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Pariser Autosalon 2018: PSA-Chef: "Dieselnachrüstung wird nicht klappen"

Eine Messe unter Schock. Viele Hersteller haben sich den Messeauftritt diesmal schlicht gespart; andere zeigen SUV ohne Grenzen. Die wichtigste Botschaft aus Paris kommt von PSA-Chef Carlos Tavares: Die Dieselnachrüstung wird nicht funktionieren.

Hingucker: Die Renault Studie EZ-Ultimo.

Hingucker: Die Renault Studie EZ-Ultimo.

DPA

Diese Messe passt zur allgemeinen Stimmung in der Branche. Viele Hallen auf dem Pariser Autosalon sind erschreckend leer. Statt aufwändiger  Messestände erstreckt sich nichts als roter Teppichboden. Ein Langzeittrend: Die Zeit des großen Autozirkus geht vorüber. Die Hersteller investieren ihre PR-Euros in andere Kanäle. Es ist ein langsamer und quälender Abschied.

Das Fehlen vieler großer Hersteller lässt sich an der Porte de Versailles nicht überspielen. Hinzu kommt: Die französischen Heimspieler wie Peugeot, Citroen oder Renault waren noch nie Hersteller, die bei der Hausmesse mächtig auf den Putz gehauen haben. Da überrascht es nicht, dass das versprochene Feuerwerk an Neuheiten genau genommen ausfällt. Bei den Premiumherstellern Mercedes sowie gab es jüngst Gewinnwarnungen und Audi taumelt im Schock vor sich hin nach der Inhaftierung von Vorstandschef Rupert Stadler. Niemand weiß, wann der vermeintlich neue Kapitän Markus Duesmann endlich das rettende Steuer übernimmt. Fast ein Dutzend Autohersteller ist diesmal gar nicht erst an die Seine gekommen. Und das sind nicht nur Exoten, die etwas Geld sparen wollten. Darunter sind Massenmarken wie Volkswagen, Ford, FCA oder Nissan.

Nachrüstung geht nicht

Die wichtigste Aussage ist eine ernüchternde Botschaft:  PSA-Chef Carlos Tavares geht mit den Beschlüssen, der Bundesregierung hart ins Gericht. "Eine Dieselnachrüstung wird nicht klappen. Ich glaube, dass diese Maßnahmen technisch nicht effizient genug sind", sagte der Konzernlenker. "Unter der Motorhaube eines modernen Autos befindet sich viel ausgeklügelte Technologie, und für das Wärmemanagement wird ein großer Aufwand betrieben. Man kann nicht einfach Teile modifizieren und dann davon ausgehen, dass das ohne weiteres funktioniert", stellt der passionierte Rennfahrer klar und fügt hinzu: "Niemand wird sich trauen, die Verantwortung für das Resultat der Umrüstung zu übernehmen." Zumal die Nachrüstlösungen auch sehr kostspielig und aufwendig seien.

Wer nicht nach gekommen ist, zählt zu den Gewinnern, denn so wurden Millionen von Euro gespart, um dünne Neuheiten auf dem Pariser Salon in Szene zu setzen. Während Audi oder Porsche die einstig große Veranstaltung zu einem müden B-Event mit kleinem Paket herabstuften, sagten Marken wie Mazda oder Mitsubishi ebenfalls lange im Voraus "non" zu der größten europäischen Automesse des Jahres. Überraschend, dass selbst Opel, seit mehr als einem Jahr unter dem Dach des PSA-Konzerns, der Leistungsschau kurzerhand den Rücken kehrte. Und in zwei oder spätestens vier Jahren dürfte es auf dem herbstlich kühlen Messegelände noch düsterer aussehen. Bei weiteren Herstellern - insbesondere aus dem Topsegment - steht der Pariser Salon kritisch auf dem Prüfstand. Die Zukunft scheint angesichts der Pariser Tristesse von 2018 ungewiss - ein naher Ausstieg wahrscheinlich. Paris könnte schneller als von vielen gedacht zu einer toten Messe werden - wie die Motorshows in Bologna oder Birmingham.


