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Audi Q7: Brummi für den Boulevard

Obwohl der Markt für wuchtige Geländewagen fast gesättigt ist, kommt jetzt ein dickes Ding hinterher: der neue Audi Q7. Mit mehr Platz und mehr Luxus soll der Nachzügler die Konkurrenz einholen Auffallend: ausgestellte Radhäuser, große Glasflächen und mehr als fünf Meter Länge Brummi für den Boulevard.

Finanzvorstände haben ein eigenes, lange geprobtes Vokabular aus der Betriebswirtschaftslehre. Es besteht in weiten Teilen aus Zahlen und daraus, wie man sie drehen und wenden kann. "Bei Einsdreißig wird's schwierig", sagt Rupert Stadler von Audi und meint den derzeit hohen Kurs des Euro im Verhältnis zum Dollar. "Einszwanzig ist okay. Aber Einsfünfzehn wäre die logische Weiterentwicklung der letzten Jahre."

Mit diesem Mittelwert aus vergangenen Währungsschwankungen könnte Rupert Stadler sehr gut leben; damit ließe sich der neue Geländebrummer Q7 mit hübschem Gewinn in den USA absetzen. Denn Nordamerika soll der wichtigste Markt für diesen Wagen werden. In dem Land mit den breiten Highways und den gewaltigen Parkplätzen können Autos mit einer Länge von über fünf Metern einigermaßen artgerecht gehalten werden. Zwischen den landestypischen Riesen wie Ford Excursion, GMC Yukon oder Cadillac Escalade wirkt der Q7 sogar beinahe zierlich.

Noch ist der Erfolg des neuesten Audi-Modells in Amerika allerdings schwer vorauszusagen, denn die Markteinführung ist erst für Juni angesetzt. Nur so viel ist sicher: Die Verkaufszahlen der nahen Verwandten des Q7 - VW Touareg und Porsche Cayenne - sind in den Vereinigten Staaten derzeit alles andere als erfreulich. Da kann der Neuling vielleicht verlorenen Boden gutmachen, so jedenfalls die Hoffnung in Ingolstadt.

Angesichts solcher Unwägbarkeiten lässt es sich der Chef nicht nehmen, die frohe Botschaft bei der Präsentation des Q7 selbst zu verkünden: "11 000 feste Bestellungen aus Europa" liegen bereits vor, sagt der sonst eher kühle Techniker Martin Winterkorn mit einem freudigen Beben in der Stimme. In Deutschland kommt die Wuchtbrumme (Leergewicht 2,3 Tonnen) bereits im März zu den Händlern. "Wir überlegen schon, ob wir die Urlaubszeit durchproduzieren." Der Auftragseingang ist ein sehr beruhigendes Polster, findet auch Rupert Stadler: "Finanzleute lächeln ja immer etwas verhaltener als andere Leute", sagt er. "Aber da gehen sogar bei mir die Mundwinkel nach oben."

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Der stern hat das jüngste Kind der Volkswagen-Tochter in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gefahren und im Innenspiegel beobachtet, was die Mundwinkel währenddessen so anstellten.

Glanz & Gloria:

aggressiv. Selbstbewusst wäre untertrieben. Der erste Geländewagen von Audi macht Eindruck. Der große Kühlergrill wirkt wie ein Maul, das die Vorausfahrenden auffressen will. Die schmalen Scheinwerfer schauen grimmig. Immerhin wurde die optische Wucht des Q7 mit einigen Kunstgriffen etwas kaschiert: Der farblich abgesetzte untere Rand der Karosserie und die niedrige Linie der Seitenfenster lassen das Auto insgesamt schlanker erscheinen.

Gas & Spass: angemessen. Jedenfalls leidet der Q7 nicht an Untermotorisierung. Der Dreiliter-Diesel (serienmäßig mit Partikelfilter) passt besonders gut. Er ist leise, hat einen kräftigen Durchzug, und sein Verbrauch geht mit durchschnittlich 10,5 Liter gerade eben noch in Ordnung. Der Durst des Achtzylinder-Benziners hingegen, der im Schnitt 13,6 Liter Super schluckt, ist keinesfalls zeitgemäß.

Gleiten & Geniessen:

geht so. Wer es sich leisten kann, sollte die elektronisch regulierbare Luftfederung bestellen, denn sie bietet auch eine Komfortstufe. Ohne die ist das Fahrwerk ziemlich straff gefedert, was andererseits dafür sorgt, dass das Wanken der hohen Karosse in Kurven für die Passagiere erträglich bleibt.

Kind & Kegel:

super. Das Raumangebot ist üppig. Es gibt den Q7 gegen Aufpreis mit drei Sitzreihen. Wer die letzte davon nicht braucht und mit fünf Plätzen auskommt, kann einen umso größeren Kofferraum vollladen.

Drum & Dran: verspielt. High-Tech-Gimmicks, natürlich meist gegen Aufpreis, dürfen nicht fehlen. Beim Q7 sind es vor allem jene, die das Fahren eines solchen Trumms vereinfachen. Die Rückfahrkamera im Griff der Heckklappe, die das Livebild von hinten an den Bildschirm ins Cockpit liefert, hilft beim Einparken, das Radarauge des Abstandsregel-Tempomaten beobachtet den Vordermann und gibt notfalls sogar den Befehl zur Vollbremsung. Das Heck des Q7 lässt sich per Knopfdruck um einige Zentimeter absenken, damit das Einladen der Champagnerkisten leichter fällt. Und ebenfalls per Radar tastet ein neues System namens Side Assist den toten Winkel der Rückspiegel ab. Nähert sich ein anderes Fahrzeug diesem Bereich, signalisieren dies orangefarbene Lämpchen links oder rechts an den Außenspiegeln.

Fazit:

Schicker Brocken für Leute mit Platzbedarf und solche, denen schnuppe ist, was die Ökos zu Autos von diesem Schlag sagen. Die Stellung der Mundwinkel richtet sich nach dem Guthaben.

Frank Janssen / print

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