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Ford Fairlane: Competition proven

Mit dem Holman Moody Ford Fairlane, dem Classic Driver Team Car, gelang unserer Rennbesatzung der Coup: Sieg beim historischen Marathon des OGP 2010 über 3,5 Stunden bzw. rund 500 Kilometer. Grund genug für ein Klassiker-Porträt unseres beeindruckenden und rund 500 PS starken Rennboliden.

Zeitreise: Zurück in die 1960er Jahre in die USA. Rennen, hochoktaner Auto-Enthusiasmus, grenzenloser Geschwindigkeitsrausch. Fahren am Limit - von Mensch und Maschine. In dieser Welt großvolumiger Motoren, kühner Rennen und heldenhafter Siege sorgte unter den Konstrukteuren ein Doppelname wieder und immer wieder für Schlagzeilen: Holman Moody.

Die legendäre Fahrzeugschmiede hat in jenen Jahren Rennfahrzeuge für Ford entwickelt und gefertigt. Und das am laufenden Band. Das Who is who der Rennpiloten saß hinter dem Steuer von Fahrzeugen, die von Holman Moody entweder gebaut oder wenigstens optimiert wurden: Mario Andretti, Jim Clark, A.J. Foyt, Dan Gurney, Graham Hill, Parnelli Jones, Fred Lorenzen, Richard Petty, Fireball Roberts oder Jackie Stewart um nur einige zu nennen. Der zeitgenössische Werbespruch der Schmiede „Competition proven“ erstreckt sich dabei über Rennen in Can Am, Drag Racing, Sports Cars, European Rally Racing, NASCAR, Indy, Off road und sogar auf Powerboat-Rennen.

Der Firmenname Holman Moody geht auf die Gründer John Holman und Ralph Moody zurück. Holman machte sich in den 1950er Jahren einen Namen als Renn-Mechaniker, während Moody mehrere Nascar-Rennen gewann. Die beiden fanden unter dem Engagement von Ford zusammen und gründeten bald ihr eigenes Unternehmen, mit dem sie im Jahre 1957 in verschiedenen Rennserien mit grandiosen Erfolgen durchstarteten. In den 60er Jahren beschäftigte Holman Moody gut 300 Mitarbeiter, war damit „Ford Motorsport“ und größer als Ferrari.

Ford formidable!

Zeitsprung, Ortswechsel. Der Oldtimer-Grand-Prix 2010 am Nürburgring. Das Team Classic Driver gewinnt den historischen Marathon über die Distanz von 500 Kilometern / 3,5 Stunden mit einem Ford Fairlane, der sich einem besonderen Original verpflichtet fühlt. Der Holman Moody Ford Fairlane war in den 1960er Jahren das erste Stock Car, welches eine selbsttragende Karosserie aufwies. Üblicherweise vertrauten die Rennfahrzeuge seinerzeit auf ein separates Chassis. Zum Einsatz kam ein V8-427er Motor mit rund sieben Liter Hubraum. Zudem wurde das Fahrwerk optimiert, um die stattliche Coupé-Fuhre renntauglich zu machen. Parallel dazu wurden seinerzeit 100 Ford Fairlane Thunderbolt mit 7-Liter-Motor für Dragster Rennen gebaut.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Das Classic Driver Teamfahrzeug wurde in den Jahren 2003 und 2004 von Holman Moody neu aufgebaut und entspricht in seinen Spezifikationen dem von HM im Jahre 1964 gebautem Fahrzeug, welches im FIA Daytona Continental Rennen im Gesamtklassement mit Fireball Roberts am Steuer auf den zweiten Platz fuhr. Bei dem Neuaufbau haben Mitarbeiter mitgewirkt, die bereits in den 1960er Jahren für das Unternehmen tätig waren. Die Authentizität des Classic Driver Teamcar ist damit mehr als gesichert. Das Auto ist heute als GTP, will heißen Grand Tourisme Prototype, klassifiziert. Der Papierkrieg für die Anerkennung dieses seltenen Boliden nahm gleichwohl einige Geduld und Zeit in Anspruch.

Der "Side Oiler" 427er Motor des Fairlane ist ein Universaltalent - mit anerkannter Erfolgsgeschichte. Die in Daytona, Sebring und Le Mans 1966 siegreichen Ford GT 40 MkII waren von Holman Moody gebaut worden. Und so hatte auch der 427er Motor seinen Weg in den GT 40 gefunden, nachdem er vorher im Ford Galaxie zum Einsatz gekommen war. Mehr noch: Es wurden unzählige Sonderfahrzeuge und Prototypen mit diesem Aggregat gebaut, darunter sogar ein Ford Econoline Transporter. An Motoren mangelte es tatsächlich nicht. In jener Zeit lagerten hunderte V8-Aggregate in den Regalen von Holman Moody, quasi "ready to race".

Historische Bewährungsprobe

1964 wurde dann eben dieser Fairlane mit 427 Motor für das unter Aufsicht der FIA und mit hohem Besuch aus Paris ausgeführte Rennen am 15. Februar 1964 in Daytona gebaut und eingesetzt. Ein packender, typisch US-amerikanischer Kurs: 250 Meilen auf der im inneren der Steilwand liegenden Strecke mit Teilen der überhöhten Strecke im Rennverlauf. Leichte Porsche 904, leistungsstarke Cobra, Ferrari Prototypen sowie andere Sportwagen waren einige der potenten Gegner der amerikanischen Familienlimousine. Doch Fireball Roberts beendete das Rennen auf dem zweiten Platz, trotz enormen Verbrauches an Kraftstoff und Reifen.

Noch heute ist der Fairlane ein in jeder Hinsicht forderndes Fahrzeug. Aufgrund des hohen Startgewichtes von rund 1,7 Tonnen ist der Verbrauch an Kraftstoff aber auch an Reifen immer noch erheblich. Zumal gemäß Vorschriften nur historische Reifenmodelle der Marken Avon oder Dunlop zum Einsatz kommen dürfen.

Es kostet reichlich Kraft und verlangt starke Unterarme, um das zweitürige Schiff um die Kurven der Rennstrecke zu wuchten. Um so anerkennenswerter ist der Sieg vom Team Classic Driver mit "Barney" und "Fred" am Steuer. Pole Position und schnellste Rennrunde sind um so bemerkenswerter, als beim diesjährigen OGP-Rennen Fahrzeuge bis Jahrgang 1971 dabei waren, die moderne Reifen fahren dürfen, was die Chancen des Fairlane nicht gerade erhöht. "Congratulation, Gentlemen!"

Mathias Paulokat/www.classicdriver.de

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