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Streaming So wollen Amazon und Netflix die neue TV-Welt dominieren

Mit Eigenproduktionen wie "Transparent", "The Grand Tour", "Mozart in the Jungle" oder "Hand of God" will sich Amazon von der Konkurrenz abheben.
Mit Eigenproduktionen wie "Transparent", "The Grand Tour", "Mozart in the Jungle" oder "Hand of God" will sich Amazon von der Konkurrenz abheben.
© Amazon
Netflix und Amazon sind die Könige der Streamingwelt. Im kommenden Jahr wollen beide Dienste weltweit durchstarten - mit noch mehr eigenen Serien und Filmen. Die Herangehensweise der Unternehmen ist aber höchst unterschiedlich.

"Winnetou", "Frozen", "Die Tribute von Panem": Zu Weihnachten gaben die Fernsehsender noch einmal alles. Mit Hollywood-Blockbustern und aufwendigen Eigenproduktionen wurden Millionen Zuschauer vor die Mattscheibe gelockt. Doch nur selten ist das Fernsehprogramm so erstklassig wie in den letzten Wochen des Jahres, über weite Strecken dominieren Langeweile und Wiederholungen. Davon profitieren vor allem zwei Unternehmen: Netflix und Amazon. Deren Streamingdienste bieten exklusive Serien und Zigtausende Filme rund um die Uhr auf Abruf.

Wie sehr Streamingdienste auf dem Vormarsch sind, zeigt die jüngste Untersuchung von App Annie. Die Marktforscher haben sich die Entwicklung der Videostream-Apps in Europa zwischen September 2015 und August 2016 genauer angesehen. Das Ergebnis: Der Datenverbrauch hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt (700 statt 300 Petabyte). Und die Daten von Streaming-Playern (Apple TV, Fire TV Stick) und Smart-TVs sind hier nicht einmal enthalten. Da fast jeder neu verkaufte Fernseher internettauglich ist, dürfte der Zuwachs in Wahrheit noch einmal deutlich größer ausfallen.

Kein Wunder, dass sowohl Amazon als auch Netflix in diesem Jahr einen gewaltigen Schritt wagten: Beide Dienste sind mittlerweile in knapp 200 Ländern verfügbar. Die Herausforderung lag dabei nicht in der technischen Umsetzung, wie das Technikmagazin "Wired" schreibt. Das größere Problem waren die Inhalte.

Das Problem mit den Filmrechten

Berühmt wurde Netflix mit Eigenproduktionen wie dem Polit-Thriller "House of Cards" oder der Frauenknast-Dramedy "Orange Is The New Black", Amazon heimste mit "Transparent" mehrere Preise ein. Nur: Mit zwei, drei hochkarätigen Perlen können die Anbieter niemanden lange bei der Stange halten. Das Brot-und-Butter-Geschäft waren deshalb lange Zeit die fremdlizenzierten Inhalte anderer Studios und Sender.

Bei zugekauften Filmen und Serien müssen sich die Streaminganbieter jedoch die Rechte für jeden einzelnen Markt sichern, was nicht nur enorm viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt, sondern auch für Nutzer unbefriedigend ist. Ein aktuelles Beispiel ist der oscarprämierte Streifen "The Big Short", den Netflix weltweit ausstrahlt - außer in Frankreich. Denn hier dürfen aktuelle Filme erst drei Jahre nach Kinostart bei Streamingportalen angeboten werden, schreibt "Wired".

Eigenproduzierte Filme und Serien hingegen können zeitgleich in allen 200 Ländern angeboten werden, und zwar so lange man will. Das ist ein nicht zu vernachlässigender Punkt: Als Netflix im Jahr 2008 einen Deal mit Starz abschloss und sich somit Rechte für brandneue Filme von Sony und Disney sicherte, bescherte das dem Portal einen gewaltigen Popularitätsschub. Die Quittung kam vier Jahre später, als der Deal auslief und viele Filme quasi über Nacht aus dem Katalog verschwanden - und sich Netflix mit einem kleinen Nutzeraufstand konfrontiert sah.

