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40 Jahre Mercedes C 123: Elegantes Bauernopfer

Der Mercedes W 123 hat den Ruf der automobilen Unzerstörbarkeit. Im Frühjahr 1977 feierte die Coupéversion auf dem Genfer Automobilsalon seine Weltpremiere. Kein anderes Coupé im Hause Mercedes war eine derart perfekte Mischung aus schlichter Eleganz und Alltags-Einerlei.

Mercedes 230 C - Baureihe C 123

Mercedes 230 C - Baureihe C 123

Die Mercedes-Baureihe W 123 ist bis heute eine fahrende Legende. In Afrika, Südfrankreich und selbst in Deutschland knattern und rasseln bis heute die als unzerstörbar geltenden Vorkammerdiesel 200 D und 240 D. In den USA und hier speziell in Kalifornien ist die Baureihe W 123 und die Kombiversion S 123 längst ein cooles Trendmodell für den Alltag. Wem ein Tesla zu normal, ein 5er BMW zu gesichtslos oder eine Toyota Prius zu peinlich ist, sorgt als erwachsen gewordener Hipster im einstigen Traumwagen seines Vaters zwischen San Diego uns San Francisco für Applaus. Bestens ausgestattet, ebenso munter wie sparsam motorisiert wie mit dem Dauerläufer des 300 TDT rennen die Oldtimerfans dem Mercedes Klassikcenter oder Spezialisten wie Mercedes Motoring die Tür ein, um entsprechende 123er-Versionen zu bekommen.

Elegantes Bauernopfer
Mercedes 230 C - Baureihe C 123

Mercedes 230 C - Baureihe C 123

Der US-Trend ist längst auch nach Deutschland übergeschwappt und neben den familiär angehauchten Limousinen- / Kombiversionen mit deutlich schlechterer Ausstattung und wenig dynamischer Motorisierung schauen immer mehr Youngtimerliebhaber zum zweitürigen Mercedes C 123 herüber und stellen fest, dass sich dieser mit Geburtsstunde auf dem Genfer Salon 1977 seit rund zehn Jahren im Oldtimerressort parkt. Gestern wie heute ist die Coupéversion der 123er-Baureihe nichts für den großen Auftritt. Nach dem eleganten Zweitürer dreht man sich nicht versonnen um oder drückt sich an der Nase der zumeist seicht getönten Seitenscheiben die Nase platt. Es ist wie seinerzeit, als der C 123 in einer sehenswerten, aber wenig spektakulären Seevilla am Ufer des Lac Leman seine Premiere feierte.

Auf den Bergen rund um den Genfer See lag im ausklingenden Winter 1977 noch der letzte Schnee, doch am Ufer strahlte die Sonne mit dem Daimler-Verantwortlichen um die Wette. Auf einer Terrasse wurden die drei Startversionen 230 C, 280 C und 280 CE in verschiedensten Farben und unterschiedlichsten Innenausstattungen (Leder, Velours und Stoff) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, ehe auf der Messe das Tuch gezogen wurde. Es war kein großer Auftritt; der war bei Mercedes schon immer den großen Coupés vorbehalten. Der C 123 war eine Mischung aus Kopf und Herz mit sehr deutlichen Anleihen an der spektakulär erfolgreichen Limousine und dem praktikabel schmucken T-Modell als erstem Lifestylekombi. Die enge Ableitung von der erfolgreichen Limousine der Mercedes-Baureihe W 123 ist dem C 123 auf den ersten Blick anzusehen. Front und Heck sind abgesehen von Details wie Rechteck-Scheinwerfern und einer Chromleiste unter den Lamellenleuchten (hatten sonst nur die 280er) identisch; dafür ist der Radstand 8,5 Zentimeter kürzer, die Dachlinie vier Zentimeter flacher und die Scheiben stärker geneigt.

