HOME

Hacker attackieren Sony: Hollywood-Studio wird sturmreif geschossen

Fast wie in einem Cyber-Krimi auf der Leinwand: Die Sony Studios in Los Angeles werden seit einer Woche von anonymen Cyber-Hackern angegriffen. Die Gruppe schwört, das Studio zerstören zu wollen.

Der Kriegsfilm "Fury" gehört zu geleakten Filmen.

Der Kriegsfilm "Fury" gehört zu geleakten Filmen.

Der Alptraum für die berühmten Sony Pictures will einfach nicht enden. Am späten Freitag Nachmittag schummelten sich Hacker in die Inbox von hunderten von Sony-Mitarbeitern. Die fanden dort eine erneute E-Mail der "Guardians of Peace" (GOP), einer anonymen Hacker-Truppe, die das große Hollywood-Studio seit knapp einer Woche tyrannisiert - (stern berichtete).

Und diesmal war es persönlich. Veröffentlichte die Hacker-Truppe bislang "nur" einige neue Sony-Filme, darunter auch der neue Brad Pitt Film "Fury", Gehälter und Marketing-Budgets, so kam die elektronische Post diesmal in Form einer handfesten Drohung. Der Branchendienst "Deadline.com" berichtet, dass die GOP jetzt die Sony-Mitarbeiter und ihre Familien direkt bedrohten und voraussagten, dass das Studio schon bald "kollabieren" werde. Die Droh-E-Mail wies auch erneut darauf hin, dass es sich bei dem/n Hacker/n möglicherweise um einen ehemaligen hohen Angestellten von Sony handeln könnte.

Die Sony Studios, die sich im Herzen von Los Angeles befinden und für Kinoklassiker wie "Men in Black", "Ghostbusters" und "The Amazing Spider-Man" verantwortlich zeichnen, scheinen den Hacker-Angriffen hilflos ausgeliefert zu sein.

Ein Sprecher des Studios zum stern: "Wir wissen, dass einige unserer Angestellten E-Mails von einer Gruppe erhalten haben, die sich GOP nennt. Wir kooperieren mit dem FBI."

Doch auch das FBI konnte bislang nicht verhindern, dass die GOP fünf neue Sony-Filme online ins Netz stellte, noch bevor sie in den Kinos Premiere feiern konnten. Darunter auch der als Weihnachtskassen-Knüller erwartete Film "Annie" mit Cameron Diaz in einer der Hauptrollen.

Hackerangriff als Rachefeldzug?

Das "Wall Street Journal" hatte die These aufgestellt, dass hinter den Hacker-Angriffen möglicherweise sogar der nordkoreanische Präsident Kim Jong Un stehen könnte. Der hatte sich bei den Vereinten Nationen bereits im Sommer über die von Sony produzierte Komödie "The Interview" beschwert. Darin versuchen zwei Journalisten, den nordkoreanischen Präsidenten umzubringen.

Grund war vermutlich die Darstellung Kim Jong Uns: Der Diktator ist im Film ein Zigarre-rauchender Lebemann, der sich vor allem mit Frauen und Partys beschäftigt. Auch der westlichen Kultur ist der Autokrat im Film nicht abgeneigt, in einer Szene brettert er etwa laut Kate Perry hörend durch die Landschaft - in einem Panzer.

Adam Sandler ist out

Der Hollywood Reporter hat derweil hunderte von gehackten und im Netz veröffentlichten internen Sony-Dokumenten ausgewertet. Besonders erwähnenswert ist dabei die Einschätzung von Top-Managern bei Sony, dass die Filme von dem einstigen Sony-Goldjungen Adam Sandler heute nicht mehr viel wert seien, und dass das Geld, das für Sandler und sein Team ausgegeben werde, lieber anderweitig angelegt werden sollte.

Mindestens ebenso interessant ist ein internes Sony-Dokument, das als "Ultimates" betitelt wurde. Dahinter verbirgt sich die "ultimative Profitabilität eines Films", nachdem alle Umsatzmöglichkeiten komplett ausgeschöpft und die Kosten abgezogen sind. Demnach waren eine ganze Reihe von Sony-Filmen, die 2013 produziert wurden, profitabel.

"Grown Ups 2" hat nach dem Dokument demnach 48 Millionen Dollar Profit eingebracht, "Captain Phillips" mit Tom Hanks in der Hauptrolle 39 Millionen Dollar, der Ensemble-Film "American Hustle" (mit Bradley Cooper und Amy Adams) immerhin noch 27 Millionen Dollar. Und selbst der von den Kritikern weltweit als "echte Gurke" bezeichnete "Monuments Men" mit George Clooney hat Sony noch 18 Millionen Dollar Profit eingespielt.

Sogar einige Gehälter von Sony-Schauspielern wurden durch den Hacker-Angriff jetzt bekannt. Für den oben beschriebenen Film "The Interview" erhielt Hauptdarsteller und Produzent Seth Rogen demach 8.4 Millionen Dollar. Sein Co-Star James Franco immerhin noch 6.5 Millionen Dollar.

Von Frank Siering, Los Angeles