Audi A6 Lochfraß


Audi renoviert den A6 und hat mit der Neuauflage der Modellreihe nicht nur das Design überarbeitet. Es wird eng in Deutschlands Rückspiegeln.

Audi renoviert den A6 und hat mit der Neuauflage der Modellreihe nicht nur das Design überarbeitet. Musste der zweitgrößte Audi bislang in der oberen Mittelklasse auf Kundenfang gehen, sortieren die Ingoldstädter ihren A6 nun in der Oberklasse ein. Nicht irgendwo. Der neue Schlitten soll nichts weniger, als die "Standards in der Oberklasse neu definieren". Deutlichstes Signal des neuen Selbstbewusstseins: der riesige schwarze Kühlergrill. Es wird eng in Deutschlands Rückspiegeln.

Per Satellit nach ganz Europa

Zur Weltpremiere des neuen Hoffnungsträgers war Audi die bayerische Provinz nicht genug. Der A6 soll international Erfolge feiern, und so versammelte der Konzern Journalisten und Prominenz zeitgleich in Berlin, London, Paris, Stockholm, Mailand und Madrid zur per Satellit zusammengeschalteten Feierstunde. Allein die Promidichte in Berlin hätte allerdings für eine mittlere Kinopremiere gereicht. Neben Ex-Sportlern wie Carl-Uwe Steeb, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer warf auch Musiker Xavier Naidoo einen Blick auf den neuen Audi. Der konnte später sogar Wirtschaftsminister Wolfgang Clement auf dem Beifahrersitz begrüßen.

London "quirlt"

Den Lacher des Abends landete Audi-Vorstandsmitglied Ralph Weyler, der per Satellit aus London zugeschaltet wurde und vermeldete, dass die "Stadt quirlt". Ein netter Versprecher, den man dem guten Herrn Weyler gerne nachsehen wird. Im Lastenheft eines Automobilmanagers spielen Entertainment-Qualitäten nur eine untergeordnete Rolle. Was zählt, ist was auf vier Rädern steht, und im Fall des A6 passt die Sache mit dem "Quirl" ganz gut.

Vorbild A8

Audi positioniert den Wagen demonstrativ in der Oberklasse und will die dortige Hackordnung gehörig durcheinanderwirbeln. Vor allem der bislang unangefochtenen E-Klasse und dem 5er BMW wollen die Ingoldstädter ans Blech. Wie sowas funktioniert haben die bayerischen Autobauer beim A8 gelernt. Der hat bei den Verkaufszahlen BMWs 7er hinter sich gelassen und bereitet der Konkurrenz in Stuttgart langsam aber sicher Kopfzerbrechen - auch wenn sich die S-Klasse noch in gänzlich anderen Verkaufs-Regionen bewegt.

Loch im Gesicht

Auffälligste Neuerung: das große schwarze Loch im A6-Gesicht. Anders als beim großen A8 soll der trapezförmige Kühlergrill die gesamte Baureihe prägen. Dominant ragt die große schwarze Nase in den Wind, erst ein ganzes Stück nach hinten gesetzt funkeln die bläulichen Bi-Xenon-Scheinwerfer. Es folgt eine weich geschwungene Dachlinie, die zum Heck hin wie bei einem Coupé beinahe übergangslos in den Kofferraumdeckel mündet. Der schmückt sich mit einer fest ins Blech gewalzten Mini-Spoilerlippe, die hoch über die schmalen Heckleuchten hinausragt. Eine dicke Chromleiste über dem Kennzeichen betont den optischen Gegensatz. Wichtig in der Seitenansicht: die dezent ausgestellten Radhäuser und der in die Türen gewanderte Knick des Seitenschwellers.

Die A6-Preise im Überblick

ModellGetriebeLeistungGrundpreis
Audi A6 2.4 6-Gang130 kW (177 PS)33.000 Euro
Audi A6 3.2 FSI 6-Gang188 kW (255 PS)40.700 Euro
Audi A6 3.2 FSI quattro tiptronic188 kW (255 PS)45.400 Euro
Audi A6 4.2 quattro tiptronic246 kW (335 PS)60.000 Euro
Audi A6 3.0 TDI quattro tiptronic165 kW (225 PS)

Wachsen für den Erfolg

Um der Konkurrenz gewachsen zu sein, hat der neue A6 kräftig zugelegt. Statt 4.796 Millimeter Auto gibt's ab Ende April 4.916 Millimeter Auto fürs gleiche Geld. 33.000 Euro muss einplanen, wer sich für einen A6 2.4 mit 177 PS entscheidet. Dafür bekommt man die bereits erwähnte Limousine mit Lochfraß sowie einen komplett neuen Innenraum mit Alu-Deko und Leichtmetallfelgen. Ohne Aufpreis packt Audi auch noch ein CD-Radio, eine Klima-Automatik, die elektromechanische Parkbremse sowie einen Licht- und Regensensor ins Auto.

Schöner wohnen

Audi-Kennern dürfte die neue Inneneinrichtung bekannt vorkommen. Massiver Mitteltunnel mit Schaltung und MMI-Bedienoberfläche, breites, zum Fahrer gewandtes Armaturenbrett und ein Lenkrad mit großem Trapez-Logo. Mit dieser Mischung aus Schlichtheit und Funktionalität kommen auch schon die A8-Kunden bestens zurecht. Dass alles eine Ecke kleiner ist als beim großen Bruder, tut dem ersten Eindruck des A6-Cockpits keinen Abbruch.

Maximal 335 PS

Fünf Motoren hat Audi zur Markteinführung am Start. Als Top-Benziner gibt es einen V8 mit 4,2 Litern Hubraum, der 335 PS auf Vorder- und Hinterräder stemmt. Serienmäßig mit dem quattro-Antrieb gesegnet ist ebenfalls der 225 PS starke V6-Turbodiesel. Den kleinern Zweiliter-Selbstzünder (140 PS) gibt es serienmäßig als Fronttriebler.

Die Aufpreisliste ist prominent besetzt. Wer noch Platz im Budget hat, kann seinen A6 mit Scheinwerfern, die um die Kurve leuchten, aufwerten und mit dem neuen Tagfahrlicht kombinieren. Prima macht sich auch der radargestützte Tempomat oder die Reifendruckkontrolle. Fürs leibliche Wohl sorgen auf Wunsch ein DVD-Navigationssystem, eine BOSE-Soundanlage oder ein schlüsselloses Zugangssystem. Eine Luftfederung ist erst ab 2005 erhältlich.

Noch keine Lösung haben die Audi-Entwickler übrigens für das Problem, dass der neue Kühlergrill den Rückspiegel beinahe jedes vorausfahrenden Wagens sprengt. Dabei gäbe es am neuen A6 wirklich viel zu sehen.

Jochen Knecht

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