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VW Touran: Mein neuer bester Freund

Italienischer Verkehr, Automassen im unruhigen Tanz quer durch Rom - das reibt die Nerven auf. Mit altbewährtem Konzept und dem neuen technischen Spielzeug "Park Assist" sorgt der aufgehübschte VW Touran für Fahrt.

Von Svenja Friedrich, Rom

Und los geht's ins Abenteuer Roma: Mit dem VW Touran durch den römischen Stadtverkehr. Vorbei an hupenden, drängelnden Autos mitsamt lauthals brüllenden Fahrern. Wer nicht schnell genug von Fleck kommt, ist ein Loser. Also tief durchatmen, ein Stoßgebet zum Himmel und das Gaspedal durchtreten.

Der VW Touran zieht ordentlich, kommt auf den römischen Hügeln kräftig in Schwung. Zügig geht es durch den Stadtverkehr. Rücksicht gibt es nicht, Fußgänger, die sich über die Straße wagen, erhalten ein gnädiges Abbremsen, aber erst recht keine Vollbremsung. Und bei Ampeln ... auweia, lieber anhalten.

"Park Assist", mein neuer Freund

Vor der Ampel geht der Adrenalinspiegel langsam runter. Nun wäre ein Teller Saltimbocca alla romana genau das Richtige, um die Nerven zu beruhigen. Doch wie soll man mit dem mehr als vier Meter langen VW Touran sicher einparken? Noch bevor ich lange überlegen kann, meldet sich "Park Assist". Auf Knopfdruck hat das neue Parklenksystem die Lücke vermessen und hilft mir, diese zu erobern. Wie von Geisterhand dreht sich das Lenkrad, bewundernd sitze ich davor und staune voller Ehrfurcht.

Aber wie macht der VW Touran das? Unter der Motorhaube wird wohl kaum ein kleines Männchen sitzen und die Lenkung übernehmen. Stattdessen aktiviert ein Knopfdruck "Park Assist" und mit dem Blinker wird die Seite der Parklücke eingestellt. Im Vorbeifahren wird die Größe der Parklücke mit Ultraschallpeilung vermessen und der ideale Einparkweg ermittelt. Nach dem Einlegen des Rückwärtsganges manövriert "Park Assist" den VW Touran innerhalb von Sekunden in die Parklücke. Als Fahrer muss man nur noch Gas und Bremse bedienen.

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Zumindest solange kein Wasserschwein im Weg, kann man "Park Assist" das Auto sorglos überlassen. Denn die Technik hat ihre Tücken. Für Menschen, Tiere, Bäume, Zäune und auch Anhängerkupplungen ist das System blind, die Sensoren erkennen diese Hindernisse nicht. Aber keine Panik, der Fahrer kann jederzeit ins Lenkrad greifen. Wirklich schade ist nur, dass der neue technische Freund im VW Touran nicht serienmäßig, sondern ausschließlich gegen satten Aufpreis (ca. 849 Euro) zu bekommen ist.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Und schon ist das leckere Saltimbocca alla romana verschlungen und der Teller leer. Nach dem Schock des römischen Stadtverkehrs war der Energieschub bitter nötig. Da überlegt man sich, wie man dem Chaos am schnellsten entkommen kann. Am einfachsten wäre eine Tour quer durch die italienische Landschaft. Genießerisch die Luft der Campagna Roman einatmen und über grüne Hügel düsen, das ist die Lösung. Also zurück ins Hotel, die ganze Bagage eingepackt und ab aufs Land.

Angekommen am Lago di Bracciano, 60 Kilometer nordwestlich von Rom, werfe ich einen letzten Blick auf die freudlos-graue Innenausstattung und entschwinde ins Bistro. Rein äußerlich hat das Facelift, das Volkswagen dem Touran nun vier Jahre nach der Markteinführung verpasst hat, kaum etwas verändert. Außer der blitzenden Chromoptik am Wappenkühlergrill, den neuen Stoßfängern und feineren Materialien im Innenraum fallen nur noch das Kurvenfahrlicht und der neue Schnitt der Scheinwerfer auf. Mit dem VW Touran geht Volkswagen eben kein Risiko ein und versucht den kleinsten gemeinsamen Nenner unter den Kompaktvans treffen.

Aber warum auch viel verändern? Fünf bis sieben Sitze im Innenraum, fast 2000 Liter Volumen im Kofferraum, variabler Gepäckraumboden und - je nach individuellen Vorlieben - auch praktische Sonderausstattungen wie Innenraum-Fahrradträger, Einzelsitze in der dritten Reihe oder Klimaanlage. Letztlich überzeugt das Konzept und der Kunde ist zufrieden. Kein Wunder, dass Volkswagen im Kompaktvan-Segment prompt die Marktführung in Deutschland und Platz drei in Europa erobert hat.

Pfeffer unter Haube

Auf der Fahrt um den Lago di Bracciano können wir die Schönheit des ehemaligen Vulkankraters, in dem nun das Wasser steht, bewundern. Fernab von römischer Verkehrshektik lässt sich ein Urlaub in Italien doch immer noch am besten genießen. Ich folge den Straßen, die sich in Kurven sanft über die Sabatiner Berge winden, mitten durch kleine Dörfer und Olivenhaine. Von hier aus kann man sich den riesigen Petersdom des Vatikans nur noch vorstellen.

Immerhin hat der aufgehübschte VW Touran Pfeffer unter der Motorhaube - zumindest wenn man praktisch denkt. Das Einstiegsmodell, der Touran mit 1,6-Liter-Benziner und 102 PS, beschleunigt innerhalb von 12,9 Sekunden von Null auf 100 km/h. Satte 200 km/h sind als Höchstgeschwindigkeit möglich. Auf der italienischen Landstraße soll man aber nur 70 km/h fahren. Auf dem Land ebenso wie im römischen Straßenverkehr hält sich aber keine an solche Vorgaben.

Volkswagen hat das Motorenprogramm des VW Touran rundherum modernisiert. Bei den Benzinern gibt es Aggregate mit 102, 150 und 170 PS, bei den Dieseln gibt es solche mit 90, 105, 140 und 170 PS. Als Häppchen für verhinderte Umweltschützer steht der Erdgas-Motor "Eco Fuel" zur Auswahl.

Viel interessanter als die Neuerungen des VW Touran sind aber die Preise. Die Latte reicht von 20.989 Euro für die VW Touran Basisversion mit 102 PS bis 32.674 Euro für den VW Touran Highline TDI und DSG-Getriebe. Das Facelift mag nicht spektakulär sein, aber dafür kostet es nichts: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird von Volkswagen übernommen. Darauf gibt's nun erst einmal einen großen Latte Macchiatto mit leckeren Biscotti!

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