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"Game of Thrones": Die größte Schlacht der Serien-Geschichte und die meisten Zuschauer sehen - nichts

In der achten Staffel von "Game of Thrones" geht der Krieg der Lebenden gegen die Toten in die letzte Runde. Die Zuschauer hatten während der jüngsten Folge aber mit einen ganz anderen Feind zu kämpfen: ihren Fernsehern. Keine Angst, der Text kommt ohne Spoiler aus.

Jon Schnee sieht in diesem Bild schon reichlich abgekämpft aus. Um ihn herum lodert das Feuer. Vermutlich handelt es sich um eine Aufnahme aus der Endphase des Kampfes - steht er hier womöglich dem Nachtkönig gegenüber?

In der "Game of Thrones"-Folge "Die lange Nacht" war für viele Zuschauer kaum etwas zu erkennen

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Es würde die größte Schlacht in der TV-Geschichte - so kündigten die Macher von "Game of Thrones" die aktuelle Folge an. Die dritte Episode der achten und letzten Staffel trug im Englischen den Titel "The Long Night" (Die lange Nacht) - und das war durchaus wörtlich gemeint. Viele Zuschauer konnten schlicht kaum etwas erkennen. 

"Kann mal jemand das Licht anmachen?" fragten schnell Witzbolde in den sozialen Medien. Das Problem: Die Macher hatten die Düsternis der in tiefster Nacht stattfindenden Schlacht etwas übertrieben. Und stellten so die meisten Fernseher vor kaum zu schaffende Herausforderungen. Bei der Mischung aus dunklem Bild und schnellen Schnitten war teilweise kaum auszumachen, ob man  in der Dunkelheit nun einen Untoten oder nur ein Bildartefakt sah. Und welcher der geliebten Helden nun gerade das Zeitliche segnete.

Schwarz ist nicht schwarz 

Dabei kamen gleich mehrere Probleme zusammen. Als erstes war das die Bildschirm-Technik: Ein tiefes Schwarz zu erzeugen ist quasi die Königsdisziplin des TV-Bildes, gerade günstige Fernseher sind dazu technisch gar nicht in der Lage. Weil die genutzte LCD-Technologie den Bildschirm von hinten oder den Seiten ausleuchtet, werden auch eigentlich völlig schwarze Bereiche durch Abstrahlen mit beleuchtet - und erscheinen so höchstens dunkelgrau. Neuere Lösungen wie Local Dimming, bei dem einzelne Bereiche des Bildschirms einzeln ausgeleuchtet werden, können das nur teilweise auffangen. Nur teure OLED-TVs können echtes Schwarz zeigen.

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Doch selbst die kamen bei der letzten Folge an ihre Grenzen. Der Grund: Obwohl es die wohl erfolgreichste Serie der TV-Geschichte ist, verzichtet Haussender HBO bei "Game of Thrones" sowohl auf 4K-Auflösung wie auch auf die Bildverbesserung durch moderne Technologien wie HDR oder Dolby Vision. Gerade von letzteren hätte die aktuelle Folge besonders profitiert: Weil sie einen größeren Farbraum und höhere Kontraste bieten, sehen gerade sehr dunkle Inhalte durch sie besonders gut aus. Leider gibt es von "Game of Thrones" aber nur eine einzige Staffel in 4K-HDR: Die als 4K-Blu-Ray neu aufgelegte erste Staffel. Alle anderen müssen ohne das bessere Bild auskommen - und sehen entsprechend düster aus.

Streaming-Leid

Auch die Streaming-Qualität ist ein echtes Problem. Um das Bild besser übertragen zu können, wird das Bild zunächst komprimiert. Und hier leiden dunkle Inhalte am meisten: Schwarze Bereiche werden als Daten ohne Bild-Informationen bewertet und für die schnelle Übertragung besonders stark kleingerechnet. Für die Anzeige werden sie dann vom TV oder Computer wieder hochgerechnet - und sind dabei besonders anfällig für Bildartefakte. 

Deutsche Zuschauer leiden zudem unter einer Entscheidung von Sky. "Game of Thrones" darf Montags durch einen Exklusiv-Deal mit HBO nur dort gezeigt werden. Die volle 1080p-Auflösung gibt es aber nur in der Pay-TV-Fassung. Wer über Sky Ticket streamt, bekommt nur die deutlich schlechter aufgelöste 720p-Version zu sehen, bei der viele Feinheiten verloren gehen. In der langen Nacht fiel dieser Mangel an Details besonders negativ auf. Die Streaming-Konkurrenten wie Netflix, Amazon oder iTunes bieten längst 4K-Inhalte. Eine Anfrage, warum Sky sich gegen die hohe Auflösung entschied, blieb bis zum Erscheinen des Artikels unbeantwortet. Bis zum Ende der Serie müssen sich die Zuschauer also entscheiden: Wollen sie die Inhalte sofort streamen - oder in besserer Qualität.

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