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"Sudoku": Im Bann der Quadrate

Dieses Zahlenrätsel ist nicht nur was für Mathegenies: "Sudoku" erfordert keine besondere Begabung fürs Kopfrechnen. Statt Addieren und Multiplizieren ist hier Logik gefragt. Kenner sprechen "Sudoku" ein Suchtpotenzial zu. Doch worin liegt der Reiz?

Sudoku ist ein Quadrat, das wiederum in neun Quadrate á neun Felder unterteilt ist. In diesen Feldern sind einige Zahlen vorgegeben. Ziel ist es, die Ziffern 1 bis 9 so unterzubringen, dass jede Zahl nur einmal je Unterquadrat, Zeile und Spalte vorkommt.

Sudoku gibt es in Büchern, Zeitungen und im Internet. In Großbritannien sind die Rätsel schon weit verbreitet: Neben der "Times" bieten Zeitungen wie "The Daily Telegraph" und "The Daily Mail" regelmäßig Sudokus an. Im Oktober soll eine britische Sudoku-Meisterschaft ausgetragen werden. Sudoku fürs Handy gibt es auch schon. In Medienberichten wurde das Trendspiel schon mal mit dem berühmten Zauberwürfel aus den 80er Jahren verglichen. Auch spanische und französische Tageszeitungen haben die Rätsel schon im Blatt.

Ausprobiern statt Mathekenntnisse

In Deutschland sind Sudokus zum Beispiel bei der "Welt am Sonntag", der "Zeit", dem "Handelsblatt" und dem "Tagesspiegel" zu finden. "Der Reiz ist, dass die Regeln unheimlich schnell zu verstehen sind", sagt der verantwortliche Redakteur für die "Spiele"- Seite der "Zeit", Wolfgang Lechner. "Sie können es auch ohne mathematische Begabung lösen - einfach durch Probieren." Dazu sind nur Bleistift und Radiergummi nötig.

Sudoku stoße bei den Deutschen auf Interesse. Allerdings: "Ich kann nicht feststellen, dass es in Deutschland so ein riesiger Run ist wie in Großbritannien", sagt Lechner. Vermutlich knobelten Briten gern, während Deutsche lieber Rätsel lösten, bei denen Bildung und Wissen gefordert ist.

Steigendes Interesse

Auf der Internetseite "Handelsblatt.com" gibt es jeden Tag zwei Sudokus - ein leichtes und ein mittelschweres. Wöchentlich werden hier durchschnittlich 50 000 Seitenabrufe gezählt, Tendenz steigend. "Das Interesse von Leserseite war sehr groß", erklärt Sprecherin Bettina Schönherr. Es gebe eine wachsende Sudoku-Fangemeinde in Deutschland. Von Lesern kam schon mal die Bitte, die Rätsel noch schwieriger zu machen.

Das Rätsel soll auf das "Carré latin" vom Schweizer Mathematiker Leonhard Euler aus dem 18. Jahrhundert zurückgehen. Ende der siebziger Jahre kamen quadratische Zahlenpuzzles in den USA unter dem Namen "Number Place" heraus. In den Achtzigern publizierte dann eine japanische Zeitschrift die Rätsel unter dem Namen "Sudoku". Das bedeutet etwa "Zahl, die alleine steht". Nach Europa kam das Spiel schließlich durch einen Neuseeländer. Wayne Gould hatte "Sudoku" in Japan entdeckt und ein Computerprogramm entwickelt, das die Rätsel generiert. Damit trat er an die britische "Times" heran, die das Spiel im November 2004 ins Blatt nahm.

Deutsche Rätselbücher

Die deutschen Buchverlage haben den Trend aufgegriffen. Gleich mehrere Sudoku-Rätselbücher sind bereits auf den Markt gekommen. "Sudoku ist ein Hype. Es kommt darauf an, die Bedürfnisse der Zielgruppe möglichst schnell zu befriedigen", sagte der Programmchef Sachbuch und Wissenschaft beim Verlag S. Fischer, Peter Sillem, dem Branchenmagazin "Buchreport". "Das Interesse kann aber auch sehr schnell wieder abklingen."

Amélie Fidric/DPA / DPA