HOME

Lexus LS 460: Rollender Überwachungsstaat

Die japanische Edelmarke ist die erste Wahl für Berufs-Pessimisten, denn nie wurde mehr Aufwand getrieben, um das Schimmste zu verhüten. Wenn der Fahrer schläft, wacht der Lexus auf und bringt die Karosse ganz allein auf den Pfad der Tugend zurück.

Von Katja Eden/Mallorca

Männer können nicht zuhören und Frauen nicht einparken! Schier unausrottbar sind diese Vorurteile. Packt man Mann und Frau in ein Auto zusammen, sind Stress und Streit meistens programmiert! Die Sache mit dem Nicht-Zuhören können (oder wollen), werden die Automobilhersteller wohl so bald nicht lösen, doch das leidige Einparken verliert seinen Schrecken: Der vollautomatische, intelligente Einpark-Assistent (IPA) im neuen Lexus LS 460 rangiert den rollenden Untersatz ganz allein in die ausgespähte Parklücke. Das ist jedoch nur eines der vielen technischen Highlights, mit denen das japanische Dickschiff ab 18. Januar zu Preisen ab 82.000 Euro an den Start in Deutschland geht, um sich ein Stück vom Luxus-Kuchen abzuschneiden.

Die japanische Antwort

17 Jahre nach Markteinführung des ersten Lexus stellt die edle Tochtermarke von Toyota zum zweiten Mal in der Geschichte der LS-Baureihe ein vollkommen neu entwickeltes Fahrzeug vor. Nippons-Antwort auf S-Klasse, 7er BMW oder Audi A8 avanciert zum Spielplatz für Technikfreaks! Voll gepackt mit Highend-Technik-Features, die das Autofahren noch sicherer, einfacher und besser machen sollen.

Wer das erste Mal den Pilotenplatz im Luxusliner entert, sollte Geduld mitbringen – und Spaß haben am Ausprobieren sämtlicher Fahrer-Assistenzsysteme. Knöpfe, Schalter, Hebel soweit das Auge reicht – das Lexus-Cockpit ist zwar nicht ganz so unübersichtlich wie das eines Flugzeuges, doch braucht man erst mal Zeit, um sich mit all den gut gemeinten Lösungen der Ingenieure anzufreunden. Und hat man auch noch das Glück einen versierten Erklärer zu finden, kann man sich an dessen rot glühenden Wangen und leuchtenden Augen gleich doppelt erfreuen. Mit mitreißender Begeisterung werden einem Funktionsweise und Bedienung näher gebracht.

Wieviel Assistenten braucht ein Fahrer?

Es klingt hochtechnisch und reichlich verwirrend, wenn die Fachleute den Kürzel-Salat servieren. Da ist die Rede von APCS, AODS, TPWS, D-4S, WIL, VDIM oder LKA. Wer bei letzterem an Landeskriminalämter denkt, liegt zwar einerseits nicht völlig falsch, im Falle des LS 460 handelt es sich jedoch um eines der neuesten Sicherheitsfeatures, die gleich reihenweise im Edel-Japaner verbaut wurden: Das Kürzel steht für "lane keep assistent" und sorgt dafür, dass man wieder auf die richtige Spur zurück findet, wenn man sie denn verloren hat. Little brother is watching: Kameras bemerken das unbeabsichtigte Verlassen der Fahrspur und warnen per Piepton und einem leichten Ruck am Lenkrad; ist die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage (ACC) eingeschaltet, wird sogar aktiv in die Spur zurückgelenkt.

Ich sehe deine Augen!

Aber das ist natürlich noch längst nicht alles, denn sind die Technik verliebten Japaner erstmal losgelassen, gibt’s kein Halten mehr. Besonders stolz sind die Entwickler auch auf die vier Sicherheitssysteme, die im Lexus LS 460 ihre Weltpremiere erleben: Die Objekterkennung mittels Infrarotkamera (AODS), der Gesichtsfeldmonitor als Warnsystem für abgelenkte Fahrer, der Notfall-Lenkassistent (ESA) sowie das Heck-Pre-Crash-Safety-System. Diese raffinierten Schmankerl sind Bestandteile des Advanced Pre-Crash Safety Systems (A-PCS), das 2.600 Euro Aufpreis kostet und helfen soll, Unfälle zu vermeiden oder deren Folgen abzuschwächen. So erfassen beispielsweise Radar- und Infrarotsensoren Hindernisse vor dem Fahrzeug und warnen den Fahrer optisch und akustisch. Steht eine Kollision bevor, schaltet sich der Lenkassistent (ESA) ein, der mit einer direkteren Übersetzung plötzliche Ausweichmanöver vereinfacht. Ist es dafür schon zu spät, strafft das Fahrzeug die Gurte und bremst automatisch ab, um die Aufprallgeschwindigkeit zu verringern. Bei einem drohenden Heck-Crash werden zudem die Kopfstützen selbständig in Position gebracht.

