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Reportage: 100 Jahre Grand Prix: Tollkühne Männer, tolle Kisten

Als Christian Lautenschlager in seinem Mercedes 140 PS nach knapp sieben Stunden als erster die Zielflagge sah, begann für Mercedes ein neues Zeitalter: In Dieppe feierten die Stuttgarter ihren ersten Grand-Prix-Sieg.

100 Jahre später machte sich eine handvoll Wagemutiger auf, die Strecke an der französischen Kanalküste erneut zu bezwingen. Im Gegensatz zu 1908 jedoch ohne jeglichen Zeitdruck.

Damals hatten die Piloten den Kurs durch Stadt und Land entlang der Kanalküste zehn Mal hinter sich gebracht. Eine wahre Tortur für Mensch und Material. Rennsportexperte Jochen Mass bei der Neuauflage 2008: "Es ist unglaublich, was die Fahrer in ihren Rennwagen vor 100 Jahren geleistet haben. Die Autos waren alles andere als leicht zu fahren. Trotzdem lag das Spitzentempo bei bis zu 170 km/h. Einige haben dieses Abenteuer auf schlechten Straßen mit dem Leben bezahlt."

Man schrieb das Jahr 1908. Mercedes und Benz fuhren noch als Konkurrenten gegeneinander und kämpften bei Autorennen gegen Marken wie Mors, Opel, Fiat und Austin. Die Fortschritte im Automobilbau waren Anfang des vergangenen Jahrhunderts gigantisch. War man ein paar Jahre vorher noch mit 40 km/h durch die Lande kutschiert, schaffte das Siegerauto vom Typ Mercedes 140 PS beim Dieppe-Rennen im Juli 1908 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 111 km/h.

Kaum eine Marke kann sich heute noch erlauben, auf ein Engagement im Motorsport zu verzichten. Die Anfänge der Grand-Prix-Ära liegen mehr als 100 Jahre zurück. Während heute im Zweiwochen-Rhythmus Piloten wie Felipe Massa, Lewis Hamilton oder Nico Rosberg bei Formel-1-Rennen um Sieg und Ehre für Marke und Fahrerwertung kämpfen, war der Rennsport in der frühen Zeit noch ein echtes Abenteuer für tollkühne Männer in tollen Kisten.

Unbefestigte Straßen, kaum Sicherheitsvorkehrungen und waghalsige Piloten machten für die gerade in Frankreich rennsportbegeisterten Zuschauer den Reiz aus. Bei der Auflage des Großen Preis von Frankreich im Jahre 1908 hatten die erfolgsverwöhnten Franzosen viel gutzumachen. Briten und Italiener hatten ihnen in den Jahren zuvor einen Strich durch die Rechnung gemacht - und so sollte es 1908 zu einem grandiosen Sieg kommen, der die Vormachtstellung es französischen Automobilbaus dokumentieren sollte. Doch die 300.000 Zuschauer erlebten mit einem überraschenden deutschen Dreifachtriumph eine Überraschung.

Schnell und gefährlich

"Aus dem Grand Prix des Jahres 1908 ist eine Niederlage schlimmster Art für die Franzosen und ihre stolze Automobilindustrie geworden", titelte die seinerzeit führende Allgemeine Automobil-Zeitung. Das schlimmste sei zudem, dass aus dem Namen Lautenschlager beim besten Willen keine französische Abstammung herzuleiten gewesen sei.

Nach einem wilden Rennen mit zahlreichen Ausfällen und Reparaturen gewann der Mercedes 140 PS in der Besetzung mit Christian Lautenschlager, Willy Pöge und Otto Salzer. Auf den Plätzen zwei und drei machen sich mit Victor Hémery, René Hanriot sowie Fritz Erle zwei Benz-Fahrzeuge der Bauart 120 PS breit. Der Zusammenschluss von Mercedes und Benz erfolgt erst im Jahre 1926.

Damals galt die goldene Regel: "Win on Sunday, sell on Monday" – wer Sonntag siegreich war, verkaufte seine Fahrzeuge am Montag darauf mit Leichtigkeit. Bereits am Sonntag hatten schlaue Bauern ihr Geld gemacht. Sie verlangten von den Zuschauern fünf Franc Gebühr – für gute Plätze wurden sogar zehn Franc verlangt.

Bei der Jubiläumsauflage des Großen Preis von Frankreich in Dieppe geht es heute deutlich beschaulicher zu. Einigel der automobilen Schätzchen von einst sind am Start und legen die Strecke im nur sanften Galopp zurück. Was einem auf Asphaltstraßen ohne Windschutzscheibe, Kotflügel und mit dünnen Wagenreifen wie ein heißer Ritt erscheint, ist gerade einmal Tempo 100.

Die Ruhe von Dieppe

Früher waren die Straßen ausgefahren, mit Schlaglöchern übersäht und die Reifen platzten – im schlimmsten Fall bei 160 km/h. Schwere Bedingungen für Mensch und Maschine. Gewinner Lautenschlager kam mit dem letzten Reifensatz ins Ziel – 22 Reifen hatte er in den zehn Stunden zuvor verschlissen. Während des Rennens hatte ein auffliegender Stein das Glas seiner Rennbrille durchschlagen: "Die Scherben tanzten mir nun innerhalb der Brille vor dem Auge auf und ab", berichtete der damals 31-Jährige.

Auch Mitkonkurrent Victor Hémery aus Frankreich, unterwegs auf einem Benz 120 PS, wurde von einem Stein erwischt. In der siebten Runde wurde sein Auge durch Splitter verletzt. Mehr als Platz zwei war durch die 8.40 Minuten Rückstand nicht mehr drin.

Die Autos selbst waren technische Meisterleistungen. Vier Zylinder, über 12 Liter Hubraum und 120 bis 150 PS bei 1.400 Umdrehungen pro Minute – es ist mehr ein Ritt, als eine Fahrt – insbesondere ab 100 km/h. Fehlzündungen explodierten wie Kanonenschläge. So sind auch die Einwohner von Dieppe erst einmal froh, dass der Große Preis von Frankreich nicht mehr vor der Haustür, sondern - zumindest bis zu diesem Jahr - in Magny-Cours ausgefahren wurde.

Das verschlafene Örtchen Dieppe hat mit Motorsport ansonsten nichts mehr am Hut, setzt stattdessen auf Fischerei und die Touristen, die zumeist aus Paris an die Kanalküste kommen. Lärm ist hier ein Fremdwort. Zumindest bis zur nächsten Jubiläumsauflage des ersten Grand Prix von Frankreich.

Stefan Grundhoff, Dieppe / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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