdienenden Hedgefondsmanager, aber immer noch das 40- bis 50- Fache deutscher Großbankchefs.

Strategien Private-Equity-Firmen kaufen sich direkt in Unternehmen ein, am liebsten zu 100 Prozent und gern auch auf Pump. Mit den Krediten werden häufig die gekauften Firmen belastet, sie müssen diese tilgen. Dafür wird "restrukturiert" – durch Personalabbau, Rationalisierung, Verkauf von Firmenteilen, Fusionen. Meist nach zwei bis etwa fünf Jahren erfolgt der Ausstieg – entweder durch Verkauf an andere Investoren oder durch Ausgabe von Aktien. Diese eher kurzfristige Rein-raus- Strategie brachte der Branche das Etikett "Heuschrecken" ein. Manche Private- Equity-Firmen kaufen auch Kredite. Seit 2003 verkauften deutsche Banken und Sparkassen Kredite für rund 20 Milliarden Euro an Finanzinvestoren wie die texanische Private-Equity-Firma Lone Star.

Auswirkungen auf Deutschland Bis vor wenigen Jahren hatten hierzulande Banken und Sparkassen die Rolle von Private- Equity-Investoren. Diese Tradition wurde jäh beendet. Neue Kreditvorschriften, "Basel II" genannt, fordern von den Schuldnern mehr Eigenkapital, das es häufig nur als "Private Equity" gibt. Insofern werden die Investoren dringend gebraucht. Allein im Jahr 2006 vergaben sie an etwa 6000 deutsche Firmen insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro Kapital. Die Methoden der neuen Geldgeber aber sind nicht zimperlich, im Einzelfall auch rabiat.

Staatsfonds

Herkunft Bereits vor 33 Jahren hat Singapur die Holding Temasek gegründet, die aktuell 80 Milliarden Dollar verwaltet. Temasek ist unter anderem an Singapore Airlines beteiligt sowie an der Bank of China und dem Hafenbetreiber PSA, der auch den Rotterdamer Hafen kontrolliert. Die jährliche Rendite von Temasek liegt bei 18 Prozent. Für viele der neuen Staatsfonds ist das ein Vorbild.

HeilsversprechenDas staatliche Vermögen soll für die kommenden Generationen gemehrt werden, wie es etwa der norwegische Government Pension Fund vorsieht, der 300 Milliarden Dollar aus der Ölförderung verwaltet. Schwellenländer ohne staatliches Rentensystem zielen mit ihren Staatsfonds in die gleiche Richtung.

Geldgeber Die Mittel stammen hauptsächlich aus zwei Quellen:

Rohstoffe: Russland, Venezuela und die Golfstaaten profitieren von den Rekordpreisen für Öl; Brasilien undChile verdienenam Export von Metallen. Die Steuereinnahmenaus diesen Geschäften fließen zum Teil in die Staatsfonds



Exportüberschüsse: Chinas Wirtschaft wächst kräftig,als Werkbank der Welt nimmt das Land mehr Geld ein, als es ausgibt. So steigen die Devisenreserven - wie in anderen asiatischen Schwellenländern. Chinas Rücklagen betragen 1330 Milliarden Dollar, auch Südkorea (250 Milliarden) und Singapur (141 Milliarden) haben höhere Reserven als die USA (41 Milliarden) und Deutschland (40 Milliarden).



Grösse Die US-Investmentbank Morgan Stanley beziffert das Vermögen der Staatsfonds auf insgesamt 2500 Milliarden Dollar. Das sind rund 900 Milliarden Dollar mehr, als alle Hedgefonds weltweit verwalten. Das Volumen der Staatsfonds wächst rasant. Bis zum Jahr 2015 soll es nach Berechnungen von Morgan Stanley auf 12 000 Milliarden Dollar steigen



Strategien Einen Großteil ihrer Währungsreserven haben die asiatischen Länder in amerikanischen Staatsanleihen angelegt. Sie finanzieren damit die hohe Verschuldung der USA. Wegen der Dollarschwäche ändern die Staatsfonds inzwischen aber ihre Strategie und setzen auf höhere Renditen: Sie kaufen Aktien oder gleich komplette Unternehmen. So hat sich China im Mai mit drei Milliarden Dollar am Börsengang der US-Finanzfirma Blackstone beteiligt, Katar will die britische Supermarktkette Sainsbury übernehmen. Beide Länder folgen dem Beispiel des Staatsfonds Dubai International Capital, der seit Jahren an der Börse investiert. Dubai hält drei Prozent am Airbus-Mutterkonzern EADS und ist zudem größter Einzelaktionär der Deutschen Bank. Kuwait wiederum ist seit 1974 Großinvestor bei Daimler.