Für den Pariser Salon interessierte bereits in den vergangenen Jahren kaum jemand außerhalb Europas und selbst innerhalb der europäischen Union ist die Messe nur noch in der zweiten Liga. Da überrascht es, dass Premiummarken wie Mercedes, BMW und nicht nur auf der diesjährigen Messe vertreten sind, sondern sogar nennenswerte Neuheiten erstrahlen lassen. Wie man es von anderen Veranstaltungen her kennt, wurden die meisten Messestars bereits in den vergangenen Wochen enthüllt. So richtig neu sind die Luxus-SUV Mercedes GLE / EQC, der BMW X5 oder ein Audi E-Tron Quattro daher nicht mehr und auch den BMW Z4 konnte man bereits ausgiebig im sommerlich viel imposanteren Pebble Beach bestaunen. Doch so wichtige Europa-Modelle wie die Mercedes B-Klasse, etwas schicker als bisher, oder der sportlicher gewordene BMW Dreier geben ebenso ihre Weltpremiere in Paris wie der nachgeschärfte Skoda Kodiaq RS, ein Seat Tarraco, der blass aufgefrischte Renault Kadjar und der längst überfällige Audi SQ2. Modelle wie der Audi A1 oder Q3 wurden ebenfalls schon vor längeren ohne eigenen Messeauftritt vorgestellt. Wer es etwas schneller mag, steigt in den neuen Mercedes AMG A35 oder den Hyundai i30 Fastback in der scharfen N-Version.

Kein Esprit an der Seine 

Die Franzosen riskieren bei ihrer zweijährig stattfindenden Hausmesse wenig und wirken farblos ohne wirklichen Esprit. zeigt mit dem DS3 Crossback immerhin das erste Konzernfahrzeug, das wahlweise mit Verbrenner oder als Elektroversion zu bekommen sein wird. Strahlend schön und eine Remiszenz an die Vergangenheit des 504 Coupé bietet die Konzeptstudie des Peugeot e-Legend als Star des Pariser Salons 2018, der jedoch kurzfristig keinen großen Serienbezug haben dürfte. Mehr denn je ersetzt auch PSA seine einst so erfolgreichen Limousinen und Kombis durch die allgegenwärtigen Crossover. Bestes Beispiel ist der Citroen C5 Aircross, der ein bisschen an ein Spielzeugauto aus der kunterbunten Fisher-Price-Kiste erinnert. Deutlich schicker und ein echter Hingucker ist dagegen der Peugeot 508 SW, der sich als Kombiversion nicht hinter der schicken Limousine verstecken muss. Blasser als erwartet auch der Auftritt von Renault. Statt des neuen Clio zeigen die Hauptstädter neben dem aufgefrischten Kadjar die seriennahe Studie des elektrischen City-SUV K-ZE, der für unter 20.000 Euro eine reale Reichweite von 260 Kilometern realisieren soll. Cool anzuschauen, aber nicht mehr als ein wildes Gedankenspiel der EZ-Ultimo, eine mobile Luxuslounge aus der Hand des Renault-Chefdesigners Laurens van den Acker.

Kompaktklasse

Überraschend wenig tut sich auf dem Pariser Salon in der Kompaktklasse. Toyota legt mit dem Corolla Kombi die familientaugliche Version seines Kompaktklassebestsellers nach. In die nahe Zukunft schaut dagegen Skoda mit seinem Vision RS. Bald bekommen die Schwestermodelle VW Golf, Audi A3 und Seat Leon gefährliche Konkurrenz aus Mlada Boleslav. Wer noch kleiner träumen will, steigt in den offenen Smart Forease nach Vorbild des einstigen Crossblade

Kra/Pressinform

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