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Detroit Motor Show: Jubelnd in den Untergang

Optimismus statt Trübsal, von Krise keine Spur. Auf der Automesse in Detroit fahren die angeschlagenen "Großen Drei" General Motors, Ford und Chrysler die "Alles-wird-gut-Nummer". Doch das sind Zukunftsträume, was in der traurigen US-Gegenwart fehlt sind Rezepte für den Verkauf.

Von Michael Specht, Detroit

Lydia Ciemniak ist mit ihrer Tochter in die Messenhallen am Detroit River gekommen. Die beiden schreien und winken mit Pappschildern, als würde jeden Moment der neue Präsident Barack Obama eintreffen. Doch statt "Time for a Change" oder "Yes, we can" steht "40 mpg", "We’re electric" oder "Here to stay" auf den Tafeln, was im übertragenen Sinne das gleiche bedeutet. Die Sprüche gelten ihrem Arbeitgeber General Motors, der zwar seit einem halben Jahr in der schlimmsten Krise seiner 100-jährigen Geschichte steckt, schon bald aber Autos im Programm haben will, die mit einer Gallone (3,78 Liter) Sprit 40 Meilen fahren können (umgerechnet 5,9 Liter pro 100 km) oder ganz elektrisch unterwegs sind. Doch was heißt "Here to stay"? "Dass GM auch die nächsten 100 Jahre in Detroit sein wird", sagt Lydia, "wir lassen uns nicht unterkriegen."

Jubeln für den Boss

Klingt nach Zweckoptimismus. Lydia ist fürs Winken und Jubeln engagiert worden, wie einige hundert ihrer Kollegen auch. Sie sollen jene Modelle feiern, die gleich zur Bühne in der Cobo-Hall hinauf fahren werden. Und sie sollen ihren Boss Rick Wagoner lauthals empfangen, den Mann, dem die halbe Welt die Hauptschuld am Desaster von General Motors gibt.

Nie zuvor ist eine Pressekonferenz auf der Detroit Motor Show mit so viel Spannung erwartet worden wie diese im Januar 2009. Was wird General Motors verkünden? Wie will man aus der Krise heraus fahren und vor allem womit? Als Rick Wagoner das Podium betritt, jubelt die Mitarbeiter. Wagoner wirkt locker, winkt und erzählt etwas von Führerschaft bei den alternativen Antrieben, von einer neuen Zeitrechnung, von Aufbruch und Herausforderung. Und dass GM schließlich noch immer der größte Autoanbieter Amerikas sei und man eigentlich doch die besten Autos der Welt bauen würde, emotional, begehrenswert und technisch anspruchsvoll. Applaus. 17 neue Modelle inklusive einiger Concept Cars lässt Wagoner auffahren, darunter schicke und kompakte SUV, sportliche Coupés und sparsame Hybridvarianten. Und natürlich den Chevrolet Volt, jenes Elektroauto, das Ende 2010 eine neue Ära der Mobilität einläuten soll. Auf gleicher Architektur wird auch Opel 2011 ein Stromauto anbieten. Selbst die Luxusmarke Cadillac, unter dessen Hauben einst die größten und durstigsten V8-Motoren steckten, die jemals in einen Pkw eingebaut wurden, wird grün. "Der Elektroantrieb passt zum leisen Image der Marke", sagt Frank Weber, der "Vater" des Volt. Die Studie Cadillac Converj trägt ebenfalls die Chevy-Stromtechnik und kann bis zu 40 Meilen emissionsfrei zurücklegen.

Batterie statt Cowboy

Nicht viel anders lauten die Ankündigungen von Ford, die im vergangenem Jahr ähnliche Verkaufseinbrüche hinnehmen mussten wie GM. Vorbei mit "bigger is better". Hüpften auf der vorigen Motor Show noch Cowboys um die dicken Pickups, fährt Ford-Chef Alan Mulally nun bescheiden im Kleinwagen Fiesta auf die Bühne und spricht so häufig über Spritverbrauch und Klimawandel, als hätte es in Amerika nie ein anderes Thema gegeben. Hinter ihm hängen an fast unsichtbaren Bändern zwölf Motoren von der Hallendecke herab, keine V8 oder V6, sondern alles Vierzylinder. Über die Leinwand laufen derweil Dutzende von Auszeichnungen, die Ford-Modelle 2008 einheimsten. Bester Hybrid, sparsamste Limousine, Car of the Year, Truck of the Year, mehr als 200 Preise insgesamt. "Wir werden die Ford Motor Company zu einer vibrierenden Firma umbauen", sagt Mulally, "2009 ist das Jahr der neuen Chancen. We are so excited." Wie Wagoner setzt auch Mulally bei den alternativen Antrieben auf Elektromotor und Hybride. Möglichst schnell soll die saubere Technik bezahlbar und beim Kunden sein. Green and smart. 2011, so der Plan, wird es bei Ford einen Kleinwagen mit E-Antrieb geben, 2012 sollen bereits vier Modelle unter Strom stehen, mit Reichweiten von über 100 Meilen. Wie diese allerdings aussehen könnten, zeigt der Ford-Boss nicht. Keine Studie, kein Konzept.

Keine Rezepte für den Verkauf

Die stehen nebenan beim Kleinsten der Großen Drei: Chrysler. Es sind zwei brandneue Concept Cars, der Sportflitzer Dodge Circuit und die Limousine Chrysler 200 C, beide mit - wie sollte es anders sein? - Elektroantrieben. Auch sie hinterlassen den faden Beigeschmack, nicht mehr zu sein als ein verzweifelter Versuch, die Kurve für die Zukunft zu kriegen. Doch so lange die amerikanischen Autofahrer nicht die Gegenwart kaufen, die bei General Motors, Ford und Chrysler auf den Höfen steht, ist nicht einmal sicher, ob es die Detroit Motor Show nächstes Jahr überhaupt noch geben wird.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.