Weder damals noch heute war und ist der C 123 ein spektakulärer Hingucker. Er ist elegant, hatte schon 1977 betont klassische Linien und seinen großen Auftritt mit heruntergelassenen Fenstern. Nur optional elektrisch bedient schoben sich die vier Seitenscheiben in die dafür in Türen und Seitenteilen vorgesehenen Schächte. Zeitgemäße Selbstverständlichkeiten wie eine Komfortschaltung oder gar einen Zentralschalter suchte man damals in der hölzernen (erst Wurzelholz, dann Zebrano) Mittelkonsole vergeblich. Der Auftritt mit heruntergelassenen Seitenscheiben war damals und ist heute jedoch ein großer; die Freiheit hinter dem Steuer auch durch die niedrige Seitenlinie kommt zumindest mit geöffnetem Schiebedach einer Cabriofahrt nahe. Von der Limousine geerbt hatte das C 123er Coupé nicht nur Design, Ausstattung und Motorisierungen, sondern auch das großzügige Platzangebot und den exzellenten Reisekomfort. Die Sicherheitsausstattung setzte mit der Weltpremiere auf dem Genfer Automobilsalon des Frühjahres 1977 Maßstäbe.

Bei den Motorisierungen galt das, was zumeist auch heute auf Coupés und Cabrios zutrifft. Schmächtige Basismotorisierungen hatten in der Modellpalette nichts zu suchen und die Symbiose aus schicker Coupékarosserie und Dieselmotor gab es mit Mercedes 300 CD / 300 CD Turbodiesel nur in den USA. Die Grundausstattung war bei allen Modellen vergleichsweise karg; doch wer wollte, konnte sein viersitziges Sternencoupé mit zahllosen Extras standesgemäß aufwerten. Ein elektrisches Schiebedach, ein rechter Außenspiegel, elektrische Fensterheber oder ein Radio mit elektrischer Antenne waren neben Alufelgen seinerzeit besonders beliebt. Dazu gab es neue Metallicfarben, auf Wunsch auch im Fond Kopfstützen oder eine Klimaautomatik für angenehm gekühlte Luft an heißen Sommertagen während die Sitzheizung im Winter für Wärme von unten sorgte.

Das Motorenprogramm stammte vom oberen Bereich der W123-Limousine oder dem entsprechenden T-Modell des S 123. Der 109 PS starken Einsteiger des Mercedes 230 C konnte fahrdynamisch nur die niedrigsten Ansprüche befriedigen. Über 1,4 Tonnen schwer nahm ihm gerade die Viergangautomatik jegliche Dynamik. Knapp 190 Nm maximales Drehmoment und eine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h mochten an sich nicht zum elegant-souveränen Anspruch eines Mercedes-Coupés passen. Motorklang und Tatendrang machten ihm eher zu einer Wanderdüne, denn jenem, wie sich Coupés an sich präsentierten: stark, edel und exklusiv. Das bot zumindest in Ansätzen der 156 PS starke 280 C und schon in Sachen Image deutlich mehr der 177 PS starke Mercedes 280 CE. Für den amerikanischen Markt kam schneller als von vielen erwartet die gerade einmal 80 PS starke Version des Mercedes 300 CD hinzu, der speziell in Kalifornien großen Anklang fand. Erst 1981 löste man den sparsamen, aber alles andere als laufruhigen Dieselmotor, der ähnlich auch in Modellen der 116er-, 123er- und 126er-Reihe verbaut wurde durch den 300 CD Turbodiesel ab, der es immerhin auf deutlich kraftvollere 125 PS brachte. Von den zwischen 1977 und 1985 produzierten knapp 100.000 C123er-Coupés wurden immerhin mehr als 15.000 Modelle mit einem Selbstzünder verkauft. Bereits 1980 wurde die Vergaserversion des 230 C vom deutlich spritzigeren 230 CE abgelöst, der Dank mechanischer Benzineinspritzung 132 PS leistete.

Heute ist der Mercedes C 123 ein begehrter Oldtimer - in den USA wie in Europa. Ein gut ausgestatteter 230 CE / 280 CE mit weniger als 150.000 Kilometern ist eine sehenswerte Illusion, die weit über 30.000 Euro kostet. Realistischer ist ein 230 CE mit mäßiger Ausstattung und einer nur grob nachzuvollziehenden Laufleistung unter 250.000 Kilometern um die 20.000 Euro. Die Qualität des Autos und der Alltagsnutzen sind bis heute beeindruckend. Es muss nicht immer ein SLC oder gar ein SEC sein.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.