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Sudoku: Knobel-Virus infiziert Europa

Überraschend, aber wahr: Das Spielprinzip des Zahlenrätsels "Sudoku" stammt aus der Schweiz. Der Mathematiker Leonhard Euler entwickelte es im 18. Jahrhundert. Doch wieso breitete sich das Rätselfieber dann über Japan nach Europa aus? Ein Abriss.

In Europa breitet sich eine neue Sucht aus: Sudoku. Ob in der überfüllten U-Bahn über die Zeitung gebeugt oder gemütlich zu Hause im Sessel - tausende Menschen bemühen sich täglich, die Zahlen von eins bis neun richtig in ein Gitterfeld einzufügen. Die Verzweifelten, die es nicht schaffen, suchen im Internet nach Hilfe und tauschen sich in Foren aus.

Das Virus aus Japan erreichte zunächst England

"Es ist dieses Gitter mit den leeren Feldern", erklärt Wayne Gould die Lust am Spiel. "Es schreit danach, ausgefüllt zu werden." Der pensionierte Richter half dabei, das Rätselfieber in Großbritannien zu verbreiten. Sudoku wird in Asien und Nordamerika schon seit Jahren in Rätselzeitschriften veröffentlicht, in Großbritannien erschien es erstmals im November in der Zeitung "The Times". Jetzt hat es tausende Anhänger und wird täglich in acht landesweiten Zeitungen veröffentlicht, die ihren Lesern das beste Rätsel bieten wollen.

Ein Gitterfeld besteht aus neun Reihen mit je neun Kästchen. Es muss so ausgefüllt werden, dass die Zahlen von eins bis neun nur ein Mal in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block aus drei Mal drei Feldern erscheinen. Die Zeitung "Independent" bietet vier Sudokus pro Tag mit verschienen Schwierigkeitsstufen. Der "Guardian" wirbt mit einem Sudoku, das per Hand von seinen japanischen Erfindern ausgearbeitet wird und nicht mit dem Computer. "The Times" bietet eine Version für das Handy und "The Daily Telegraph" verspricht das "ultimative Sudoku" in drei Dimensionen.

"Die Zahl, die allein steht"

Sudoku bedeutet etwa "die Zahl, die allein steht" und ist mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden. So schrieb ein Kolumnist der "Times" über die kürzliche Kabinettsumbildung von Premierminister Tony Blair: "Es ist nicht wie beim Sudoku, oder?".

Die Lösung eines Sudokus fordert vor allem logisches Denken, auch wenn es eher nach einer mathematischen Aufgabe aussieht. "Ich glaube, es ist so spannend, weil man es ganz bestimmt schaffen kann", sagt ein 23-jähriger Londoner Buchverkäufer. Wer trotzdem scheitert, kann im Internet seiner Frustration Luft machen. "Ich habe einen steifen Nacken vom gebeugten Sitzen, Kopfschmerzen von der langen Konzentration und das Haus versinkt in Radiergummikrümeln", schrieb Amanda Masterman auf einer Internetseite.

Schweizer Erfindung

Der Name Sudoku stammt zwar aus dem Japanischen, das Rätsel ist jedoch eine Variante der lateinischen Quadrate, die der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler im 18. Jahrhundert entwickelte. Sie gingen wiederum zurück auf die noch älteren magischen Quadrate. Marcel Danesi, Professor für Semiotik, der Lehre von Zeichen und Symbolen, erklärt, die magischen Quadrate ließen sich bis Lo Shu zurückverfolgen, einem uralten chinesischen Puzzle.

Zufallsentdeckung beim Besuch in Tokio

Sudoku soll in den 80er Jahren erstmals in japanischen Zeitungen veröffentlicht worden sein. Es wurde dort jedoch nie so beliebt wie heute in Großbritannien. Bei einem Besuch in Tokio 1997 entdeckte der Neuseeländer Gould das Rätsel. Er entwickelte ein Computerprogramm, um die Zahlenspiele zu entwickeln, und bot Sudoku schließlich kostenlos der "Times" an. Heute entwickelt er die Rätsel für Zeitungen in zahlreichen Ländern.

Der Sudoku-Boom in Großbritannien hat mit dem scharfen Wettbewerb unter den Tageszeitungen zu tun, auch die Lust am Rätseln im Land der Scrabble-Süchtigen dürfte eine Rolle gespielt haben. "Ich glaube, es liegt in der britischen Persönlichkeit", sagt der 59-jährige Gould. "Die Briten mögen schwierige Rätsel."

Professor Danesi glaubt nicht, dass die Begeisterung für Sudoku schnell abebben wird: "Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, Rätsel zu lösen."

Jill Lawless/AP / AP