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Cyber-Angriff auf Datensysteme: Hacker attackieren iranische Ölanlagen

Cyber-Attacke auf den Iran: Ein Computervirus hat auf den Servern des Ölministeriums sein Unwesen getrieben. So schlagkräftig wie der berüchtigte Stuxnet-Wurm war er aber offenbar nicht.

Von Christoph Fröhlich

Der Iran ist erneut Opfer eines Cyberangriffs geworden: Das wichtigste Ölexportterminal des Landes im Persischen Golf wurde mit einem Computervirus infiziert. Auch die Internetseiten der staatlichen Ölgesellschaft NIOC (National Iranian Oil Company) und des Erdölministeriums waren am Montag kurzzeitig nicht erreichbar. Alireza Nikzad, Sprecher der Behörde, bestätigte den Virus-Angriff gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Fars: Der Computerschädling habe versucht, "Daten auf den Servern des Erdölministeriums zu löschen". Wichtige Dateien blieben seiner Aussage nach aber unversehrt.

"Der Cyber-Angriff konnte die Hauptrechner des Erdölministeriums und der National Iranian Oil Company nicht beschädigen, weil die öffentlichen Server von den Zentralrechnern getrennt sind", sagte Nikzad. Außerdem seien die Geräte auch nicht mit dem Internet verbunden. Betroffen waren demnach die zentralen Internet- und Kommunikationssysteme des Ölministeriums und der staatlichen Ölgesellschaft. Als Vorsichtsmaßnahme seien daraufhin die IT-Systeme des Ölterminals der Insel Chark sowie anderer Öl-Standorte vom Internet abgekoppelt worden.

Erinnerungen an Stuxnet

Der Fall erinnert an den Computerwurm Stuxnet, der im Juni 2010 für Aufsehen sorgte. Das Schadprogramm infizierte knapp 30.000 iranische Computer und verursachte außerplanmäßige Störungen im iranischen Atomprogramm, indem er unter anderem die Urananreicherungsanlage in Natanz oder das Kernkraftwerk Buschehr lähmte.

Der Iran musste in der Folge Tausende Zentrifugen ersetzen. Wer hinter dem hochspezialisierten Computerschädling steckt, ist bis heute unbekannt. Experten vermuten aber staatliche Programmierer aus den USA oder Israel, die Entwicklungszeit wird auf mehrere Monate geschätzt und muss sehr kostenintensiv gewesen sein.

Dass hinter der aktuellen Attacke die Stuxnet-Urheber stecken, ist unwahrscheinlich: Nach den derzeitigen Informationen wurden die Computer der Ölanlagen über das Internet infiltriert, Stuxnet wurde jedoch vermutlich über einen USB-Stick auf die Computer aufgespielt. Zudem soll der aktuelle Virus viel simpler programmiert sein als der Schädling von 2010.

mit Agenturen