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Rabattschlacht auf dem Automarkt Golf VII - nagelneu und schon im Sonderangebot


Der mörderische Preiskampf auf dem Automarkt erfasst selbst den neuen Golf. Schon gibt es den Klassenprimus im Sonderangebot: 20 Prozent Nachlass sind drin. Und die Rabattschlacht wird weitergehen.
Von Gernot Kramper

Schaut man auf den Automarkt, dann ist die Eurozone bereits tot. Anzeichen für einen Aufschwung oder gestiegene Kauflaune gibt es nicht, im Gegenteil: Seit Jahren gehen die Autoverkäufe in Europa zurück. Und selbst diese Stagnation wird noch mit hohen Rabatten bei den Neuwagen erkauft. Bei zahlreichen Modellen kann der Käufer heute Rabatte zwischen 25 und 30 Prozent heraushandeln.

Diesem mörderischen Preiskampf kann sich auch der Marktführer Volkswagen nicht entziehen: Der neue Golf VII wird erst ab dem 10. November an die Kunden ausgeliefert, aber schon jetzt gibt es satte Rabatte. Über 20 Prozent Nachlass bieten Internetanbieter für den Golf an. Miteingerechnet ist eine "Eroberungsprämie"- der Käufer muss zuvor ein Modell eines anderen Herstellers gefahren sein. Auch Führerscheinneulinge können sich über einen so hohen Nachlass freuen. Markentreue VW-Kunden sparen etwas weniger, doch mit etwa 16 Prozent kann jeder Käufer rechnen.

VW nennt den Golf "Das Auto" und feiert den Wagen in einer gigantischen PR-Kampagne. Die technischen Qualitäten sind unbestritten, aber um nennenswerte Stückzahlen an den Mann zu bringen, müssen zumindest einzelne Händler den Preis drücken. Die Kunden können sich freuen, für Autohersteller und Händler sind diese Rabatte ein Alarmsignal. "Wenn der Golf - das Flaggschiff der Branche - mit solchen Rabatten arbeitet, zeigt das, wie ernst die Lage im Markt ist", warnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Der 20-Prozent-Nachlass gehört zu keiner offiziellen Werbeaktion von VW, darum sieht man dazu auch keine TV-Spots und Plakate bei den Vertragshändlern. In Wolfsburg ist man von den Billigangeboten überhaupt nicht angetan. "Es ist Unsinn zu behaupten, Volkswagen würde den neuen Golf mit Rabatten von bis zu 20 Prozent anbieten", sagt VW-Sprecher Eric Felber. "Hinter dem Angebot bei den Online-Vermittlern steht ein oder einige wenige Händler. Von diesem Einzelangebot auf einen von Volkswagen vorgegebenen Nachlass zu schließen, ist falsch."

Aber auch er kann nicht bestreiten, dass man den neuen Golf zu diesen Konditionen erwerben kann. Der Nachlass ist da, ob mit oder ohne den Segen von VW. Das bestätigt auch Andreas Partz von Meinauto.de: "Über die Strategie von VW können wir nichts sagen. Wir kennen nur die Preise unserer Händler, und die melden uns diese günstigen Angebote. Diese Preise gibt es also auch im Markt." Auch andere Internetvermittler wie Carneoo.de oder autohaus24.de geben ein vergleichbares Rabattniveau an. Ausreißer gibt es nur nach unten. "APL Price Optimizier" gibt als höchsten Rabatt über 27 Prozent an. Um diesen Wert zu erreichen, müssen allerdings mehrere Sonderfaktoren zusammentreffen. Die Rabatte im Internet werben nicht für spezielle Sondermodelle, den Nachlass gibt es auf einen individuell nach eigenen Wünschen zusammengestellten Golf.

"Blutbad" im Automarkt

Bei der Einführung des neuen Kompaktwagens zeige sich, wie aggressiv der Marktführer vorgehe, sagt Dudenhöffer. "Fiat-Chef Sergio Marchionne benutzte das Wort 'Blutbad' für die Rabattpolitik von Volkswagen. Das hört sich martialisch an, trifft die Sache aber." Die Rabatte der Händler des Klassenbesten setzen alle anderen Hersteller unter Druck, sie sind gezwungen, noch höhere Nachlässe als Volkswagen zu gewähren. Selbst ein Internetvermittler wie Meinauto.de ist überrascht von den Preisen für den neuen Golf. Die Erklärung von Andreas Partz: "Der schwache Markt scheint die Hersteller gegenseitig zu den Preisen zu zwingen. Wir wissen, dass die Preise der ganzen Kompaktklasse unter Druck stehen. Die Golf-Konkurrenten Opel Astra und Ford Focus werden mit über 30 Prozent Nachlass angeboten."

Ein Kaufinteressent braucht sich von den aktuellen Schnäppchen nicht unter Zugzwang setzen lassen. Nach Ansicht von Dudenhöffer wird die Rabatt-Schlacht auch noch im nächsten Jahr anhalten. "Die Südländer der EU erhöhen die Steuern, die Wirtschaft ist in der Rezession, der Automarkt wird sich unter diesen Bedingungen auf absehbare Zeit nicht erholen können."

Noch größere Nachlässe gibt es beim Kauf eines alten Golfs. Große Händlerketten bieten den VW Golf VI als Tageszulassung mit 33 Prozent Rabatt ab. "So intensiv ist VW in der Vergangenheit noch nicht in den Preiskampf eingestiegen", sagt Dudenhöffer. Offensichtlich habe sich VW bei der Absatzplanung in Südeuropa verschätzt. "Jetzt sind die Wagen produziert und müssen schnell vom Hof, bevor der Nachfolger kommt."


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