Auswirkungen auf Deutschland Dubai und Kuwait schadeten den deutschen Firmen bislang nicht. Doch angesichts der neuen Spieler Russland und China werden die Politiker nervös. Finanzminister Steinbrück sorgt sich, dass Staatsfonds Schlüsselbranchen wie Telekommunikation, Banken, Post und Energie übernehmen könnten. Die CDU kündigte einen Gesetzentwurf zum Schutz deutscher Firmen an. Die Regierung befürchtet, dass die Fonds ihr Kapital nicht nur unter dem Rendite-Aspekt, sondern auch nach politischen Zielen einsetzen. Derzeit hat der Bund nur bei der Rüstungsindustrie ein Vetorecht. Doch die Deutschen müssen vorsichtig sein. Immerhin halten halbstaatliche Firmen wie Telekom oder Post Beteiligungen im Ausland. So läuft es auf die Regel hinaus: Länder, die für deutsche Unternehmen offen sind, sollen auch hierzulande investieren dürfen.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 33/2007

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KOMMENTARE (10 von 19)
 
predatory (12.08.2007, 20:54 Uhr)
Armageddon
Dies ist nur der Anfang vom (Finanz-)ende, jegliche Aktionen dagegen beschleunigen nur deren Untergang, die kosmischen Gesetze wirken immer und überall.
Countryjoe (11.08.2007, 13:57 Uhr)
Abgesahnt
Die Oberheuschrecken haben ja nun abgesahnt und suhlen sich in Milliarden, die Folgen der rücksichtslosen Gier tragen wir letzlich alle. Eine Sch...welt!
gmathol (11.08.2007, 12:40 Uhr)
IKB und 20 Milliarden Verlust!
Da muss man sich allerdings fragen wie das bei dieser kleinen Mittelstandsbank ueberhaupt moeglich war. Offensichtlich hat das Management alle Regeln von Basel II missachtet und so nebenbei vom Risikomanagement nie was gehoert. Das obendrein ein Finanzminister Peer Steinbrueck und Aufsichtsratsmitglied bei der IKB sich aus der Steuerkasse bedient um "seine" Bank zu retten kann man nur noch Korruption und kriminellen Diebstahl nennen.
Die Hoffnungen der selbsternannten Analysten der Boersen gehen hin zu der Proklamierung der Selbstheilungskraefte der Maerkte und man brauche nur die Leitzinssaetze auf Null zu setzen und alles waere wieder wie gewohnt.
Ein Schmarren.
starmax (11.08.2007, 09:48 Uhr)
Geld - als Droge! - zerstört die Welt !
Der Titel des Beitrages ist, genau genommen, falsch: Geld, auf seinen ursprünglichen Zweck als Wertmassstab und Tauschmittel reduziert, ist unverzichtbar ! Erst wenn es durch Zinsen aufgebläht und als Ansammlungsmedium dem unmittelbaren Wirtschaftskreislauf entzogen werden kann, wird es in der Übertreibung zur alles zerstörenden Gefahr. Das haben schon unsere Vorfahren erkannt - aber dann kamen die Fugger...
starmax (11.08.2007, 09:38 Uhr)
@H.P.
Richtiger und wertvoller Beitrag ! In der Theorie absolut stimmig, ähnlich unserer demokratischen Grundvorgaben - nur die Praxis zeigt leider, was Egoismus und Gewinnstreben, Amigos, Lobbies und Seilschaften daraus Schlechtes machen können :-((. Ich bin deshalb für ein Grundeinkommen zur Sicherstellung einer einfachen ( auch kulturelle Beteiligung einschließende) Existenz. Rauchen und Saufen und mehr Geld nur für Leute, die etwas leisten für die Gemeinschaft...Das Ganze ist nachweislich finanzierbar schon heute !!! Nur die Prioritäten müssen anders, d.h. besser gesetzt werden.
H.P. (11.08.2007, 09:02 Uhr)
Vogel Strauß
>Flugor (10.8.2007, 22:26 Uhr):+++wer 30 Jahre lang Trübsal bläst und _die_ Katastrophe prophezeit, wird vielleicht auch mal einen Treffer landen...+++
Und wer nur alles schön redet ist wie der Vogel Strauß der seinen Kopf in den Sand steckt um nicht zu sehen wie alles wirklich ist, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen.
