HOME

VW will US-Volumenmarke werden: Die Fünf-Prozent-Hürde

Die Zeiten, in denen sich beim Thema Volkswagen in den USA alles um den Dieselskandal drehte, sind vorbei. Während die Selbstzünder in Deutschland nicht aus den negativen Schlagzeilen kommen, sieht es in den USA deutlich besser aus. Eine SUV-Offensive und der neue Jetta sollen die Massen locken.

VW Atlas 3.6 V6 4motion - mittlerweile erfolgreicher als der Passat

VW Atlas 3.6 V6 4motion - mittlerweile erfolgreicher als der Passat

Derzeit passiert im amerikanischen VW-Werk in Chattanooga nicht viel. Kaum ein Auto verlässt die Werkshallen, nur wenig Material wird angeliefert und auch die Belegschaft scheint in Tennessee aktuell nicht in voller Mannstärke anzutreten. Dabei läuft es für die Wolfsburger im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten gar nicht einmal schlecht. Der Dieselskandal ist nahezu vergessen und der unter USA-CEO Hinrich J. Woebcken eingeleitete Neustart scheint ebenfalls in rechten Bahnen zu verlaufen. Dass in Chattanooga derzeit nicht viel geht, hat einen ganz anderen Grund. Das Werk wird gerade von der überwiegenden Limousinenproduktion des Passat auf den Atlas umgeschichtet. Während einer zweiwöchigen Pause werden die Bandarbeiter vom Passat verstärkt auf den größeren Atlas-SUV geschult, der im amerikanischen Werk zukünftig das Volumen ausmachen soll.

Die Fünf-Prozent-Hürde
VW Atlas 3.6 V6 4motion - mittlerweile erfolgreicher als der Passat

VW Atlas 3.6 V6 4motion - mittlerweile erfolgreicher als der Passat

Der Absatz des amerikanischen VW Passat, baulich und technisch deutlich unter der europäischen Variante positioniert, ist in den ersten beiden Monaten des Jahres um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Der über fünf Meter lange Atlas, in den USA im Midsize-Segment angeboten, stieg Mitte 2017 in das amerikanische Produktportfolio ein und verkaufte in den ersten beiden Monaten 2018 über 9.069 Einheiten, während der Passat auf 5.475 Fahrzeuge absackte. Da sich der amerikanische Automarkt zunehmend von Limousinen zu Crossover und SUVs verlagert, will auch Volkswagen seine Produktion der geänderten Nachfrage anpassen. Neben dem aktuell fünf- bis siebensitzigen VW Atlas wird im kommenden Jahr auch die Coupéversion des VW Atlas Einzug in die Chattanooga-Produktion halten, der als seriennahe Cross-Studie seine Weltpremiere auf der New York Autoshow in dieser Woche feiert. Zudem gibt es Planungen, in Tennessee auch Elektrofahrzeuge der I.D.-Familie zu produzieren. Die Analysten von IHS gehen davon aus, dass die Chattanooga-Produktion im Jahr 2020 auf rund 167.000 Einheiten steigen wird; 2017 waren es nur 112.632 Fahrzeuge.

Mit einer Konzentration auf neue SUV-Modelle und das neue Kompaktklassemodell Jetta will Volkswagen in den USA zur Volumenmarke werden, die einen Marktanteil von fünf Prozent erreichen kann. "Es ist möglich und wir glauben, dass wir es erreichen können. Wir denken, dass wir ein sehr solides Produktportfolio für die USA haben. Wir haben ein neues Marketingteam, das hart an der Markenerfahrung und der Marke arbeitet", sagt VW-Markenvorstand Herbert Diess, "wir glauben, dass es möglich ist - nicht in einer kurzen Zeit, vielleicht in einem Zehn-Jahres-Plan."

Der VW-Chef bestätigte, dass in den nächsten zehn Jahren vier batterieelektrische Fahrzeuge für die USA vorgesehen sind. Möglicher Produktionsstandort: Chattanooga / Tennessee, da sich das vergleichsweise junge Werk bei Bedarf - gerade im Bereich der Batterietechnik - deutlich erweitern ließe. Zudem soll der 4,50 Meter lange Tharu (in den USA wohl mit einem anderen Namen) als kleiner Bruder des amerikanischen VW Tiguan auch in den USA eingeführt werden. Derzeit wird der Tiguan in Nordamerika allein als 4,70 Meter lange XL-Variante angeboten. Unterhalb ist unverändert der alte VW Tiguan Limited im Programm, der mit einem Preis von knapp über 20.000 Dollar insbesondere jüngere Kunden ansprechen soll. Produziert wird die alte Tiguan-Variante im ehemaligen Karmann-Werk Osnabrück. Beizeiten soll die erste Tiguan-Variante jedoch auslaufen und vom neuen VW Tharu ersetzt werden, der in der zweiten Jahreshälfte 2018 zunächst in China auf den Markt kommt. Die US-Variante soll in Puebla / Mexiko vom Band rollen. Ähnliches gibt es zwei Klassen darüber. Der amerikanische VW Atlas mit seiner Länge von 5,04 Metern wird in China als VW Terramont angeboten und bekommt eben auch hier einen Coupébruder.

Doch ob Volkswagen den Sprung ins Volumensegment schafft, entscheidet nicht zuletzt auch der Erfolg des neuen VW Jetta. In Europa hat der VW Jetta seit Jahrzehnten das Image eines Rentnerautos, während das in den USA sieht völlig anders aussieht. In den USA ist der Stufenheck-Bruder des Golf zumindest der Positionierung nach die sportlichste Möglichkeit, einen Volkswagen zu bewegen. Wer einen Jetta fährt, der ist jung, geht zu Uni oder College und mag am Wochenende Basketball, Baseball oder Eishockey. Zum Marktstart im Frühjahr (zunächst Mexiko, dann USA) wird der VW Jetta nur mit einem 1,4 Liter großen Turbobenziner angeboten, der 110 kW / 150 PS. Von den insgesamt 17,5 Millionen VW Jetta wurden bisher 3,2 Millionen Fahrzeuge in den USA verkauft. In der zweiten Jahreshälfte soll der Jetta auch in den China vorgestellt werden, wo er unverändert Sagitar heißen wird. Den Sprung nach Europa wird der kleine Bruder des Passat jedoch nicht mehr schaffen.

Langfristiges Ziel von VW-Chef Matthias Müller und seinem US-Stadthalter Hinrich J. Woebcken sind fünf Prozent aller US-Autos. Im vergangenen Jahr lag der US-Marktanteil von Volkswagen bei knapp zwei Prozent, was einem Volumen von knapp 340.000 Einheiten entspricht. Die Analysten von IHS prognostizieren bis zum Jahre 2025 einen Anstieg des Marktanteils auf 2,9 Prozent. In diesem Zeitraum sollen die SUV-Anteile der Wolfsburger auf 40 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr, dem ersten mit den beiden neuen Modellen Tiguan und Atlas, lag dieser bei 23 Prozent. Deutlich zögerlicher sieht es mit den Elektrofahrzeugen der I.D. Familie aus, die bis 2025 in Nordamerika gerade einmal fünf Prozent des Markenvolumens betragen soll. Herbert Diess: "Kunden sind bereit, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, wenn der Preis stimmt. Wenn man nicht mehrere hundert Kilometer am Tag fahren muss, ist es wahrscheinlich das beste Fahrzeug, das man heute kaufen kann."

pressinform

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.