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Lexus IS F SPERRFRIST!!!: Ein unmoralisches Angebot SPERRFRIST!!!

Verführung statt Vernunft: Der Lexus IS F ist ein getarnter Rennwagen, der deutsche Asphaltraketen abhängen soll - mit viel Tempo, Krach und technischer Feinkost.

Von Peter Weyer

Stramme Grüne spucken Gift und Galle. Ausgerechnet ihr Liebling Lexus, mit spritsparenden Hybridmodellen CO2-Musterknabe unter den Autobauern, brachte jüngst eine gewaltige Kohlendioxidschleuder auf den Markt. Gegen die sind selbst schluckfreudige Familienkutschen nur Abgashüstler. 270 Gramm CO2 pro Kilometer des Neulings erreichen selbst Geländemonster nicht. Was ist passiert? Lexus, Toyotas weltweit erfolgreiche Nobeltochter, will nicht nur Ökolorbeeren, sondern auch Respekt und Anerkennung unter Sportfahrern. Beste Verkaufshilfe wäre, die teutonische Schnellfahrerliga abhängen zu können.

Denn in Deutschland ist Lexus eher ein Nischenangebot für sozial aufstrebende Saab-Fahrer. Tadellos, vorbildlich, weckt aber keine Emotionen. Das soll sich nun ändern, denn allein mit elektrischer Spar- und Fahrhilfe aus dem Hybridakku kommt keine Lust auf, dämmerte den Konzernstrategen. Für das neue Ziel hilft nur eins: Power. Mindestens so viel wie bei den deutschen Bollermännern Audi RS 4, BMW M3 oder Mercedes C 63 AMG. Die Kampfansage kostet knapp 70 000 Euro und heißt Lexus IS F. F steht für Fuji, die hauseigene Rennstrecke im Schatten von Japans heiligem Berg mit gleichem Namen. 5000 F-Versionen der biederen Familienlimousine IS werden gebaut, 150 davon bekommt Deutschland zugeteilt. "Praktisch schon ausverkauft", sagt Lexus- Sprecher Karsten Rehmann. Der begehrte Neuling ist ein Fünfliter-V8-Renner mit 423 PS, getarnt in optisch schockfreier Schlichtheit.

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Brutal dagegen das Auspuff-Röhren. Diese "emotionale Ebene" (Lexus) täuschen Konkurrenten umweltpolitisch korrekt mit elektronischen Sound-Tricksereien vor: drinnen anmachendes Dröhnen, draußen leises Säuseln. Lexus pfeift auf derlei Selbstbetrug, setzt stattdessen auf kernige Mechanik. Ab etwa 4000 Motorumdrehungen öffnet ein zweiter Einlasskanal für die Brennstoffversorgung der acht Zylinder. Die dann entfesselten Schockwellen erinnern drinnen wie draußen an eine verrostete Bordkanone auf Dauerfeuer. Das kommt aus einem kühn gestylten Auspuff, dessen zwei Doppelendrohre jeweils übereinander gestapelt sind und im Internet-Werbeautritt sogar zu Flammenwerfern ausarten. Nichts als pubertäre Schau, denn die armdicken Röhren sind nur Zierblenden vor den beiden echten Einfachrohren dahinter. Denen entströmt auch keineswegs eine Feuersbrunst, sondern extrem sauberes Abgas aus gleich vier Katalysatoren.

Neben dem präpotenten Auspuff-Spektakel bietet der IS F allerdings reichlich technische Feinkost. Etwa das Achtgang-Automatikgetriebe. Weltpremiere. Die Kraftverteilung arbeitet ungeheuer sanft und geschmeidig, hält die Drehzahl durch die achtfache Fächerung besser als alle Konkurrenten, die meist mit sechs Stufen auskommen müssen, im bestmöglichen Bereich. Das drückt den Durst mit 11,4 Litern je 100 Kilometer (EU-Normverbrauch) unter den der Konkurrenten.

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Es geht aber auch anders. Im Handschaltbetrieb schießen die einzelnen Gänge innerhalb jeweils einer Zehntelsekunde hintereinander rein. Weltrekord. Dann verbrennen zwar im Praxisbetrieb durchschnittlich 16 bis 20 Liter Super je 100 Kilometer, aber dafür steht auch schon nach 4,8 Sekunden die Tachonadel auf 100. Schneller oder "sparsamer" sind die deutschen Straßenrenner auch nicht. Wenn die dann bei Tempo 250 elektronisch eingebremst werden, legt der kleine Lexus noch unvermindert drauf. Offiziell ist bei 270 km/h Schluss. Doch mit den üblichen zehn Prozent Zugabe reicht der Schub bis knapp an die 300. Und Lexus frohlockt offen und stolz über "das Gefühl von grenzenloser Beschleunigungskraft". Die wurmt jetzt nicht nur die Grünen, sondern auch die abgehängten Konkurrenten aus Süddeutschland. Die sogar mehr als die Öko-Aktivisten.

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