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Das Ende der Zwölfzylinder naht: (Un)geliebte Dutzendware

Nicht erst seitdem BMW mit seinem 750er der Baureihe E32 im Herbst 1987 die V12-Triebwerke wieder aufleben ließ, gelten die Dutzendzylinder als Krönung internationaler Motorenbaukunst. Doch langsam läuft der Abgesang auf die exklusivste Art sich von einem Motor antreiben zu lassen.

Aston Martin Vanquish Volante V12S

Aston Martin Vanquish Volante V12S

Mercedes war es im Umfeld des 89. Genfer Automobilsalons nicht viel mehr als eine Randnotiz wert. Der Mercedes S 65 AMG feierte sich mit seiner Final Edition noch einmal selbst. Von einem bullig wummernden V12-Triebwerk im Vorderwagen befeuert, ist das 630 PS starke V12-Triebwerk bis dato die exklusivste Möglichkeit, eine S-Klasse zu fahren. AMG hat sich mit dem S 65 von den Zwölfzylindern verabschiedet, denn ab kommendem Jahr legen die Affalterbacher leistungsstarke Hybridversionen ihrer potenten Achtzylinder mit weit über 600 PS auf. Auch wenn die Achtzylinder in Sachen Laufruhe und Leistungsentfaltung nicht an die V12-Triebwerke heranreichen, scheint das Ende der exklusiven Dutzendware besiegelt - über kurz oder lang.

(Un)geliebte Dutzendware
Aston Martin Vanquish Volante V12S

Aston Martin Vanquish Volante V12S

Mercedes wird sich ebenso wie die hauseigene Sportabteilung AMG von den V12-Motoren verabschieden. Anders sieht es beim Nobelableger Maybach aus, der nach wie vor auf das imageträchtige Dutzend als Antriebsart setzt. Wie es scheint, dürfte es jedoch für einen Zwölfzylinder vom Maybach GLS, der Ende des Jahres seine Weltpremiere in China feiert, eng werden. Hier sollen es in erster Linie leistungsstarke Achtzylinder richten, um gegen Bentley Bentayga, BMW X7, Porsche Cayenne, Lamborghini Urus und Rolls-Royce Cullinan anzukämpfen. BMW wäre es noch am ehesten zuzutrauen gewesen, die Zwölfzylinder zu beleben, nachdem man die Mercedes-Verantwortlichen mit dem 300 PS starken V12 im E32 schockte. Der aktuelle Dutzendzylinder im BMW M 760 Li xDrive ist eine grandiose Besetzung, die sie wohl zur besten Limousine weltweit macht. Überraschender umso mehr, dass der durch den neuen Otto-Partikelfilter von 610 auf 585 PS leistungsreduzierte Zwölfzylinder keinen Einzug in den neuen BMW X7 oder die neu aufgelegte 8er-Reihe fand. Schließlich soll die neuen GKL-Plus-Modelle dafür sorgen, dass sich BMW ebenso ertrag- wie imagereich nach oben positioniert.

Doch die BMW-Verantwortlichen entschieden nicht nur, keinen Nachfolger des aktuellen V12-Kraftpakets zu entwickeln, sie setzten auf Volumen statt Klasse und ließen den mächtigen Zwölfzylinder für die neuen Modelle im Topsegment außen vor. Ähnlich restriktiv sieht man das ganze bei Mercedes. AMG und Mercedes ohne V12-Motoren und diese nur noch - und wohl eine überschaubare Zeit - für die ohne sinnvolle Markenstrategie reisende Submarke Maybach? Die Begründungen der Autohersteller sind höchst nachvollziehbar und eben doch nicht ganz richtig. "Die Stückzahlen sind einfach zu klein und rechtfertigen den Entwicklungsaufwand nicht", tönt es bei Audi, Mercedes, Jaguar oder BMW weitgehend unisono. Und tatsächlich braucht man längst keine zwölf Brennkammern mehr, um derart gigantischen Motorleistungen zu generieren. BMW ist mit seinem 530 PS starken Achtzylinder der neuesten Generation nicht nur auf dem Papier und ohne Elektroboost allzu nah am hauseigenen V12-Motor dran und auch die europäische Konkurrenz zeigt, dass für 600 PS und mehr keine Dutzendware vonnöten ist.

