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Stadia: Eine vollwertige Spielkonsole für 129 Euro: So will Google Playstation und Xbox überflüssig machen

Mit der Cloud-Konsole Stadia bringt Google Sony und Microsoft unter Zugzwang. Stadia bringt Spiele in Konsolen-Qualität auf jeden Bildschirm, von Smartphone bis Fernseher. Dafür muss man als Kunde höchstens 129 Euro ausgeben - und kann sogar kostenlos loslegen.

Googles neu vorgestellter Dienst Stadia braucht außer dem schicken Controlller keine Hardware

Googles neu vorgestellter Dienst Stadia braucht außer dem schicken Controller keine Hardware

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Wer Videospiele zocken wollte, kam lange an einem PC oder einer Konsole nicht vorbei. Mit dem Smartphone-Boom verlagerte sich das Zocken zwar immer mehr in die Hosentasche, für die Spitzentitel brauchte man dann aber eine Xbox oder Playstation. Jetzt will Google mit Stadia Top-Spiele auf jeden Bildschirm bringen. Vor allem die Preise dürften Sony und Microsoft Kopfzerbrechen bereiten.

Das Konzept von Stadia ist einfach: Statt die Spiele auf potenter Hardware zuhause laufen zu lassen, berechnen Googles gigantische Server die auf dem Bildschirm erscheinenden Bilder, dann werden sie wie bei Netflix und Co. zum Kunden gestreamt. Obwohl die Leistung auf einem Niveau mit den Konsolen-Konkurrenten liegen soll, braucht der Nutzer nur einen Bildschirm und einen passenden Controller. Der Clou: Zur Anzeige reicht der Chrome-Browser, Stadia funktioniert also auf jedem PC, Tablet und sogar auf günstigsten Smartphones. Nur wer auf dem Fernseher zocken will, muss sich einen geeigneten Chromecast zulegen.

Spielen ohne Vorab-Kosten

Die Kosten fallen entsprechend sehr niedrig aus. Obwohl Google einen eigenen Controller anbietet, werden auch viele Geräte von Drittherstellern und sogar Maus und Tastatur unterstützt. Selbst im teuersten Fall, der sogenannten Founders Edition, kostet Stadia in der Anschaffung nur 129 Euro. Darin enthalten sind dann aber auch ein Chromecast Ultra, der Stadia-Controller und drei Monate des Abo-Service Stadia Pro.

Selbst den muss aber nicht jeder Kunde buchen. In der kostenlosen Version des Dienstes bietet Google mit einer Auflösung bis 1080p und einer Bildwiederholrate bis 60 Bildern die Sekunde für viele Kunden genug Leistung. Für mehr muss man bezahlen: Stadia Pro bietet 4K-Auflösung, HDR sowie Surround-Sound zum Preis von 10 Euro im Monat. Zusätzlich sind wie bei den Abo-Diensten von Xbox und Playstation regelmäßig kostenlose Spiele enthalten.

Cloud-abhängig

Denn die gibt es auch bei Stadia nicht kostenlos. Zwar sind für den Start bereits hochkarätige Games wie das für Herbst angekündigte "Borderlands 3", das im Frühjahr erschienene "The Division 2" und viele weitere verfügbar, die müssen die Kunden aber wie auf den anderen Konsolen kaufen. Preise hat Google bisher nicht genannt, sie dürften aber mit den Konkurrenz-Angeboten vergleichbar sein. Attraktive Rabatte, wie sie sich in den letzten Jahren sowohl auf Konsolen wie auf PCs immer weiter durchgesetzt haben, gibt es bei Stadia nur für die Pro-Kunden.

Das größte Manko des Dienstes ist seine Abhängigkeit von der Cloud. Wer eine langsame Internetverbindung hat, wird Stadia nicht nutzen können. Mindestens 10 Mbit/s nennt Google als Voraussetzung, 35 Mbit/s sind für Spiele in 4K nötig. Das ist in vielen Teilen Deutschlands und auch in den USA nicht selbstverständlich. Auch der reine Online-Kauf wird vielen Kunden sauer aufstoßen. Gefällt ein Spiel nicht oder hat man es durch, kann man es nicht einfach weiterverkaufen. Die Kauf-Hemmung dürfte entsprechend höher sein als bei klassischen Spielen auf Datenträgern.

Nervöse Konkurrenz

Bei Sony und Microsoft wird der für November angekündigte Dienst trotzdem für viel Nervosität sorgen. Neben dem viel niedrigeren Anschaffungspreis dürfte vor allem die große Flexibilität für viele Kunden attraktiv sein: Ein auf dem Fernseher begonnenes Spiel kann jederzeit auf dem Smartphone fortgesetzt werden. Eine ähnliche Flexibilität bietet bisher nur Nintendos Switch, allerdings mit deutlich abgespeckter Leistung.

Ein echtes Problem könnte die Stadia im nächsten Jahr werden. Dann wird die nächste Konsolen-Generation erwartet. Die Nachfolger von Xbox One und Playstation 4 werden deutlich mehr Leistung bieten und so noch opulentere Spiele-Optik liefern können. Dafür werden sie auch entsprechend teuer sein. Sollte es Google gelingen, mit den Stadia-Servern dieselbe Leistung zu bieten, haben Sony und Microsoft ein Problem: Warum sollten sich die Kunden schließlich eine teure Konsole kaufen, wenn es dasselbe Ergebnis ohne Neukauf aus der Cloud gibt?

Quelle: Google