Milliardeninvestition für den Erfolg

Um nicht alle paar Jahre erneut um Rechte pokern zu müssen, setzen Amazon und Netflix mittlerweile beide verstärkt auf Exklusivität. Amazon-Chef Jeff Bezos hat bereits angekündigt, das Budget für Eigenproduktionen zu verdreifachen, Netflix will allein im kommenden Jahr mehr als sechs Milliarden Dollar für seine "Originals" ausgeben. Geplant sind derzeit mehr als 1000 Stunden neuer Inhalte. Sechs Milliarden Dollar - das klinge auf den ersten Blick viel, sei für globale Maßstäbe aber noch effizient, meint der TV-Analyst Tony Gunnarson im Gespräch mit "Wired". "Insgesamt ist es günstiger, eine eigene Serie zu produzieren als sie sich zu kaufen."

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Besitzt man alle Rechte, kann man die Inhalte auch für die Offline-Nutzung anbieten. Amazon bietet diese Funktion schon lange, Netflix hat den Download-Modus erst vor einigen Wochen eingeführt. Damit ist es möglich, sich einzelne Filme oder Staffeln auf das Smartphone oder Tablet herunterzuladen und diese unterwegs ohne aktive Internetverbindung anzusehen. Vor allem in afrikanischen oder asiatischen Ländern, wo es zwar häufig schnelle Wlan-Netzwerke, aber nur unzureichend mobile Internetverbindungen gibt, ist der Offline-Modus sehr wichtig.

Ein Ziel, zwei Wege

Für die Streaminganbieter sind die eigenproduzierten Inhalte längst mehr als nur Aushängeschilder. "Du brauchst einzigartige Sendungen, die perfekt auf dein Zielpublikum, deine Marke zugeschnitten sind", sagt Roy Price, Vice President der Amazon Studios. Um herauszufinden, was bei den Nutzern ankommt, gehen die beiden Streaming-Giganten unterschiedliche Wege.

Amazon veröffentlicht regelmäßig Piloten (erste Episoden einer Serie), anschließend können die Zuschauer in einem kurzen Fragebogen mitteilen, was ihnen gefallen hat und was nicht. Vielversprechende Titel werden dann auf eine ganze Staffel verlängert.

Netflix wiederum setzt auf seinen legendären Algorithmus, der jeden Klick der Nutzer detailliert auswertet. Insgesamt mit großem Erfolg: Der Algorithmus identifizierte etwa Adam Sandler als einen der beliebtesten Schauspieler auf Netflix. Anschließend verpflichtete man den Comedy-Star für vier exklusive Filme, was dem Anbieter jede Menge Hohn und Spott einbrachte.

Doch die Zahlen gaben dem Konzern am Ende recht: Das Erstlingswerk "Ridiculous 6" wurde einer der erfolgreichsten Streaming-Filme. Doch nicht immer trifft Netflix den Geschmack der Kunden, die millionenschwere, mit viel Brimborium gestartete Historien-Serie "Marco Polo" wurde etwa vor kurzem eingestellt.

Zukunftsfähige Technik

Damit Netflix und Amazon auch in Zukunft ganz oben mitmischen, verlassen sie sich nicht nur auf ihre Top-Serien und Kontakte in Hollywood. Es geht auch um Technik. Während einige deutsche Sendungen nicht einmal in Full-HD produziert werden, setzen Amazon und Netflix seit Jahren flächendeckend auf 4K und die HDR-Technologie, obwohl die entsprechenden Geräte hierzulande erst allmählich in den Wohnzimmern ankommen.

"Es ist ungeheuer wichtig, dass sie sagen können, dass alle Inhalte 4K sind", erklärt Gunnarson gegenüber "Wired". "Es gibt ihnen auch wichtige Munition, um mit den Unterhaltungselektronik-Partnern ins Gespräch zu kommen." Das wiederum ist ein weiterer Schlüssel zum Erfolg: Beide Dienste sind auf beinahe jeder Plattform verfügbar - egal ob Fernseher, Konsole oder Smartphone.

Im kommenden Jahr werden sich beide Anbieter zudem noch stärker auf die lokalen Märkte konzentrieren. Amazon startet demnächst die Hacker-Serie "You Are Wanted" mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle - es ist die erste deutsche Originalserie des Online-Kaufhauses. "Dark" wiederum ist die erste komplett in Deutschland gedrehte und produzierte Serie von Netflix, sie soll in der zweiten Jahreshälfte ausgestrahlt werden.


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