Anti-Alkohol-Auto Kein Start mit Fahne


Eigentlich könnte der Nissan Fuga ein Hauptkonkurrent der sportlichen 3er-Reihe von BMW sein. Doch gerade im bierseligen Bayern hätte der Japaner keine Chance. Er ist dank Schnapsfahnen-Schnüffler nur nüchtern zu starten.
Von Stefan Grundhoff

Sicherheitssysteme wie ESP, ABS, Seitenaufprallschutz und Airbags kennt mittlerweile jedes Kind. Nissan bietet in seiner Sportlimousine Fuga auf dem Heimatmarkt Japan bald erstmals eine "AAK" an. Der japanische Zwillingsbruder des amerikanischen Infiniti M35 ist mit einer automatischen Alkohol-Kontrolle ausgestattet. Heißt, der sehenswerte Konkurrent des BMW 335i startet nur dann, wenn der Fahrer nüchtern den silbernen Starterknopf drückt und vorher per Genehmigungsritual in ein Hightech-Röhrchen bläst. Obwohl der seit 2004 auf dem Markt befindliche Nissan Fuga einer der sehenswertesten Vertreter der automobilen Mittelklasse ist, dürfte er sich mit dem ungewöhnlichen Sicherheitsdetail kaum als Verkaufsrenner in Bestenlisten platzieren. Denn 306 PS hin, elektrische Ledersitze her – welcher Kunde soll sich für ein Auto mit einer automatischen Alkoholkontrolle erwärmen können? Und wie könnte man sich im Bierland Nummer zwei die Werbung vorstellen?

Peinliches Extra

Bereits das Fuga-Verkaufsgespräch beim Nissan-Händler dürfte für die meisten peinlich bis unangenehm werden. Neben dem Xenonlicht und dem DVD-Navigationssystem kreuzt man auf der Optionsliste in einem unbeobachteten Augenblick die Alkoholkontrolle an – den praktischen Nutzen des pikanten Extras muss der Verkäufer einem gar nicht im Detail erklären. So weit die Theorie. Doch aus freien Stücken dürfte sich – zumindest in der westlichen Welt – niemand für eine solche Sonderausstattung begeistern können. Daher müsste Nissan den Fuga auf Rezept anbieten. Bei Alkoholkranken wird auf dem Medikamentenzettel unten rechts in der Ecke der Zusatz „Fuga“ vermerkt. Ob die Krankenkasse – egal ob gesetzlich oder privat – etwas dazu zahlt, kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Das Unfallrisiko sinkt in einem Fahrzeug, das allein nüchtern bewegt werden kann, beträchtlich. Über eine Urinprobe in den Tank wird trotz verstärkter Harnstoff-Diskussion als Dieselzusatz derzeit nicht nachgedacht. Der Fuga ist allein als Benziner zu bekommen.

Kein Europaexport

Angesichts der trinkfreudigen Europäer überrascht es nicht weiter, dass der Fuga – weder mit noch ohne Alkoholkontrolle – zu uns kommen soll. Im nächsten Jahr feiert Infiniti seine Europa-Premiere auf dem Genfer Salon. Wenn im Herbst 2008 die ersten Autos auf den Markt kommen, könnten auch die M35 / G35 S als baugleiche Brüder des Nissan Fuga ihre ersten offiziellen Europa-Auftritte haben. Die Kunden dürften jedoch eher mit dem exzellenten Fahrverhalten eines PS-starken Hecktrieblers, einem günstigen Preis und der beeindruckenden Vollausstattung geködert werden. Wer will bekommt den Fuga (interne Bezeichnung Y50) übrigens auch mit Allradantrieb und Allradlenkung – könnte helfen, wenn es im leichten Rausch doch einmal neben die Straße gehen sollte.


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