In modernen Gesellschaften droht alles zum Produkt zu werden, Produkte aber werden in Quantitäten gemessen. Davon sind Kultur und Wissenschaft, ja überhaupt alle menschlichen Beziehungen betroffen. Wo alles zum Markt wird, ist der Mensch auf messbare Funktionen reduziert, besonders auf seine Rolle als Verbraucher. Daraus folgt eine Verdinglichung des Menschen und all seiner Beziehungen. Wenn alles Material wird, wird auch der Mensch Material – »Menschenmaterial« ist nicht erst eine zynische Begriffsbildung im tatsächlichen Krieg, sondern in unserer ganzen Wirtschafts- und Wertestruktur!
Was ist dagegen zu tun? Selbstorganisation von kulturellen Subsystemen auf Non-Profit-Basis könnte sich als durchaus sinnvoll erweisen, insofern dadurch das demokratische Kräftespiel unterstützt würde, das Kapital und Medien zur Farce werden zu lassen drohen. Der Staat könnte durch engagierte Zivilcourage, durch Bürgerengagement und Einmischung motiviert werden, seine Aufgabe wahrzunehmen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Wirtschaften zu setzen und durchzusetzen. Erfindung und Ausübung eines solchen Bürgerengagements gehören in die Lehrpläne der Schulen! Inhalt der notwendigen Weiterentwicklung wären die Optimierung der politischen Wirkung ebenso wie die Qualität des Umgangs miteinander und die genaue Prüfung der Ziele im Sinne nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens.
Es wird dabei darauf ankommen, zu durchschauen, wie Wirtschaft und Politik die Muster unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen. Das ist die Voraussetzung dafür, diese Muster durch kreatives Handeln aufzubrechen. Solange wir dies nicht leisten, werden wir mit unendlicher Gier und in immer größerer Geschwindigkeit die endlichen Ressourcen der Erde verbrauchen. Abgesehen davon, dass einige wenige den größten Teil dieser Ressourcen für sich in Anspruch nehmen, dieses Monopol gewaltsam verteidigen und damit die Ungerechtigkeit bei der Verteilung weltweit dramatisch zunimmt, kann dieser Prozess im endlichen System Erde nicht unendlich lange andauern.
Die Möglichkeit zur Lösung des Widerspruchs liegt in der Eindämmung der Gier und in einem intelligenteren Wirtschaften, das systemisch und nachhaltig arbeitet. Letzteres ist möglich, wenn es politisch gewollt wird; Ersteres ist erreichbar durch Bewusstseinsschulung. Wo eines auf das andere aufbaut, kann den Herausforderungen der Zeit kreativ begegnet werden.
starmax (11.08.2007, 06:04 Uhr)
Horizonterweiterung
ist nicht jedem möglich, fällt wohl den bodenständigen Hühnerhofbesitzern am schwersten, für die der nahe Kirchturm die höchste Erhebung darstellt... nur das mit den Zinsen wollen wir mal gerade rücken: Schon der intelligente und erfolgreiche Spekulant Altmeister Kostolany hat gesagt, daß von seinen 100 Investments 51 gut gehen müssen, damit ihm 49 schlechte nicht schaden.Und: Zinsen kennt die Börse nicht, nur Beteiligungen mit Risiko und Ertrag. Ohne die geldmengenbedingten Übertreibungen und Wetten auf Hebelwetten (!) ist das - mit Risikostreuung - eine sehr sinnvolle Sache; da kommen auch erkenntnisresistente Zinsdenker noch irgendwann drauf. Wenn allerdings die einhunderttausendfache Geldmenge des gesamten Weltwaren- und Rohstoffbestandes um die Erde schwirrt, erkennt wohl auch der dümmste Bauer, daß ihm da Federn für Hühner verkauft werden sollen...
Flugor (10.08.2007, 22:26 Uhr)
Was soll denn dieses flügelschlagende Gegacker?
