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Rekordpreise für Benzin: Teurer Tropfen

Verärgerter Blick auf die Preistabelle: Benzin ist so teuer wie nie in Deutschland. Bis zu 1,62 Euro kostet derzeit der Liter Superbenzin. Warum denn bloß? Und bleibt das jetzt so?

Von Tanja Vedder

Wer gestern Abend in Berlin durch die Innenstadt fuhr, konnte schier Unglaubliches entdecken: 12 Cent Preisunterschied für Superbenzin an der Zapfsäule – und das in einem Umkreis von gerade mal zwei Kilometern. Von 1,49 bis 1,61 Euro für den Liter verlangten die Tankstellenwarte in der Hauptstadt. Sprich, der Benzinpreis steht zurzeit mal wieder Kopf.

Die, die derzeit in Deutschland für unter 1,60 Euro je Liter ihr Auto mit Superbenzin befüllen können, haben allerdings großes Glück. Am Freitag lag der Preis im bundesweiten Durchschnitt ungefähr bei 1,61 bis 1,62 Euro je Liter, wie Sprecher der Mineralölkonzerne in Hamburg und Bochum mitteilten. Nach dem Preisanstieg vom Donnerstag gingen in den meisten Bundesländern die Preise zum Wochenende weiter rauf, wie die Daten von Preiswatch-Portalen im Internet zeigen. Auch Diesel verteuerte sich heute vielerorts weiter.

Krieg, Wechselkurse und Spekulanten

Die Hintergründe für diese Entwicklung beim Benzinpreis sind vielfältig. Natürlich spielt die politische Großwetterlage eine Rolle. Etwa seit Februar, also mit Beginn der Unruhen in vielen arabischen Ländern, steigen die Rohölpreise auf den Großmärkten stark an. Die Furcht vor Versorgungsengpässen und die Angst, dass die Krise auf Saudi-Arabien – einen der Hauptlieferanten für das schwarze Gold – überschwappen könnte, beflügelt die Preise. Hinzu kommen Faktoren wie Wechselkursentwicklungen. Weil Rohöl in Dollar gehandelt wird, lässt eine schwache US-Währung die Preise weiter steigen – denn die Nachfrage aus Nichtdollar-Räumen steigt, und die Lieferanten verkaufen gleichzeitig teurer. Kommt natürlich noch das Thema Angebot und Nachfrage hinzu. Und dann ist da noch die Sache mit der Spekulation: Die Anleger am Markt seien derzeit enorm gut bei Kasse, das Geld müsse irgendwo hin und werde in harte Vermögenswerte wie etwa Gold, Silber – oder eben Öl investiert, erläutert ein Marktbeobachter.

Wie viel der Autofahrer letztlich für seinen Sprit bezahlen muss, wird dann in den jeweiligen Ländern entschieden. Denn auf den Rohölpreis kommen jeweils noch Steuern und Abgaben hinzu, die die Mineralölkonzerne an den Fiskus zahlen müssen. Die Logistik- und Transportkosten sowie die Pächterprovision machen ebenfalls einiges aus. Und schließlich wollen die Konzerne ja auch noch Gewinn machen, in der Regel etwa einen Cent pro Liter. Diesen schlagen sie in ihrer Preiskalkulation gleich mit drauf.

Wohin mit dem Benzinpreis?

In Rotterdam hatte der Preis für eine Tonne Superbenzin am Donnerstagmittag den Stand von 1177 Dollar je Tonne erreicht – umgerechnet gut 59 Eurocent je Liter. Am Freitagmorgen lag die Notierung fast unverändert bei 1178 Dollar. Beim Mineralölwirtschaftsverband in Berlin wird gemutmaßt, dass der vorübergehend für Mai angekündigte russische Exportstopp für Ölprodukte den Preis auf dem Großmarkt zuletzt nach oben gezogen haben könnte. Zwar gehört Deutschland nicht zu den Hauptabnehmern für Öl aus Russland, doch würde sich eine erhöhte Nachfrage der bisherigen Russland-Kunden natürlich auch negativ auf die Benzinpreise hierzulande auswirken.

Russische Mechaniker haben einen Bentley-Panzer aus Luxuswagen und Kettenfahrzeug gebaut.

"Es ist zu befürchten, dass der Preis am Freitag noch mal nach oben gehen wird", sagte ein Sprecher des ADAC am Freitagvormittag in München. Der letzte Werktag der Woche sei traditionell einer der teuersten Tage an den Zapfsäulen, dazu komme der Reiseverkehr. "Wir sehen in der Entwicklung auch einen Mitnahme-Effekt vor dem Ende der Osterferien." Seit Dienstag legte der Super-Preis laut ADAC um sechs Cent zu.

Ob sich die Preise auch in den nächsten Wochen auf dem aktuell hohen Niveau halten werden, darüber lässt sich nur spekulieren. Doch die meisten Branchenkenner sind sich einig, dass die Zeiten schon lange vorbei sind, in denen der Liter Benzin noch einen Euro kostete. "Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass sobald ein Rekord gebrochen wurde, sich die Lage danach wieder etwas stabilisiert hat – und danach immer und immer wieder neue Rekorde gebrochen wurden", sagt Steffen Bock, Geschäftsführer vom Preiswatch-Portal clever-tanken.de.

Spartipps vom Experten

Sein Tipp: Wer derzeit günstig tanken will, sollte möglichst den Sonntagnachmittag oder Montagvormittag wählen. Die meisten Mineralölkonzerne – allen voran die großen Ketten wie Aral oder Shell – zögen am Montagnachmittag die Preise an. "Die kleineren Konkurrenten folgen meist in zeitlichem Abstand". So kommen auch die extremen Preisunterschiede zustande.

"In der jüngsten Zeit sind die Preissprünge enorm geworden. Haben die Konzerne früher um zwei Cent erhöht, sind es jetzt nicht selten gleich neun Cent", sagt Bock. Gewiefte Autofahrer informieren sich am besten rechtzeitig im Internet über das aktuelle Preisniveau, so der Rat des Experten. Es mache jedoch keinen Sinn, auf der Jagd nach dem günstigsten Liter durch die ganze Stadt zu fahren und jede Tankstelle abzuklappern. Ganz nebenbei: "Das größte Einsparpotenzial liegt noch immer in einem moderaten Gasfuß", so Bock.

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