Das ändert alles wenig daran, dass die V12-Kunden weltweit als die treuesten überhaupt gelten. Sie sind zudem bereiter als bereit, allzu tief in der eigenen Geldbörse zu kramen, um die gigantischen Aufpreise für ihre Limousinen, Coupés, Cabriolets und SUV zu zahlen. Zwischen dem prächtig motorisierten Mercedes SL 500 / SL 550 lag zum SL 65 AMG mit bis zu 80.000 Euro noch einmal der Wert eines alles andere als schwachen Basismodells. Und auch BMW, Audi oder Bentley lässt sich den Zwölfzylinder preislich vergolden. Dabei gibt es trotz aller Hybrid- und Elektrotendenzen gerade in den USA, China und den Emiraten eine Reihe von Kunden, für die nur ein V12-Motor in Frage kommt. Sie alle haben wenig Verständnis dafür, dass die Abgasnachbehandlung eines solch exklusiven Triebwerks so teuer ist, dass die geringen Stückzahlen den Entwicklungsaufwand kaum rechtfertigen.

Robert Cao, erfolgreicher Geschäftsmann aus Jiangjing, rund 170 Kilometer östlich von Shanghai, ließ sich bei BMW Individual mehr als einen Zwölfzylinder-Siebener kreieren. Mit einem Wert von 3,6 Millionen RMB, umgerechnet 360.000 Euro, handelte es sich bereits vor sechs Jahren um den teuersten Siebener aller Zeiten - natürlich ein V12 mit seinerzeit 544 PS. Die Cao-Dynastie gehört zu den 200 reichsten Familien China und man verdient als lokaler Kunststoffproduzent für die Autoindustrie sein Geld auch mit Immobilien, Export und in der Gastronomie. "Ich bin nach München geflogen und habe bei BMW Individual einen 7er BMW zusammengestellt", erinnert sich Robert Cao an 2009, "natürlich einen Zwölfzylinder. Für uns hier in China interessiert immer nur das Topmodell." Das merkt man auch am Kennzeichen "B - PY 999". "Die neun ist die höchste Ziffer und die 999 somit die größte mögliche Zahl auf dem Kennzeichen. Auch das bedeutet hier Macht", ergänzt Robert Cao.

Volkswagen hatte vor Jahren lange mit sich gerungen, ob man noch einmal einen neuen Zwölfzylinder entwickeln sollte. Zwischenzeitlich hatte Audi sogar mit dem Q7 als V12 TDI eine technische Meisterleistung vollbracht. Letztlich gab Bentley und deren Kunden den Ausschlag und so wurde nochmals ein neues W12-Triebwerk entwickelt, das bisher nur in Bentley Bentayga und dem Continental GT verbaut wird. Beim noch jungen Audi A8, wo man den W12 schon aus Imagegründen für eine geplante Luxusvariante dringend benötigen würde, hat man ihn - weitgehend fertig entwickelt - erst einmal an die Seite geschoben.

Bei Lamborghini ist das V12-Eigengewächs jedoch nicht nur beim aktuellen Aventador, sondern auch bei der kommenden Generation gesetzt. "Ich kann so viel sagen, dass der Nachfolger des Aventador einen V12-Saugmotor behalten wird und eine Elektrifizierung bekommt", erklärt Lamborghini-Entwicklungs-Chef Maurizio Reggiani, "wenn es mir nach ginge, würden wir an einem hoch drehenden Saugmotor ohne Aufladung festhalten. Aber den gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen wir uns stellen. Und das werden wir tun." Ähnlich sieht es bei Ferrari und Aston Martin aus. Auch Aston-Martin-CEO Andy Palmer will den V12 für die kommende Generation seiner Supersportwagen allemal im Programm halten. Zumindest bei den exklusiven Sportwagenmarken scheint sich das Ende der Dutzendware noch etwas hinzuziehen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.