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Videospiel "Uncharted 3: Drake's Deception": Und ... Action!

"Uncharted 3" setzt die legendäre Action-Adventure-Serie mehr als würdig fort und reißt den PS3-Spieler mit wahnwitziger Action, grafischem Bombast und einer menschelnden Geschichte in einen Sog.

Von Ralf Sander

Feuer frisst sich durch das alte Gemäuer, Zimmerdecken fallen herab, Wände stürzen ein. Nathan Drake hat ein brennendes Problem: Wo ist ein rettender Ausgang? Da vorne! Eine Lücke zwischen den Flammen! Hindurch sprinten. Ein brennender Balken kracht in den Weg. Hinüber balancieren, doch das Holz bricht. Was tun? An die Wand springen, an steinernen Vorsprüngen nach oben klettern, dann ein Sprung zu einer Leiter, die an der gegenüberliegenden Wand lehnt. Schnell die Sprossen hoch. Doch das rettende höhere Stockwerk bricht zusammen. Brennendes Holz, heißes Geröll stürzen herab, dem Flüchtenden entgegen. Nathan schwingt nach rechts, hangelt nach links, weicht aus, springt endlich aus einem Fenster ins Freie. Gerettet? Nicht wirklich! In einem tosenden Inferno bricht das Schloss hinter Nathan zusammen, der um sein Leben sprintet, springt, Hechtrollen macht, um tief fliegenden Trümmern zu entgehen. Dann ist es vorbei. Nathan bleibt stehen und erholt sich schwer atmend und schweißgebadet. Der Spieler legt den Controller beiseite und erholt sich schwer atmend und schweißgebadet. Hinter ihm liegt nur einer der vielen Höhepunkte von "Uncharted 3: Drake's Deception", dem mitreißendsten Konsolenabenteuer des Jahres.

Die "Uncharted"-Serie um den liebenswerten Abenteurer Nathan Drake wird seit 2007 vom US-Entwicklerstudio Naughty Dog exklusiv für Sonys Playstation 3 produziert und als sogenannter Systemseller konzipiert - als Produkt, das so begehrt ist, dass die Spieler seinetwegen auch die nötige Hardware kaufen. Die Amerikaner haben von Anfang an einen guten Job gemacht, die beiden Vorgänger-Titel bekamen euphorische Kritiken und verkauften sich außerdem viele Millionen Mal. Und auch der dritte Teil ist ein guter Grund, sich jetzt noch die fünf Jahre alte Konsole zuzulegen.

Onkel Indy ist das Vorbild

Auch Drakes drittes Abenteuer bedient sich klassischer Zutaten des Abenteuerfilms: Die Jagd nach einem wertvollen Artefakt führt den Schatzsucher rund um die Welt, von London über Frankreich, den Jemen und Syrien auf die Arabische Halbinsel in die Rub al-Khali. In der weltgrößten Sandwüste soll sich die sagenhafte Stadt Iram befinden. Nate immer auf den Fersen: ein mysteriöser Geheimbund unter der Führung der undurchschaubaren Katherine Marlowe, die ebenfalls den Mysterien des "Atlantis des Sandes" hinterherspürt. Die "Indiana Jones"-Filme sind unübersehbares Vorbild für die "Uncharted"-Reihe und werden genüsslich zitiert. Ein Beispiel: Wie Indy kritzelt auch Nate alle wichtigen Erkenntnisse in ein kleines ledergebundenes Notizbuch.

Die erfahrene Drehbuchautorin der Serie, Amy Hennig, hat außerdem die Schatzhatz mit allerhand Zwischenmenschlichem veredelt. Nathans Verhältnis zu seinem alten Mentor Victor "Sully" Sullivan - seit Teil eins der Serie dabei - steht im Mittelpunkt der Geschichte und wird unter anderem in spielbaren Rückblenden erzählt. Zu Drakes Team gehören außerdem die sexy Schatzsucherin Chloe Frazer und der unter Klaustrophobie leidende Hüne Charlie Cutter. Die Journalistin Elena Fisher, mit der Nathan am Ende von Teil zwei angebandelt hat, mischt auch noch mit. Und der Titelzusatz "Drake's Deception" lässt sich sowohl mit "Drakes Täuschung", aber auch mit "Betrug" übersetzen ... Da lassen die kleinen oder großen menschlichen Dramen nicht lange auf sich warten. Autorin Hennig bastelt aus sympathischen Charakteren, knackigen Dialogen und nicht immer logischen, aber spannenden Plotwendungen eine sehr unterhaltsame Füllmasse, die sich nahtlos zwischen die zahllosen Actionsequenzen fügt.

