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Autokrise: Die Todeskandidaten

Nicht nur bei Opel sieht es Anfang 2009 düster aus, ein großes Markensterben ist vorprogrammiert. Ganz Skandinavien kann zur autowerk-freien Zone werden

Die Enttäuschung war groß, als die Daimler AG vor ein paar Tagen ihr Jahresergebnis präsentierte. Immerhin noch ein paar Milliarden Überschuss. Auch BMW oder Audi klagen; können sich aber eigentlich kaum beschweren. Zumindest wenn man sich in der Branche umsieht. Trotz der weinenden Aktionäre können andere Hersteller von solchen Zahlen nur träumen. Gebeutelter denn je präsentiert sich in diesen Tagen der einst ruhmreiche GM-Konzern.

GM zerfällt

Der Automobilmagnat, bis vergangenes Jahr größter Automobilhersteller der Welt, versteht im Jahr eins nach seinem 100. Geburtstag die Welt nicht mehr. Obwohl die ersten Hilfen der US-Regierung bereits in Milliardenhöhe geflossen sind, gibt es kein Licht am Ende des Tunnels. Der Mehrmarkenkonzern, zu dem unter anderem Firmen wie GMC, Pontiac, Cadillac, Chevrolet, Opel, Vauxhall, Holden, Saturn, Hummer, Buick und Saab gehören, muss sich verschlanken. Längst steht fest, dass mittelfristig nicht alle Marken in dem GM-Konstrukt überleben werden. Besonders düster sieht es für die Dauerpatienten Saab, Saturn, Pontiac und Hummer aus.

Hier werden hinter den Kulissen bereits seit Monaten Investoren gesucht. Doch die Suche ist bisher nicht vom Erfolg gekrönt. Daher sollen bei General Motors in einem nächsten Schritt knapp 50.000 Mitarbeiter entlassen und eine Reihe von Werken geschlossen werden. Fest steht bereits jetzt, dass die bei der US-Regierung geforderten 30-Steuer-Milliarden nur über die gröbsten Probleme der nächsten Jahre hinweghelfen können. Einige Marken müssen weg. Saab und Hummer, seit Jahren mit einer wenig innovativen Produktpalette unterwegs, dürften es kaum schaffen. Auch Saturn und Buick bekommen innerhalb des Konzerns viel Gegenwind. Und es ist längst kein Geheimnis mehr, dass GM sich eine Abspaltung von GM Europe bzw. den Einzelmarken Opel und Vauxhall vorstellen könnte.

Volvo in Turbulenzen

Die Zeiten für die skandinavischen Autohersteller könnten wahrlich besser sein. Auch bei Volvo, Aushängeschild der Ford Premium Group, sieht die Lage nur graduell besser als bei Saab. Ähnlich wie bei Opel ist es nicht so, dass Volvo in den Jahren schlechte Autos gebaut hätte. Doch der Betrieb der Produktionsanlagen ist vergleichweise teuer, die Auslastung allenfalls mittelprächtig und die starke Premiumkonkurrenz setzt den Wagen aus dem Norden zu. Zudem ist die Zahl der gemeinsamen und somit Kosten einsparenden Entwicklungen zwischen Ford und Volvo vergleichsweise gering. Daher ist auch die US-Mutter, die Ford Motor Company, nicht abgeneigt, Volvo zu veräußern.

Jaguar und Land Rover

Doch auch hier sind die Interessenten rar gesät. Die ersten beiden Runden wurden ergebnislos geschlossen. Auch den lange Zeit favorisierten China-Konzernen ist der schwedische Hersteller mittlerweile zu heiß. Zumindest kann sich Ford glücklich schätzen, Jaguar und Land Rover vor einem Jahr noch nach Indien verkauft zu haben. In heutigen Zeiten wären derartige Preise auch für die beiden noblen Ford-Töchter nicht zu verwirklichen gewesen. Auch der Verkauf von Aston Martin fand noch unter deutlich leichteren Rahmenbedingungen statt.

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Auf für SsangYong,

Die letzte Marke, die vom deutschen Markt verschwand, war vor mehr als einem Jahr SsangYong, die über die Kroymans-Gruppe vertrieben wurden. Jahre zuvor erwischte es zunächst Isuzu und MG / Rover, die nach dem Ausstieg von BMW den Boden unter den Füßen verloren. Eine Vorhersage, wer als nächster vom Karussell fällt, ist schwer. Da die schwächelnden Marken zumeist über einen traditionsreichen Namen verfügen, dürften sie kaum völlig vom Erdboden verschwinden, sondern in einem anderen Konzern aufgehen. Dass diese Konzerne nicht immer Autoproduzenten sein müssen, zeigt der Fall Chrysler.

Chrysler ohne Perspektive

Von Daimler ausgemustert, kamen sie vor Jahren bei der Cerberus Gruppe, einem Finanzkonzern, unter. In Sachen Modellpolitik hat sich seither weder in den USA noch Europa etwas getan. Anstatt des dringend benötigten Innovationsschubs herrscht seit dem Daimler Ausstieg Stillstand. Denkbar ist nach wie vor, dass sich die wankende Chrysler-Gruppe ebenfalls einzelner Marken entledigt und sich zum Beispiel nur noch auf die Kernmarken Chrysler und Jeep konzentriert. Schließlich gilt es auch die geplante Kooperation mit dem Fiat-Konzern mit Leben zu füllen. Bei Fiat gibt es nach wie vor Überlegungen, wohin es mit der Marke Lancia gehen soll. Auch ihre Zukunft scheint alles andere als sicher.

Toyota

Doch nicht nur die Hersteller mit amerikanischen Wurzeln haben derzeit nicht viel zu lachen. Auch Toyota, einst Vorzeigekonzern aus Japan und mittlerweile Nummer eins der Autoproduzenten, strauchelt und muss Stellen streichen; vielleicht sogar Werke schließen. Gerade auf imageträchtigen Einzelmärkten wie dem deutschen ist es deshalb nicht ausgeschlossen, dass sich die angegliederte Kleinwagenmarke Daihatsu sich zurückzieht. Das Milliardengrab Lexus könnte aus Kostengründen ebenfalls von einigen Märkten verschwinden.

Volkswagen

Auch Hersteller wie Honda oder Mitsubishi drehen beim Blick auf die einzelnen Nationen jeden Cent doppelt um. Nach Absagen von Messeteilnahmen und dem Einfrieren von Projekten scheint es nicht ausgeschlossen, sich aus einzelnen Ländern komplett herauszuziehen. Das steht nach Volkswagen-Informationen beim Wolfsburger Großkonzern nicht auf dem Plan. Seat, lange Zeit ein heiß gehandelter Übernahmekandidat, scheint angesichts des europäischen Drangs zu kleineren Autos wieder Oberwasser bekommen zu haben. Hier dürfte ein Verkauf zunächst einmal von Tisch sein. Doch sollen die baulichen und entwicklungstechnischen Verwandtschaften zwischen den einzelnen VW-Marken noch größer werden. Das gilt für Kleinprojekte wie den VW Up bis hin zu den PS-starken Lambo-Sportwagen.

Stefan Grundhoff/Press-Inform

Stefan Grundhoff/Press-Inform

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