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Apples neue iPods Vom Welthit zum Auslaufmodell


Apple scheint die Lust am einstigen Verkaufsschlager iPod verloren zu haben. Schuld ist das iPhone. stern.de-Redakteur Gerd Blank hat sich die neuen iPods angeschaut und nimmt langsam Abschied.

Als 2001 der erste iPod präsentiert wurde, steckte das Musikformat MP3 noch in den Kinderschuhen. Lediglich Computerfreaks nutzten dieses Dateiformat, um ihre Songs auf dem Rechner zu speichern. Der erste iPod war nicht nur teuer, er funktionierte auch nur, wenn man ihn über einen Apple-Rechner mit Musik fütterte. Trotz einer für damalige Verhältnisse riesigen Festplatte mit fünf Gigabyte Speicherkapazität verkaufte sich der weiße Musikabspieler eher schleppend.

Das änderte sich schnell. Auch Windows-Nutzer konnten bald den iPod nutzen. Die Bandbreite der Modelle wurde vergrößert und um günstigere Geräte ergänzt, damit sich jeder Musikfreund das Apple-Gadget leisten konnte. Wie einst der Walkman von Sony wurde der iPod das Synonym für mobilen Musikgenuss und die weißen iPod-Kopfhörer zum Erkennungszeichen. MP3-Songs haben sich mittlerweile etabliert, der iTunes Store verkauft mehr Musik als CD-Händler. Die iPods sind inzwischen die meistverkauften tragbaren Musikabspieler - mehr als 250 Millionen Geräte hat Apple inzwischen verkauft.

Noch immer veröffentlicht Apple in jedem Spätsommer neue Modelle. Seit ein paar Tagen gibt es neue Versionen vom iPod Shuffle, vom Nano und vom Touch. Doch Innovationen sucht man vergebens. Es sieht so aus, als ob Apple die Lust am iPod verliert.

Apple hat einen neuen Star

Der neue Star im Hause Apple heißt iPhone. Das Smartphone mit dem angebissenen Apfel ist nicht nur Telefon, auch Musik und Videos lassen sich mit dem Telefon abspielen und - was noch wichtiger ist - Songs dank permantenter Internetverbnidung auch unterwegs direkt aus dem iTunes Store kaufen. Auch andere Hersteller spendieren ihren Multimedia-Handys eine Medienabspielfunktion und viel Speicher. Es ist daher nicht mehr nötig, einen zusätzlichen MP3-Player in der Tasche zu haben. Der Markt ist gesättigt, im vergangenen Quartal konnten die prognostizierten iPod-Verkaufszahlen nicht erreicht werden.

Apple tut zwar gut daran, die iPod-Linie auch weiter zu aktualisieren, aber an den neuen Produkten ist erkennbar, dass das Unternehmen keine große Liebe mehr für die MP3-Player verspürt. So gab es im September statt großen Innovationen nur kleine Updates.

Die neuen iPods im Schnelldurchlauf

Weniger ist mehr scheint bei Apple von je her das Motto zu sein. Wo andere Hardware-Hersteller mit Features prahlen, setzt das kalifornische Unternehmen auf spartanische Ausstattung im edlen - und damit teuren - Design. Das trifft zum Teil auch auf die neuen iPod-Modelle zu, die Apple Anfang September präsentierte. Der iPod Touch ist weiterhin das musikalische Flaggschiff bei Apple. Im Prinzip handelt es sich bei dem Gerät um ein iPhone ohne Telefonfunktion. Den Touch gibt es in drei Speichergrößen, bis zu 64 Gigabyte Daten passen auf den Handschmeichler. Das Gerät ist schmaler als sein Vorgänger und wurde um zwei Kameras ergänzt. Sie dienen zur Videotelefonie und zum Aufzeichnen von Filmen in HD-Qualität. Auch das Display wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert. Doch damit hat es sich mit Neuerungen. Den iPod Touch gibt es ab 229 Euro.

Der iPod Nano hat auf dem ersten Blick eine spektakuläre Verwandlung erfahren. Der Musikabspieler besteht nur noch aus einem berührungsempfindlichen Bildschirm mit einer Diagonale von nicht einmal vier Zentimetern. Doch statt Touch-Vergnügen kommt bei der Steuerung schnell Frust auf. Das quadratische Display ist zu klein, deutlich kleiner als beim Vorgänger. Auch die Featureliste wurde reduziert. Das Gerät spielt keine Filme mehr ab, auf Spiele müssen Nutzer ebenfalls verzichten. Auch die Kamera, die erst beim Vorgänger-Modell eingeführt wurde, ist wieder verschwunden. Der Verzicht auf das vertraute Click-Wheel macht die Steuerung unnötig kompliziert. Ärgerlich ist, dass Apple beim Kopfhörer auf die Fernbedienung verzichtet hat. Zwar gibt es eine Schüttelsteuerung, mit der sich der nächste Song auswählen lässt, allerdings wäre eine spezielle Taste, und wenn diese am Kopfhörerkabel wäre, sinnvoller. Den iPod Nano gibt es in einer Speichergröße bis 16 Gigabyte für ab 159 Euro.

Abschied auf Raten

Auch der Shuffle, ein Mini-iPod ohne Display, wurde überarbeitet. Aber auch hier gibt es wenig Neues. Apple hat lediglich den Design-Fehler des Vorgängers rückgängig gemacht und dem Gerät die Steuerungstasten zurück gegeben. Dadurch bekam der Shuffle auch seine quadratische Form zurück. Allerdings müssen sich Käufer mit zwei Gigabyte Speicher zufrieden geben. Den Shuffle gibt es für 49 Euro.

Auf die weißen Kopfhörer wird man auch in den kommenden Jahren nicht verzichten müssen, da das iPhone immer häufiger den Platz des iPods einnimmt. Der iPod Touch entwickelt sich mehr zur mobilen Spielkonsole und verdrängt damit vielerorts die Produkte von Sony und Nintendo. Doch wer einfach nur Musik hören will, findet inzwischen vielfältige Alternativen, seine MP3-Dateien abzuspielen. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn das einstige Lieblingskind künftig immer weniger Aufmerksamkeit erhält. Auch wenn Apple weiterhin einmal im Jahr neue iPods vorstellen wird: Das neue iWunder darf man nicht mehr erwarten.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Die neuen iPods im Test"

Von Gerd Blank

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