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Alternative Antriebe: Jetzt spottbillig "tanken"

Mit dem Umstieg auf Hybrid, Erdgas oder Biodiesel spart man clever, ohne persönliche Einbußen zu erleiden.

Seit die Spritpreise an den Tankstellen im Gefolge des hohen Rohölpreises rasant steigen, geraten alternative Treibstoffarten wieder stärker in den Blickpunkt. Noch aber sind die Möglichkeiten für einen Ausweg aus der Preisspirale überschaubar. "Wirklich anwendbar sind bisher nur wenige Alternativen", erklärt der Sprecher des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Daniel Kluge. Weit verbreitet ist derzeit einzig Erdgas. Etwa 600 Tankstellen gibt es dafür mittlerweile in Deutschland, deren Standorte im Internet verzeichnet sind. In den kommenden Jahren ist der Ausbau des Netzes in ganz Europa geplant. Mehrere Hersteller bieten mittlerweile für einen Aufpreis zwischen 2.000 und 3.000 Euro Neuwagen an, die auch mit Erdgas fahren können. Für diese Summe lassen sich auch herkömmliche Benziner mit einem Gastank umrüsten. Dann fährt man dank der bis 2020 geltenden Steuerermäßigungen deutlich billiger.

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Ersparnis von über 80 Cent

"Die von der Leistung her mit einem Liter Superbenzin vergleichbare Menge Gas kostet 50 Cent", sagt Kluge. Ist das Gas verbraucht, können die Autos per Knopfdruck auf Benzinbetrieb umgeschaltet werden, um zur nächsten Erdgas-Tankstelle zu fahren. Internationaler Marktführer bei diesen Fahrzeugen ist nach eigenen Angaben Opel. Allein in Berlin seien mehr als 400 Opel-Taxis mit Gastank unterwegs, erklärt der Technologiesprecher des Mutterkonzerns General Motors Europe, Johan Willems. Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main kommende Woche will der Konzern einen neuen Erdgas-Van vorstellen.

Elegant mit Hybridtechnik

Nicht unabhängig vom Öl, aber spritsparend fahren Autos mit Hybridantrieb. Diese Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor bietet in Deutschland bisher nur der japanische Toyota-Konzern an, der mit seinem entsprechenden Modell Prius auch die jüngste VCD-Liste umweltschonender Fahrzeuge anführt. Der Elektromotor treibt den Wagen vorwiegend in der Stadt an. Bei höheren Geschwindigkeiten wird dagegen das herkömmliche Benzin- oder Dieselaggregat zugeschaltet, während zugleich die Batterien für die Stadt wieder geladen werden. "Im Stadtbetrieb lassen sich so bis zu 50 Prozent Sprit sparen, sonst gut ein Drittel", erklärt VCD-Mann Kluge.

Die deutschen Hersteller allerdings verkaufen bisher keine Serienmodelle mit dieser Technologie. DaimlerChrysler hat einer Sprecherin zufolge lediglich Prototypen vorgestellt. General Motor will auf der IAA den Prototyp eines Trucks mit Hybridantrieb vorstellen. Serienmodelle sollen laut GM-Sprecher Willems 2007 zunächst in den USA und erst Ende dieses Jahrzehnts in Europa auf den Markt kommen.

Voran mit Salat-Öl

Der wichtigste nachwachsende Kraftstoff auf dem Markt ist derzeit Biodiesel. Er wird vorwiegend aus Rapsöl gewonnen und kann pur von vielen herkömmlichen Dieselmotoren ohne Probleme verarbeitet werden. "Man sollte beim Hersteller seines Autos nachfragen", rät VCD-Sprecher Kluge. Generell aber kann ein Gemisch aus herkömmlichem Diesel und bis zu zehn Prozent Biodiesel getankt werden. Wer gleich pures Salatöl tanken will, muss aber zuvor Umbauten für 1.500 bis 2.000 Euro vornehmen lassen.

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Wasserstofftechnik noch in den Kinderschuhen

An einer weiteren biogenen Alternative wird noch geforscht: So genannter Sunfuel oder SunDiesel kann aus Biomasse gewonnen werden. Der Mineralölkonzern Shell und das sächsische Unternehmen Choren planen den Bau der weltweit ersten kommerziellen Anlage für die Kraftstoffgewinnung beispielsweise aus Restholz oder Stroh. Ein Vorteil sind Choren zufolge der bis zu 90 Prozent verringerte Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber fossilen Brennstoffen. Im Gegensatz zum Biodiesel aus Raps sind außerdem keine riesige Monokulturen in der Landwirtschaft nötig. Nach wie vor in den Kinderschuhen stecken Antriebe auf Wasserstoffbasis. BMW arbeitet an entsprechenden Verbrennungsmotoren. DaimlerChrysler setzt dagegen ebenso wie Opel auf die Brennstoffzelle. Sechzig Mercedes-Kleinwagen sind im Rahmen eines Pilotprojektes mittlerweile weltweit im Einsatz, in mehreren europäischen Städten läuft zudem ein EU-Projekt mit dreißig Bussen im öffentlichen Nahverkehr.

"Das ist aber eine absolute Zukunftstechnologie, die frühestens in zwanzig Jahren Serienreife hat", erklärt Daniel Kluge vom VCD. Einen Vorteil hat das Verfahren: Aus dem Auspuff kommen keine schädlichen Abgase mehr, sondern nur noch Wasserdampf. Kluge aber ist trotzdem skeptisch: "Das Hauptproblem ist: Wasserstoff muss unter hohem Energieeinsatz aus Wasser gewonnen werden. Und wenn man dazu erst Erdöl verbrennen muss, hat man nichts gewonnen."

Sven Kästner/AP

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