VW BEETLE CABRIO Frischluft fürs Insekt

Lange musste der Beetle alleine gegen den Abstieg ins Zulassungs-Nirvana kämpfen. Verstärkung ist ab März 2003 in Sicht. Dann kommt endlich die offene Variante auf den Markt.

Was mussten Käfer-Fans nicht alles ertragen. Aus dem Käfer wurde ein Beetle, der Boxermotor wurde einem weichgespülten Vierzylinder geopfert, und die kitschig-kantige Karosserie wandelte sich zum nichts sagenden Design-Knubbel. Die Quittung kam postwendend - magere Verkaufszahlen und wenig wechselwillige Käfer-Fans. Selbst die ansonsten schmerzlosen Amerikaner konnten sich mit dem runden VW kaum anfreunden.

Verstärkung im März

Lange musste der Beetle alleine gegen den Abstieg ins Zulassungs-Niemandsland kämpfen. Verstärkung ist ab März 2003 in Sicht. Dann, fünf Jahre nach der Beetle-Geburt, kommt endlich die offene Insekten-Variante auf den Markt. Diese lange Verzögerung ist nicht nur aus der Sicht von Fans unverzeihlich. Dabei hätte ein Blick in die eigene Firmengeschichte ausgereicht.

Was man aus der Geschichte hätte lernen können...

Einige der ersten Versuchsmodelle des Käfers knatterten als Cabrios durchs Land, die Serienproduktion begann 1949 bei Karmann. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Zwischen 1949 und 1980 krabbelten über 330.000 Cabrios zu ihren mächtig stolzen Besitzern. Das offene Insekt kannte scheinbar kaum Berührungsängste. Ob übermütige Blumenkinder oder alternde Ehepaare - das Käfer Cabrio brachte alle unter einen Hut. So mancher Zeitgenosse verdankt seine Existenz einer elterlichen Spritztour im offenen Spaßmobil.

Anleihen beim Klassiker

Nun also, die Neuauflage des Klassikers. Man hat in Wolfsburg dazugelernt. Zwar waren die Design-Sünden des Beetles nicht mehr rückgängig zu machen, doch immerhin haben die Wolfsburger Autobauer nicht versucht, das Cabrio neu zu erfinden. Kein Überrollbügel stört das Profil des enthaupteten Beetle, wie beim Ur-Cabrio ziert eine chromfarbene Zierleiste den Übergang zwischen Verdeck und Karosserie. Käfer-Fetischisten wird vor allem der Unterbringungsort des Faltverdecks erfreuen. Fein säuberlich gefaltet liegt das Softtop gut sichtbar auf der nicht vorhandenen C-Säule. Züchtig verhüllt von einer garantiert fummeligen Persenning. Schon das Käfer-Cabrio war für diesen »Verdeck-Höcker« berühmt. Eine billige Kopie, mögen Kritiker unken, aber wenigstens hat man bei VW nicht versucht, das winterfeste Beetle-Mützchen in den Kofferraum zu wursteln.

Elektrisches Verdeck gegen Aufpreis

Was beim Käfer unmöglich schien - zahlungskräftige Beetle-Cabrio-Kunden können sich die Verdeckbedienung auch von elektrischen Helferlein abnehmen lassen. 13 Sekunden dauert die ganze Prozedur angeblich - eine Zeit, mit der sich das Beetle Cabrio nicht vor der Konkurrenz verstecken braucht.

Keine Kompromisse auch in Sachen Sicherheit. Neben den üblichen Crash-Helfern und elektronischen Stabilitätsprogrammen müssen sich auch die Passagiere auf der Beetle-Rückbank kaum Sorgen machen. Bei einem Überschlag schnellen Stützbügel hinter der Kopfstützen nach oben und sichern genügen Überlebensraum für die Passagiere.

Ab Mitte Oktober wird das Cabrio in den Bestelllisten der VW-Händler auftauchen, die Auslieferung soll ab März 2003 beginnen. Gebaut wird das Cabrio, zusammen mit der Käfer Limousine, in Mexico.

Kein Schnäppchen

Vier Motoren, allesamt alte Bekannte aus dem VW-Regal, sollen das offene Vergnügen vorantreiben. Besonders interessant der 100 PS starke TDI. Der blubbert dann zwar nicht wie der selige Boxermotor, aber immerhin. Um die 20.000 Euro wird man für die offene Beetle-Variante an Volkswagen spenden müssen. Ein erträglicher Preis für ein modernes Cabrio in dem winzige Reste einer Legende stecken. Immerhin.

Jochen Knecht


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