Mehr ist mehr

Gewaltige, den Atem raubende Action - das war schon immer das Herz von "Uncharted". Auf seiner Heldenreise kämpft sich Nathan diesmal nicht nur durch das eingangs erwähnte flammende Inferno, sondern beispielsweise auch durch ein kenterndes Kreuzfahrtschiff. Und er prügelt sich so heftig auf der offenen Laderampe eines fliegenden Luftfrachters, dass James Bond feuchte Augen bekäme. Selbstredend überlebt Nate auch noch den Absturz des Fliegers in der Wüste. Einer umwerfend schönen Wüste übrigens, ungeheuer weit, mit eigentümlichem Licht und sanft wirbelnden Sandwolken auf den Spitzen der Dünen. Sand, Feuer, Wasser, die ganze Welt von "Uncharted 3" erstrahlt in einer Grafikpracht, wie sie kaum jemand der alten Tante PS3 zugetraut hätte. Dazu kommen fast tadellose Animationen, professionelle Synchronsprecher und ein bombastischer Soundtrack - "Uncharted 3" ist ein Millionen Dollar teures, bis ins Detail prächtig gestaltetes Werk.

Simpel - aus gutem Grund

Im Gegensatz zur Technik ist die Spielmechanik von "Uncharted" frei von Innovationen. Der Vierklang Rennen, Klettern, Kämpfen und Rätseln gehört spätestens seit der "Tomb Raider"-Reihe zum Standard des Action-Adventure-Genres. Nathans Wege sind vorgezeichnet. Es gibt keine offene Welt wie in "Batman: Arkham City". Weder kann der Spieler entscheiden, ob er eher kämpferisch vorgeht oder im Vorborgenen agiert (jüngstes Beispiel: "Deus Ex: Human Revolution"), noch muss er wie in "Witcher 2" schwierige moralische Entscheidungen fällen oder menschliche Gefühle lesen ("LA Noire"). Genaugenommen muss der Spieler überhaupt nichts entscheiden, er muss nur reagieren. In "Uncharted" geht es nicht darum, in einer virtuellen Welt zu versinken oder das Schicksal der Hauptfigur zu gestalten. Es geht um etwas anderes.

"Uncharted" will eine einzige Geschichte erzählen, und das so spannend und mitreißend wie möglich. Dafür haben Nathans Schöpfer ein unglaubliches Gespür für Timing entwickelt: Klettereinlagen, Kämpfe, Zwischensequenzen, hier ein witziger Dialog, dort ein Rätsel - alles kommt immer zum richtigen Zeitpunkt. Damit der Spieler bei diesem Rhythmus immer mit muss, wird er mal subtil, mal deutlich immer in die richtige Richtung gelotst. Bei Rätseln gibt es Tipps von Nathans Kumpels, und wenn es mal zu lange dauert, taucht die Lösung zum Nachlesen im Notizbuch auf, wenn man das möchte. Auf keinen Fall soll sich der Spieler festbeißen an einem Problem, aus dem Tritt kommen, sich dem Sog der Geschichte entziehen, am Ufer des Spielflusses stranden. Aus diesen Gründen ist "Uncharted 3" weniger komplex oder innovativ als die oben genannten Spitzenspiele dieses Jahres - und gehört dennoch in ihre Reihen, weil es sein Ziel erreicht. Die Entwickler von Naughty Dog sind Meister der Inszenierung, die aus einfachen, aber perfekt zubereiteten Zutaten Großes erschaffen haben: pure Unterhaltung.

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Uncharted 3: Drake's Deception

Hersteller/Vertrieb

Naughty Dog/Sony Computer Entertainment

Genre

Action-Adventure

Plattform

Playstation 3

Preis

60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Korrektur: Ursprünglich stand in diesem Text, dass das Entwicklerstudio Naughty Dog in England beheimatet sei. Das ist falsch, die Firma hat ihren Sitz in Kalifornien. Wir haben den Fehler korrigiert.

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