Wann immer die Börse mal bebt (und dies tut sie in der Regel einmal pro Jahr recht heftig), tauchen überall diese Untergangsprediger gleich den US-amerikanischen Fernsehpredigern auf und erzählen jedem, warum sie es "schon immer gewusst" haben....
Klar, wer 30 Jahre lang Trübsal bläst und _die_ Katastrophe prophezeit, wird vielleicht auch mal einen Treffer landen...
Aber: Wenngleich die Notenbanken derzeit Liquiditätsengpässe (welche aber auf Misstrauen beruhende Verteilungsengpässe sind) durch "frisches Geld" bekämpfen, so ist bislang -wenngleich mit unsagbarer Dramatik- wesentlich weniger passiert, als im Mai/Juni 2006, als die Börsenwelt schon einmal unterging:
Die Kurse sind mit viel Tam-Tam wieder dort, wo sie am Montag schon waren, bzw. an der Stelle, wo im Mai dieser "Hä, was geht denn da ab?"-Effekt begann.
Seit Ende Juli laufen die Börsen mit grässlich lautem Geschrei bloß "seitwärts".
Wenn FED und EZB also "alles unter Kontrolle" verlautbaren lassen, so lassen diese Aussagen auf "alte Hasen" im Gewerbe vermuten, die dies alles schon -zig Mal gesehen haben.
Kleiner Tipp an die "eine Welt ohne Zins"-Enthusiasten:
Wenn ihr an 100 Leute je 100€ für ein Jahr verleiht, aber nur 94 Leute euch 100€ zurück geben, 6 Leute aber nichts, so wärt ihr besser beraten gewesen, mindestens 106,39€ als Rückzahlung zu verlangen.
Also einen Zins von 6,39%...
A.
P.S.:
Ein Crash sieht übrigens so aus:
Wertpapier ISIN/WKN Stand 1W 1M 6M 1J Volat.
DAX IND DE0008469008 1997-10-28 -12.63 -11.84 8.40 34.84 20.74
Dow Jones XC0009694206 1987-10-23 -13.17 -24.55 -14.48 6.31 30.97
Nasdaq XC0009694271 1987-10-23 -19.15 -25.46 -21.30 -7.78 20.13
Dow Jones XC0009694206 1974-09-30 -8.41 -10.42 -28.21 -35.82 21.67
Nasdaq XC0009694271 1974-09-30 -6.69 -10.74 -39.67 -49.94 16.66
starmax (10.08.2007, 20:42 Uhr)
Die eigentliche Ursache
ist ganz einfach und liegt hier:
1. Das westliche Finanzsystem erwürgt sich mit schöner Regelmäßigkeit selbst, alle 60-70 Jahre – weil die Geldmenge exponentiell steigt. Warum: Zins und Zinsezins erzwingen “Wachstum” – d.h., die Geldmenge e n t koppelt sich immer stärker von der Warenmenge = Inflation.
2. Cui bono ? Wem nützt dieses alles, auch, daß wir darüber von der veröffentlichten Meinung und der Hof-Berichterstattung so beschönigend belogen werden? Nun, die Krise ist nur eine weitere wunderbare Gelegenheit für die Finanzoligarchie, sich mit Sachwerten billigst einzudecken; diese wechseln von den schwachen, existenzbedrohten Händen in die starken (ein Wohnblock in Berlin für ein Goldstück, das hatten wir doch schon mal; zwar mit Mietausfall, aber dann, in der neuen schönen Währungswelt...). Eine rohstoff/goldgesicherte Währung mit totalem Zinsverbot, dafür auf Dauer völlig von Steuern befreite Investitionen (Beteiligungen) - schon wären diese Auswüchse nicht mehr möglich, nur noch Geschichte.Die andere Alternative hieße: Umsturz...
starmax (10.08.2007, 19:00 Uhr)
Cui bono ? Wem nützt es ?
Selbstverständlich ist diese Frage auch hier mehr als angebracht. Dies - heute nicht mehr zu verhindernde - finale Entwicklung ist von der Finanzoligarchie gewollt !!! Nie wird es billiger sein, sich mit Sachwerten wie Immobilien, Firmen und Aktien einzudecken. Zu Spottpreisen wird Vermögen von den schwachen in die starken hände wechseln. Leidtragend überproportional die Geldvermögenden: Rentner, Kleinsparer, Lebensversicherte - alle, die nicht schnell genug aus dem Papier-Geldwert fliehen können. Gold kaufen!!!
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