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Porsche Carrera GT: Sag beim Abschied leise wroooooaaammm...

Schlechte Nachricht für millionenschwere Auto-Freaks, betuchte Ölprinzen und Ostblock-Oligarchen. Im Porsche-Werk Leipzig lief jetzt der letzte Carrera GT von der Montagelinie. Insgesamt 1270 Exemplare dieses 452.690 Euro teuren Supersportwagens wurden gebaut. Jetzt ist Schluss.

Von Frank Wald

Ursprünglich geplant war zwar mal die Stückzahl von 1500, doch die Porsche-Leute sind auch so hoch zufrieden. "Die Produktion war unterm Strich profitabel und die Limitierung von Anfang an so gedacht, um die Exklusivität zu bewahren", sagt Porsche-Sprecher Cypselus von Frankenberg. Im Herbst 2003 liefen die ersten "Rennwagen für die Straße" von der rund 80 Meter langen Fertigungsstraße, vis-a-vis der Cayenne-Endmontage. Jeder Einzelne in Handarbeit von spezialisierten Teams zusammengesetzt – und offensichtlich ganz ohne Zeitdruck. In Hochzeiten waren es drei Fahrzeuge täglich, inzwischen wird gerade noch ein GT gefertigt, da ein Teil der Monteure schon wieder in die Cayenne-Produktion zurückgekehrt ist.

Top Secret

An welche Adresse der letzte GT geht, will der Leipziger Werksleiter Siegfried Bülow allerdings nicht verraten. "Viele unseren Kunden möchten anonym bleiben" sagt er. Was auch Bülow in der Vergangenheit ein wenig bedauerte, weil "wir einige prominente Kunden gern zu Werbezwecken gewonnen hätten". Wie beispielsweise US-Talklegende David Letterman, wie der sächselnde Werkschef doch noch durchsickern lässt, der seinen Carrera GT höchstpersönlich abgeholt hat. Auch Modemacher Ralph Laurien wurde in dem trichterförmigen Kundenzentrum in Sichtweite des Leipziger Flughafens und Messegelände begrüßt, und noch einige "dieser NBA- und Eishockey-Spieler aus den USA", erzählt Bülow. Was man dann schon gern gesehen hätte, wie ein Shaquille O’Neal, Kobe Bryant oder Allan Iverson ihre langen Stelzen in dem aus 1000 Einzelteilen gebackenen Kohlefaser-Monocoque untergebracht haben.

Der wahre Meister aller Klassen

Dass aber tatsächlich auch Zwei-Meter-Menschen in dem engen, ganz auf den Piloten zugeschnittenem Cockpit, Platz finden, demonstriert Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. Aber mehr noch, was auf dem werkseigenen Versuchsgelände mit dem Supersportwagen noch alles möglich ist. Ein 612 PS starker 5,5-Liter-V10-Mittelmotor, der weder Turbo noch Kompressor benötigt, um den 1380 Kilogramm leichten Roadster aus dem Stand in 3,9 Sekunden auf 100 km/h oder nach 9,9 Sekunden sind Tempo 200 zu katapultieren, liest sich zwar schon auf dem Papier beeindruckend. Auf Asphalt wird daraus ein unvergleichliches Fahrerlebnis – vorausgesetzt, der Dompteur am Volant weiß das schlürfende, brabbelnde und brüllende "Tier" im Rücken in die richtigen Bahnen zu lenken. Röhrl, der den Carrera GT im Porsche-Entwicklungsteam von den ersten Entwürfen bis zur Serienfertigung begleitet hat, ist so einer. "Wir fahren zunächst mal mit ASR" Die Antriebsschlupfregelung ist die einzige Fahrhilfe, die sich der GT leistet. ESP, Fahrwerksverstellung, Allradantrieb oder sonstige elektronische Helferchen sucht man vergeblich. Sind aber offenbar auch nicht notwendig, wenn ein Mann am Lenkrad dreht, der die Grenzen der Fahrphysik ohnehin immer wieder neu zu definieren scheint. Mit der Traktionskontrolle geht es schnell, sehr schnell, über den 3,7 Kilometer langen Rundkurs, dessen Streckendesign berühmte Kurvenkombinationen aus aller Welt zitiert. Den Anfang macht Parabolica, der 180-Grad-Kurve von Monza nachempfunden, in der die Querbeschleunigung Hirn und Magen in Wallung bringt. Weiter geht die Hatz, mit Tempo 120 über die Curbs der Mobil1-S-Kurve vom Nürburgring, mit abruptem Links-rechts-Schwung durch den "Bus Stop" von Spa und "im vierten voll" auf einen zehn Meter hohen Hügel zu, auf dessen Rückseite sich eine Korkenzieherkurve ähnlich der von Laguna Seca hinunter windet. Hie und da wimmern zwar die Pneus, doch insgesamt geht es sehr kontrolliert durch die Kurvenkombinationen. Das ändert sich sofort, wenn das ASR ausgeschaltet ist. Schon ein etwas zu starker Druck aufs Gas in der Kurve kann zu einem Ausbrechen des Hecks führen. Jetzt greift auch Walter Röhrl mit beiden Händen zu, korrigiert, arbeitet, nimmt beinahe jede Kurve im Volldrift. Weniger begnadeten Autofahrern, rät der Rallye-Pilot deshalb, die ASR-Taste "am besten rot lackieren und: Nicht berühren! draufschreiben".

Ein Scheich am Montageband

Vielleicht auch ein guter Tipp für den arabischen Kunde aus Bahrain, der in der Montagehalle um einen der letzten, halb fertigen, Carrera GT tänzelt, mit den Monteuren diskutiert, bei der Arbeit beobachtet und Carrera GT-Projektleiter Michael Hölscher überschwänglich zu seinem "guten Job und dem besten Auto, das jemals gebaut wurde", gratuliert. Schon seit drei Tagen begleitet der Mann aus dem persischen Golfstaat, nach eigener Aussage Airforce-Pilot und Angehöriger der Königsfamilie Al-Khalifa, zusammen mit seiner jungen, stets schüchtern lächelnder Gattin, die Fertigung seines Modells. Und kann es kaum erwarten, bis sein condor-gelber GT mit braunem Lederinterieur endlich zuhause in seinem Fuhrpark steht. "Ich muss leider schon am Wochenende abreisen", sagt er, "aber wenn mein GT geliefert wird, werde ich am Flugzeug unter der Ladeluke stehen".

Die Zeit danach

Während sich der Kunde aus Bahrain freut, sieht man den Gesichtern der Monteure die Trauer um das Auslaufen der GT-Produktion an. Die Frage, was sie machen, wenn der letzte aus der Halle gerollt ist, beantwortet die Leipziger Werksbroschüre. "Schweigen, vermutlich. Und uns auf die nächste Herausforderung freuen." Die könnte Panamera, das für 2007 angekündigte große Porsche-Coupé, heißen, deren Produktionsstandort noch nicht endgültig entschieden ist. "Wir sind zuversichtlich", sagt Porsche-Werkschef Bülow, "dass wir nach der reibungslosen Fertigung des GT auch diesen Auftrag nach Leipzig holen werden."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.