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"Pro Evolution Soccer 6": Aus Liebe zum Spiel

Die Leidenschaft, die die WM im Sommer entfachte, beschwört Entwickler Konami mit seiner neuen Fußball-Simulation wieder herauf. Traumtore, enge Abseitsentscheidungen, Glanzparaden - die magischen Momente. Schöner als jemals zuvor.

Für viele Menschen ist Fußball eine Religion. Woche für Woche sehnen Fans den Samstag herbei, wenn sie im Stadion wieder mit ihrer Mannschaft fiebern. Männer brüllen wie Stiere. Frauen quietschen wie Ferkel. Sobald der Ball rollt, ist der Alltag vergessen. Dann zählt nur noch die Mannschaft. Der Sieg.

Auch im Videospielbereich ist die Leidenschaft für Fußballspiele riesig. Nur wenige Genre verkaufen sich in Deutschland besser als der virtuelle Kick. Die Fan-Lager sind zweigeteilt: Electronic Arts' "Fifa"-Serie glänzt mit toller Optik und hunderten Originalmannschaften und -spieler. Konamis "Pro Evolution Soccer"-Serie hat dagegen in Punkto Realismus die Nase klar vorn.

Der Ball rollt wieder

Jetzt starten die beiden Hersteller mit "Fifa 07" und "Pro Evolution Soccer 6" (PES6) in eine neue Saison. Und wie das Testspiel des aktuellen "FIFA"-Ablegers zeigt, kann Electronic Arts in Punkto Realismus deutlich Boden gut machen. Man darf also gespannt auf Konamis Konter sein.

Pro Evolution Soccer 6

Hersteller/Vertrieb

Konami/Konami

Genre

Sport

Plattform


PlayStation2, PC, Nintendo DS, PSP, Xbox 360

Preis

zirka 60 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Der erste Blick auf den Umfang von "PES6" ernüchtert: Ruhr, Westfalen, Hauptstadt - so absurd die Existenz dieser Fantasie-Teams mit all ihren verfremdeten und doch vertrauten Spielernamen in den vorangegangen Titeln der "Pro Evolution Soccer"-Reihe auch war, so sehr vermissen "PES"-Kenner sie nun. Denn bis auf den Rekordmeister FC Bayern München musste Konami alle deutschen Teams streichen. Die DFL vergab die begehrten Lizenzen exklusiv an den Hauptkonkurrenten Electronic Arts und dessen "FIFA"-Serie.

Lizenz-Hickhack

Dieser Umstand - da hilft kein Lamentieren - wirkt sich negativ auf die Spielatmosphäre aus. Dass Konami im Gegenzug die Nationalmannschaften von Holland, England und Italien mit den offiziellen Trikots und Lizenzen aufs Feld schickt, dürfte vermutlich nur die wenigsten deutschen Zocker trösten. Weiterer Rechte- beziehungsweise Lizenz-Hickhack: Teams wie Manchester United sind Original-getreu vorhanden. Michael Ballacks neue Bleibe Chelsea firmiert dagegen unter dem Namen London FC, und selbst beim FC Bayern steht Rensing anstelle von Kahn zwischen den Pfosten. Schade!

Aber die Wahrheit findet sich bekanntlich auf dem Platz. Seit jeher wird dieses Argument im ewigen Meisterschafts-Duell zwischen der "PES"- und "FIFA"-Reihe angeführt. Und es hat auch diesmal seine Gültigkeit: Konamis Kick fühlt sich nach wie vor authentischer an, wenngleich EA mit "FIFA 07" in diesem Punkt aufgeholt hat. Ballannahme, Dribblings, Tacklings und nicht zuletzt der Spielablauf selbst: Wem's um Fußball in Reinkultur geht, wer nah dran sein will an der Wirklichkeit, der kommt auch künftig nicht an der "PES"-Reihe vorbei. Auch im neuesten Ableger wurde speziell in diesem Punkt wieder viel Feinarbeit geleistet und das Bestehende konsequent weiterentwickelt. Besser kann man den Ballzauber nicht simulieren.

Das ist Fußball

So lassen sich nun Freistöße blitzschnell durch den Druck auf beide Schultertasten ausführen. Flankenwechsel und hohe Steilpässe finden häufiger ihr Ziel. Überarbeitet wurden auch die Kopfbälle, denen meist ein Gerangel vorausgeht und die nun ein wesentlich exakteres Timing benötigen. Ähnliches gilt auch für Volleys und Drop-Kicks, die obendrein viel Fingerspitzengefühl verlangen und dennoch - wie im wahren Leben - gerne meterweit am Tor vorbeisegeln.

Was eingefleischten Zockern des Vorgängers sofort auffällt: Es wird nicht mehr jede kleine Rempelei gepfiffen. Im Gegenteil: Die Schiris legen die Vorteils-Regelung großzügig aus, zücken jetzt aber auch im Nachhinein mal die gelbe Karte. Überhaupt greifen Stürmer auf ein größeres Repertoire an Tricks und Finten zurück, Verteidiger dürfen indes kontrollierter grätschen.

Dem Spiel Beine gemacht

Die Folge all dessen: Das Spiel ist schneller geworden, direkter, schöner. Vielleicht bekam Produzent Shingo "Seabass" Takatsuka eine Lehrstunde von Jürgen Klinsmann. Vielleicht ärgerte er sich aber auch nur über die ständigen Unterbrechungen in "PES 5".

Trotz der Liebe zum Offensivfußball: 10:0-Kantersiege gibt es ebenso wenig zu bestaunen wie den inflationären Gebrauch von Fallrückziehern, Übersteigern und anderen Super-Moves. Unspektakulär ist "Pro Evolution Soccer 6" deshalb aber noch lange nicht. Dafür sorgt unter anderem die speziell für die Xbox-360-Version überarbeitete Optik, die im Vergleich zur PS2- und PC-Fassung mit deutlich detaillierteren Spielermodellen aufwartet. Der "FIFA"-Reihe kann die polierte Grafik jedoch auch in diesem Jahr nicht das Wasser reichen. Gestik und Mimik der Rasenakteure wirken etwas steif, und auch die Ähnlichkeit mit den realen Vorbildern ist manchmal nur bedingt gegeben. Letzteres gilt auch für die Stadien, die bei "FIFA" dank der tollen Schlachtengesänge deutlich mehr Atmosphäre versprühen.

Somit gilt wie jedes Jahr: Das Optik- und Lizenz-Spektakel bietet EA, den wahren Fußball Konami.

ule mit Teleschau