Renault + Peugeot Gallische Aufmacher


Die zwei sind Zwitter. Der Renault Megane und der Peugeot 307 CC sind sowohl Cabrio als auch Coupé. Ein Vergleich der Konkurrenten

Die zwei sind Zwitter. Der Renault Megane und der Peugeot 307 CC sind sowohl Cabrio als auch Coupe. Ein Vergleich der Konkurrenten

Vermutlich wird ein böser Mensch der Autoindustrie eines Tages vorwerfen, sie habe nicht nur ihren Teil zur globalen Klimaerwärmung beigetragen, sondern sie hätte zu allem Überfluss auch noch von steigenden Temperaturen profitiert. Jedenfalls im vergangenen Jahr. Denn als im Sommer 2003 deutsche Thermometer neue Gipfelleistungen markierten, stiegen die Zulassungszahlen für Cabriolets gewaltig. Der Absatz von Oben-ohne-Fahrzeugen sprang voriges Jahr um 15 Prozent in die Höhe. Kein Wunder, dass inzwischen fast alle Marken am Frischluft-Boom teilhaben wollen. Auch jetzt, in der Autoflaute, schieben viele Hersteller neue Wagen für Sonnenanbeter der Frischluftsaison 2004 in die Verkaufsräume.

Zumeist reicht deren Platz bloß für zwei Personen plus Gepäck. Familienfreundlich geben sich die wenigsten. Der stern hat zwei Ausnahmen verglichen; Cabrios, die für Normalverdiener bezahlbar sind und geräumig genug für einen dritten Erwachsenen oder kleine Kinder: das Peugeot 307 CC- und das Renault Megane Coupe-Cabriolet, beide erst seit Herbst 2003 auf dem Markt.

Obwohl sie sich vom Konzept her stark ähneln, besitzt der Renault eine Besonderheit: ein vollständig verglastes Top. Es wurde von Karmann in Osnabrück entwickelt, weswegen links und rechts vor den Hinterrädern der Namenszug des deutschen Zulieferers auf dessen Mitarbeit hinweist. Beide Dächer - in geschlossenem Zustand voll waschanlagentauglich - öffnen sich auf Knopfdruck elektrohydraulisch und verschwinden dreimal gefaltet im Kofferraum. Das sonst bei Cabrios übliche Entriegeln irgendwelcher Scharniere oberhalb der Windschutzscheibe entfällt. Beim Peugeot dauert das Öffnen oder Schließen 25 Sekunden (funktioniert bis zu einem Tempo von 10 km/h), beim Renault geht es drei Sekunden schneller, klappt aber nur im Stand.

Die sehr schräg stehenden Frontscheiben von 307 und Megane ragen beträchtlich in den Innenraum und lassen deshalb den Fahrtwind bei geöffnetem Dach weitgehend draußen. Raucher werden Renault lieben. In ihm kann man bei offenem Verdeck, aber hochgedrehten Seitenfenstern paffen, ohne sich und die übrigen Passagiere mit Zigarettenasche einzusauen. Beim Peugeot funktioniert das nicht. Sehr guten Seitenhalt und Bequemlichkeit bieten die Sitze für Fahrer und Beifahrer; der Renault könnte jedoch vorne etwas mehr Auflagefläche für die Oberschenkel brauchen. Recht eng geht es hinten zu. Zwar haben beide Autos im Fond zwei richtige Plätze, doch wenn normalwüchsige Fahrer und Beifahrer vernünftig sitzen wollen, reicht es achtern nur für Kinder.

Bei niedrigen Drehzahlen kommt der 307 CC etwas schwer in die Gänge, im mittleren Bereich lässt er sich aber spielerisch bewegen. Die Servolenkung ist angenehm direkt und die Fünfgangschaltung vorbildlich präzise. Nicht anders der Renault, der seinem Fahrer allerdings einmal kuppeln mehr abverlangt: Er muss einen Gang weiter schalten, denn serienmäßig hat der Konkurrent ein Sechsgang-Getriebe. Schlechte Straßen und Schlaglöcher, die der Renault auf französische Art locker wegsteckt, teilen sich im Peugeot etwas deutlicher mit. Das Verwinden um die Längsachse, eine Unart, über die Cabriofahrer häufig klagen, haben sowohl Peugeot- als auch Renault-Ingenieure erfolgreich in den Griff bekommen: Beide Autos wirken sehr stabil, was dem Fahrspaß besonders auf Landstraßen entgegenkommt.

Ihr Treibstoffverbrauch bewegt sich auf vernünftigem Level (je 8,2 Liter im Schnitt). Für den Peugeot gibt es zwei Zweiliter-Benziner mit 100 kW/136 PS oder 130 kW/177 PS, demnächst soll auch ein Diesel kommen. Beim Renault stehen zwei Benziner und ein Diesel zur Wahl: 1,6 Liter (83 kW/113 PS), 2,0 Liter (99 kW/135 PS) sowie ein 1,9-Liter-Turbodiesel (88 kW/120 PS).

Das Design beider Franzosen wirkt sportlich-elegant. Geschlossen sind es hübsche Coupes. Bewundernde Blicke sind den Insassen sicher. Die an schräge Katzenaugen erinnernden Scheinwerfer und Rücklichter des Peugeot betonen die Zugehörigkeit zur Marke mit dem Löwen-Emblem, während Front und Heck des Renault unverkennbar die Verwandtschaftsgene zur übrigen Megane-Familie im Blech tragen.

Weil die zwei sich so ähnlich sind im Konzept, von der Technik, in puncto Leistung, Design wie auch bei der Fahrfreude, dürfte der Preis letztlich darüber entscheiden, welcher der beiden Gallier gekauft wird. Schnäppchen sind sie nicht. Der Peugeot kostet mit 136 PS-Motor 24 500 Euro, der Renault mit nur einem PS weniger 23 100 Euro. In Geiz-ist-geil-Zeiten kommt es aber schon lange nicht mehr auf den Listenpreis an, sondern darauf, wo wie viel Rabatt rauszuschlagen ist. Außerdem sind Cabrios erfahrungsgemäß recht wertstabil beim Wiederverkauf.

Hans-Robert Richarz


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