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Autojahr 2006: Männer sind so

In diesem Jahr kam viel auf die Straße, was mächtig Spaß macht. Blickt man aber auf die wichtigen Zukunftsfragen, muss man gestehen: Schon wieder wurde ein Jahr verjuxt.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Das herausragende Ereignis des Autojahrs? Eine ehrliche Antwort: Der AMG-Sechslitersauger, das war doch mal was! Ein Brüller! Oder der Z4 von BMW, aber bitte in der M-Variante. Schneller, größer, teurer - aus dem goldenen Dreisatz konnte die Automobilindustrie auch 2007 nicht entkommen. Die großen Fragen der Menschheit? Lass die mal für die Zukunft übrig, lautet die Devise, wir halten uns an den Fahrspaß. Natürlich ist man rührig - alternativen Antriebskonzepten ist jeder Hersteller auf der Spur. Aber wozu dienen die Entwicklungen? Richtig: Schneller, größer, teurer soll es sein - es soll eben weitergehen wie bisher, zur Not auch ohne Öl.

Kein Gestinke

Dem Wasserstoffantrieb erinnert an Daniel Düsentrieb. Ein diffundierender Tank, der nach wenigen ungestörten Tagen in der Garage, das Haus in die Luft sprengen könnte. Das hört sich an wie: Der Brand der Hindenburg jetzt auch in Ihrem Vorgarten. Hybridantrieb ist dagegen eine tolle Sache. Man verbraucht weniger, das Image stimmt und die Technik macht weder Lärm noch Schmutz. Stutzig muss den Betrachter nur der Einsatzort machen, natürlich gibt es den Prius für Enthusiasten, aber richtig sinnig wird die Technik bei den großen Modellen. Da kann der Millionär sein Ökogewissen beruhigen. Dass die Gesamtbilanz solcher Fahrzeuge immer negativer ausfällt, als bei einem simplen Kleinwagen, ist eine Binsenweisheit.

Mehr Luxus

Will die Industrie nicht ganz anders oder kann sie nicht? Sie kann nicht und das hat mit Technik wenig zu tun. Autos sind verkaufte Träume, zumindest bei den Wagen, die jeder haben will, bei den Premium-Karossen, den Edelmodellen - also mit den Fahrzeugen, bei denen man an der Innenausstattung mehr verdient, als an einem kompletten Golf. Dieser Markt funktioniert wie die Mode. Die Umsätze, die mit dem Namen "Prada" erreicht werden, könnte man auch nicht erzielen, wenn man einen Sack verkaufen wollte, mit dem Hinweis, der halte auch warm. Und wie sieht das in der Statistik aus? Die Wagen, die den Sinn für das Besondere erfreuen, legen zu: Aufgetunte Kompakte, SUVs, Cabrios mit Stoff- oder mit Klappdach, Coupés und Sportwagen.

Verzicht? Ohne mich!

Es ist nicht die Industrie, die sich nur unmerklich ändern will, es sind wir selbst. Stände man vor der Wahl, ab morgen entweder zu Fuß zu gehen, oder ein Kart ähnliches Fahrzeug ohne jeden Komfort mit 60 km/h Spitzengeschwindigkeit und einem Zweiliterverbrauch zu fahren: Die meisten würde sich begeistert für das Modell "Sparta" entscheiden. Aber ohne Zwang? Heute stöhnen wir über angeblich zu hohe Autopreise, aber die Reaktionen auf den Einwand: "Was brauchst du denn Alufelgen?" sind eindeutig. Daran sieht man, zu welchen Einschnitten der Normalbürger bereit ist: zu gar keinen. Wenn im Fernsehen die Polkappen schmelzen, gruselt es jeden, aber der Vorsatz für's nächste Jahr lautet: "Einmal Vollwäsche, aber ohne Nassmachen!"

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