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Autoimporte: PS-Raketen zum Passat-Preis

Der Dollarkurs sinkt ins Bodenlose. Wieso soll man sich aus den USA nur einen iPod mitbringen, wenn man bei Oldtimern und den Neuheiten deutscher Edelhersteller so richtig sparen kann? Wer allerdings keinen US-Wagen importieren möchte, den packt die kalte Wut angesichts der deutschen Autopreise.

Von Stefan Grundhoff

In den 80er und 90er Jahren war der Import von Oldtimern aus den USA ein heißer Sport. Der eine machte Urlaub auf Floridas Keys und brachte sich einen alten Mercedes SL mit ins Ruhrgebiet; andere flogen eigens nach Los Angeles, um aus dem Sonnenstaat Kalifornien coole Modelle wie Golf Cabriolet, Corvette oder einen Mustang zu importieren. Ende der 90er Jahre wurde es ruhig um die Autoimporte aus den USA. Doch die Vereinigten Staaten liegen durch den schwachen Dollarkurs mittlerweile wieder voll im Trend. Jeanshosen, iPhones, T-Shirts der Trendmarke Abercrombie & Fitch oder günstige Timberland-Schuhe sind die kleinen Lockmittel. Der Europäer spart bei jeder Bezahlung bares Geld. Doch wer sich jetzt für einen Autoexport aus den USA entscheidet, macht ein echtes Schnäppchen. Dabei lohnen längst nicht nur Old- und Youngtimer. Durch das generell deutlich niedrigere Preisniveau der Autos kann man auch bei Jeep Grand Cherokee, VW Tiguan und Audi Q7 viel Geld sparen. "Auto-Liebhaber schauen sich auf dem US-Markt wieder gerne nach Gebrauchten um", so Walter Dasch, Einfuhr-Experte vom TÜV Süddeutschland. Doch auch Neuwagen stehen wieder hoch im Kurs.

Selbst machen oder machen lassen?

Lohnt der Selbstimport von Fahrzeugen aus den USA? Wer ein paar Tipps beachtet, kann beim Autokauf schnell ein paar Tausend Euro sparen. Die Interessenten reisen in die Vereinigten Staaten und suchen sich das gute Stück selbst aus. Schließlich kann das lässige Mustang Cabriolet im Kalifornien-Urlaub schon einmal ausgiebig getestet werden. Den Mietwagen spart man sich zudem. Kurz vor dem Rückflug in die Heimat heißt es, sich um den Transport nach Deutschland kümmern. Wer es weniger amerikanisch mag, sucht sich das Fahrzeug bei einem Autohaus aus und lässt es von einem Spediteur nach Deutschland liefern. Vorteil: Lästige Laufereien entfallen, und das Fahrzeug steht wie von Geisterhand vor der heimischen Tür. Doch für die meisten Freizeitimporteure sind Nervenkitzel und Identifikation mit dem US-Gefährt so groß, dass man das neue Prunkstück kaum aus den Augen lassen möchte.

Nach wie vor suchen die meisten in den USA ein gebrauchtes Schnäppchen. Wie beim Gebrauchtwagenkauf im Inland dauert es einige Zeit, bis man das Wunschauto gefunden hat. Viele "Used Cars" sind nicht gut gewartet. Oft muss man Abstriche bei Optik und Technik machen. Das gute Wetter in Sonnenstaaten wie Kalifornien oder Florida sorgt zumindest für eine gute Rostvorsorge. Unverzichtbar sind jedoch ein kritisches Auge und Ahnung von dem entsprechenden Autotyp. Laien sollten lieber beim US-Importeur in Deutschland kaufen. Übrigens: In den USA ist das Modelljahr und nicht das Datum der Erstzulassung entscheidend. Lässt sich der Tag der Erstzulassung nach mehreren Halterwechseln nicht mehr nachvollziehen, wird in den deutschen Papieren der 1. Juli des Modelljahres eingetragen. Das Modelljahr ist den US-Unterlagen zu entnehmen; es steht als Buchstabe an der zehnten Stelle der Fahrzeug-Identifikationsnummer. Ein "S" heißt: Modelljahr 1995.

Neuwagen sind einfacher

Der Neuwagenkauf läuft problemloser. Fahrzeugbestellungen sind in den USA weitgehend unbekannt. Verfügbare Autos warten auf den überdimensionalen Verkaufshöfen. Nicht selten stehen mehr als 500 Modelle jeder Ausstattung und Farbe zur Verfügung - falls nicht: Der Händler um die Ecke hat garantiert das Wunschmodell. Der neue Bestseller VW Tiguan hat in Deutschland einen Raketenstart hingelegt. VW startet Sonderschichten, und die Kunden stehen sich für den neuen SUV-Liebling die Beine in den Bauch. Damit der Tiguan auch in Nordamerika ein Renner wird, hat Volkswagen hart gepreist: 22.990 Dollar. Macht inklusiv lokaler VAT-Steuer nicht einmal 17.000 Euro - rund 10.000 Euro günstiger als bei uns. Und das obwohl der Wagen noch eine rund 500 Euro teure Schiffspassage in den Reifen hat. Die Gründe für den günstigen Preis liegen nicht nur in der deutlich niedrigeren Mehrwertsteuer von 6 bis 8 gegenüber 19 Prozent, sondern in erster Linie an deutlich niedrigeren Preisen innerhalb des Landes.

Da lohnt der Rücktransport nach Deutschland ebenso wie bei einem VW Golf, der in den USA mit rund umgerechnet 11.000 Euro gerade einmal die Hälfte des deutschen Preis kostet. Je teurer das Auto - desto größer ist der Preisunterschied und die Lust, den Wagen auf eigene Kappe nach Deutschland zu holen. Audis Q7 ist in den USA leider erst ab Mitte nächsten Jahres als Saubermann-Diesel auf dem Markt. Doch bei einem Preisvorteil von fast 20.000 Euro kann man überlegen, sich auch einen Benziner wie den Q7 3.6 zu importieren. Der startet in den USA netto bei nicht einmal 30.000 Euro. Doch wer denkt, dass nur der Import von deutschen Automobilen lohnt, irrt. Der Porsche-Jäger Corvette Z06 kostet in den USA umgerechnet nicht einmal 45.000 Euro. Auf dem hiesigen Markt ist er im Vergleich zum Porsche 911 Turbo mit 88.000 Euro immer noch günstig, und doch wuchert es im Vergleich zur Eigeneinfuhr gewaltig. Chrysler, Dodge und Jeep sind im Heimatland USA absolute Volumenmarken. Ein Chrysler 300C 3.5 mit kompletter Ausstattung kostet nicht einmal 23.000 Euro - bei uns fast das Doppelte. Für beide Märkte gilt: Bei den Preisen handelt es sich um Listenpreise. Verhandelt werden kann selbstverständlich. Dann spart man nochmals.

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