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ADAC testet Radwege: Radler auf der Tour des Leidens

Radfahren ist in. Doch im Alltag plagt sich der Radler mit kaputten Belägen, schmalen Wegen und unübersichtlichen Routen: Im aktuellen Test findet der ADAC aber auch Positives.

Von Gernot Kramper

Radfahren in Deutschland ist kein Vergnügen. Zu diesem Fazit kommt eine Untersuchung im Auftrag des ADAC. Mehr als "Durchschnitt" erreichen deutsche Städte nicht. Wolfgang Bohle von Planungsgemeinschaft Verkehr Hannover hat die Untersuchung im Auftrag des Autoclubs durchgeführt. Um zu einem Urteil zu kommen, wurde ein erheblicher Aufwand betrieben. In den Städten wurden jeweils Testrouten abgefahren. Teils lagen sie in innerstädtischen Wohnquartieren, teils waren es typische Studentenwege und Strecken, die ins Büro führten. "Wir sind dabei nicht nur auf der Sonnenseite, den frisch angelegten Strecken geblieben", versichert der Tester.

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An vielen Stellen ist das Bild getrübt. Die Wege und Anlage für Radfahrer entsprechen häufig nur alten, längst überholten Standrads. Auffällig sind schmale Radwege von nur 1 Meter bis 1,2 Meter Breite. "Korrektes Überholen ist dort überhaupt nicht möglich. Aber auch für ein normales Dahinfahren reicht es kaum, ein Lenker ist ja schon 70 Zentimeter breit." Hinzu kommen unebene Fahrbahnen und kaputte Oberflächen. Radwege stehen bei Investitionen eben nicht auf der Prioritätenliste.

Auch an der Sicherheit wird gespart: "In den Städten sind Radfahrer stark an Unfällen beteiligt. Dennoch gibt es keine gezielte Unfallforschung und Auswertung, um die Ursachen abzustellen." Ebenfalls negativ vermerkt wird das Fehlen an ausreichenden modernen Abstellmöglichkeiten für die Drahtesel. Vielerorts sind Radfahrer nach wie vor auf Straßenlaterne und Gartenzaun angewiesen.

Bohle sieht aber auch positive Trends. "Wir haben eine ähnliche Untersuchung im Jahr 2004 durchgeführt und es bewegt sich doch etwas." Neu angelegte Radwege haben meist auch einen vernünftigen Standard."Sie sind mindestens 1,6 Meter breit, einbiegende Nebenstraßen sind gut sichtbar markiert, und zu parkenden Autos wird ein Sicherheitsabstand eingehalten. Europäischer Trendsetter ist Deutschland allerdings nicht. Neuerungen wie Rad-Schnellstraßen für Pendler gibt es bei uns noch nirgends." Die guten Ansätze betreffen immer nur einen Teil des Wegenetzes. "Auch bei den gesicherten Abstellmöglichkeiten gibt es einzelne Projekte, aber eben viel zu wenig."

Die Bewertungen "gut" und "sehr gut" wurden im Gesamturteil nicht vergeben, dafür zehn Mal ein "durchschnittlich" sowie zwei Mal ein "unterdurchschnittlich". Dresden und Dortmund bilden die Schlusslichter. Bei der wichtigen Unfallvermeidung konnte keine Stadt das Urteil "gut" verbuchen. Im Radlerleben spielt der Punkt "Sicherheit und Komfort" der Testrouten eine große Rolle. Hier hellt sich das Bild auf. Stuttgart erreicht die Wertung "sehr gut". München, Hannover, Berlin, Nürnberg, Leipzig und Frankfurt am Main jeweils ein "gut". Ganz so schlecht ist das Radlerleben also doch nicht.

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