Schnörkellose Eleganz

Big brother is watching you: Der auf der Lenksäulenabdeckung montierte Gesichtsfeldmonitor erfasst die Blickrichtung des Fahrers. Wenn er den Kopf wegdreht und die Objekterkennung gleichzeitig ein Hindernis bemerkt, wird der Fahrer wiederum optisch und akustisch gewarnt. Wie gesagt, klingt alles kompliziert und schwierig. Hat man’s dann erst mal begriffen, wird das Fahren mit LS 460 zu einer entspannten Sache – ganz egal ob als Chauffeur oder Mitfahrer. Die Ledersitze sind vorne wie hinten enorm bequem, der Geräuschkomfort ist Maßstab in der Luxusklasse. Bei so viel Technik, darf auch das Auge nicht zu kurz kommen: Das Ex- wie Interieur-Design des neuen Flaggschiffs ist geprägt von schnörkelloser Eleganz, klaren Linien und Understatement. Hier kommt kein Krawallbruder angerollt, sondern ein Gentleman, der weiß, wie er sich zu benehmen hat! Edel und luxuriös – jedoch ohne Protz – präsentiert sich auch der Innenraum: Sehr ansprechendes Design, hervorragende Verarbeitung und große Funktionalität stehen im Vordergrund.

Darf es eine Stufe mehr sein?

Für den adäquaten Antrieb der Luxuslimo sorgt ein neu entwickelter Achtzylinder mit 4,6 Litern Hubraum und einer Nennleistung von 380 PS, einem maximalen Drehmoment von 493 Newtonmeter bei 4.100/min. Zu den technischen Besonderheiten des wahrlich extrem laufruhigen Motors zählt u.a. die kombinierte Saugrohr- und Direkteinspritzung (D-4S), die einerseits Leistung und Drehmoment steigern und andererseits Verbrauchs- und Emissionswerte senken soll.

Knapp sechs Sekunden vergehen, da ist der etwa zwei Tonnen schwere Hecktriebler auf Tempo 100; Spitze läuft er 250 km/h. Kombiniert wurde das neue Triebwerk mit dem weltweit ersten Achtstufen-Automatikgetriebe in einem Serienfahrzeug, das hervorragende Fahrdynamik garantieren und zu einer Minimierung des Kraftstoffverbrauchs beitragen soll. Diesen gibt der Hersteller mit 11,1 Liter/100 Kilometer an. Ein Wert, den man nur erreicht, wenn man sich wahrlich äußerst diszipliniert verhält; im wirklichen Leben dürften wohl um die 15 Liter erreicht werden. Das adaptive variable Fahrwerk (AVS) gestattet dem Fahrer per Knopfdruck die Wahl zwischen drei Stufen von komfortabel bis sportlich. Die jeweilige Dämpferauslegung wird von einer variablen Lenkung (EPS) unterstützt; im Sportmodus reagiert sie dabei deutlich direkter als bei der komfortorientierten Fahrweise.

450 Watt fürs Radio

Apropos Komfort: Die Ausstattung ist nicht von schlechten Eltern: Prima Klima dank Vier-Zonen-Klimaautomatik, großer LCD-Monitor, um gemütlich DVDs zu schauen oder es gibt richtig was auf die Ohren. Serie ist ein Premium Audio System mit 290 Watt DSP-Verstärker mit neun Kanälen und zehn Lautsprechern. Wem das nicht reicht, kann sich das High-End-Audio-Surroundsystem mit Sechsfach-DVD-Wechsler mit 450 Watt DSP-Verstärker, 15 Kanälen und 19 Lautsprechern von Mark Levinson einbauen und seinen Lexus in einen Kino- und Konzertsaal verwandeln lassen. So betrachtet ist zumindest der Grundstock gelegt, dass Männer auch mal zuhören…!

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.