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Abschaltung von fünf Diensten: Google speckt ab

Aus für iGoogle: Die personalisierbare Startseite wird gemeinsam mit vier weiteren Diensten abgeschaltet werden. Die Nutzer sind über das plötzliche Ende empört.

Von Christoph Fröhlich

Unter dem Motto "Frühjahrsputz im Sommer" verkündet Suchmaschinenriese Google das Ende von fünf Webangeboten. Verabschieden muss sich unter anderem die personalisierbare Startseite iGoogle: Bis November 2013, also fast 16 Monate, haben Nutzer nun Zeit, die eigenen Daten zu sichern und sich nach Alternativen umzusehen. Die liefert der Suchmaschinenriese natürlich längst: Mit dem Browser Chrome und dem mobilen Betriebssystem Android hat sich der 2005 gestartete Dienst laut Google einfach selbst überlebt.

Die iGoogle-Anhänger sehen das nicht so: "Es existiert kein gleichwertiges Widget für Chrome", erklärt Markus Krogh auf Twitter. Auch Mary Weatherburn bedauert die Entscheidung: "Oh nein, ich liebe iGoogle :'-( Tschüss, wir hatten eine schöne Zeit." Bereits wenige Stunden nach Bekanntgabe starteten Fans eine Petition, die das Abschalten der persönlichen Seite verhindern will. Ob sich Google davon beeindrucken lässt, darf bezweifelt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass der Konzern Dienste für immer vom Netz trennt.

Konzentration auf das Kerngeschäft

Ebenfalls auf der Abschussliste steht das Textmessaging-Widget Google Talk Chatback. Das konnten Webseitenentwickler in ihrer Homepage einbauen, um etwa mit Kunden in Kontakt zu treten. Wer auf dieses Feature nicht verzichten möchte, dürfte laut Google bei der Meebo-Leiste fündig werden, die ähnliche Funktionen erlaubt. Der Hintergrund ist klar: Google hat den gleichnamigen Dienst erst im Juni übernommen. Branchenkenner schätzen, dass Google rund 100 Millionen Dollar für das 200 Mitarbeiter starke Unternehmen gezahlt hat.

Das Abschalten von Google Video dürften nur die wenigsten Nutzer bemerken: Seit Mai 2009 konnten User keine Videos mehr auf die Hostingplattform hochladen. Am 20. August wird das Unternehmen alle noch vorhandenen Videos in private Youtube-Kanäle verschieben. Auch die Symbian Search App wird demnächst vom Netz abgeklemmt: Suchanfragen sind dann nur noch über die mobile Website möglich.

Ab 31. Juli wird auch Google Mini nicht mehr unterstützt: Die im Jahr 2005 vorgestellte Hardware, die vor allem in Büros und Firmen genutzt wird, ist durch neue Dienste und Programme längst überholt und dürfte nur noch für wenige Nutzer interessant sein. Bestandskunden sollen aber auch in Zukunft mit Informationen versorgt werden.

"Produkte einzustellen ist immer eine harte Entscheidung, aber wir denken sehr intensiv über jede einzelne Entscheidung und ihre Auswirkungen für die Nutzer nach", schreibt Google-Manager Matt Eichner im offiziellen Google-Blog. Nur durch die Rationalisierung von Diensten könne man sich auf neue und verbesserte Techniken konzentrieren.

Wo die Schwerpunkte liegen, hat Google auf der Entwicklerkonferenz I/O Ende Juni gezeigt: Neben dem mobilen Betriebssystem Android, dem sozialen Netzwerk Google+ und dem Browser Chrome wird der Webriese demnächst auch ein eigenes Tablet fertigen.

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