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Soziale Netzwerke: Warum Twitter kein Geld verdient

Die ganze Welt zwitschert, und das Silicon Valley hat seine nächste große Hoffnung: Twitter. Doch Geld verdienen lässt sich mit dem Internetdienst keines. Nach Youtube und Facebook hat das Web 2.0 wieder mal eine Heiße-Luft-Nummer.

Von Matthias Lambrecht und Helene Laube

Wenn Hollywood-Star Ashton Kutcher neben seinem Tontechniker einen Furz lässt, wenn der neue Vizechef von Welt Online seinen Wechsel bekannt gibt oder wenn sich der deutsche Ebay-Sprecher über den Fahrservice bei einer Preisverleihung freut, dann muss dies natürlich den Kumpels, den Kollegen oder, besser noch, der ganzen Welt verkündet werden. Über Twitter. Mit dem Dienst lassen sich Botschaften von maximal 140 Zeichen absetzen. Und wer sich für das - schon aus Platzgründen - meist inhaltsarme Gezwitscher interessiert, kann sich in den Kreis der "Follower" einreihen, die der Absender mit seinen "Tweets" bedient, und die "Microblogs" in Echtzeit über Internet, Instant Messenger oder per SMS empfangen.

Und es sind viele, die sich dafür interessieren. Die Welt ist im Twitter-Fieber: Barack Obama, der deutsche Regionalpolitiker David McAllister, die Nachrichtenagentur Associated Press oder einfach nur Schülerinnen, die gerade die Casting-Show DSDS gucken - sie alle zwitschern fröhlich vor sich hin. Zehn Millionen Nutzer - siebenmal so viel wie vor einem Jahr. Den Erfolg kann auch Twitter-Gründer Evan Williams nicht erklären. "Das hat uns selbst überrascht."

Aber stolz kann er sein auf die Wachstumsgeschichte seiner Firma, die er vor drei Jahren mit Jack Dorsey und Biz Stone gegründet hat. Längst stehen den neuen Silicon-Valley-Helden große Finanziers zur Seite: Amazon-Gründer Jeff Bezos und die beiden Wagniskapitalfirmen Benchmark Capital und Institutional Venture Partners. 55 Millionen Dollar haben sie in Twitter gesteckt, dessen Wert bei der letzten Finanzierungsrunde auf 250 Millionen Dollar beziffert wurde. Pures Understatement. "Firmen wie Benchmark Capital", weiß Silicon-Valley-Blogger Michael Arrington, "streben einen Multimilliarden-Exit an."

Twitter verändert die Nachrichtenwelt

Doch lässt man sich mal nicht von der allgemeinen Aufregung anstecken und besieht sich die Firma mit ihren zwei Dutzend Mitarbeitern genauer, so sind selbst 250 Millionen Dollar schiere Unvernunft. Geld verdienen lässt sich mit Twitter bislang nicht - und ein tragfähiges Geschäftsmodell ist mit bestem Willen kaum auszumachen.

Die Macher scheint das wenig zu interessieren. Man sei in der "Research-Phase", so Williams. Es gebe "viele interessante Möglichkeiten, Umsatz zu machen". Aber: "Derzeit wollen wir uns dadurch nicht von der wichtigeren Aufgabe ablenken lassen - der Schaffung eines unwiderstehlichen Dienstes für Millionen Menschen auf der Welt."

In der Tat ist Twitter mehr als ein Dienst für Pubertierende und Profilneurotiker. Er kann unsere Nachrichtenwelt verändern. Wie stark, darüber streiten die Experten. Der bekannte Zukunftsforscher Paul Saffo zumindest sieht darin eine Umwälzung der Nachrichtenübermittlung. Was er damit meint, zeigte sich bei Ereignissen der vergangenen Monate. So berichteten Augenzeugen und Amateurreporter über die Terrorattacke in Mumbai oder die Notwasserung eines Jets auf dem Hudson River. "Während CNN und andere Sender noch versuchten, sich etwas zu den Ereignissen zusammenzureimen, führt Twitter deren Berichterstattung regelrecht vor - mit Dutzenden Tweets pro Minute, die Bürger vor Ort abschicken", schreibt Saffo.

Twitter - the next big thing

Twitter - the next big thing. So etwas beflügelt die Fantasie der Investoren. Wer wird die Firma übernehmen? Seit Monaten kochen Spekulationen hoch, werden Kaufpreise gehandelt: bis zu 500 Millionen Dollar. So haben offenbar die Betreiber des Internet-Netzwerks Facebook Interesse, ebenso die Suchmaschine Google. Twitter-Chef Williams weist dies zurück. Es wäre zu früh, das Unternehmen zu verkaufen, sagt er. "Das Potenzial ist so groß, es würde sich wie ein Verlust anfühlen, selbst wenn ein großer finanzieller Gewinn herausspränge."

Mag sein, dass Williams ein Zocker ist, der versucht, den Preis hochzutreiben. Immerhin hat der 37-Jährige mit Blogger.com bereits vorgemacht, wie man einen Hype begründet und das Unternehmen an Google verkauft. Sollte er aber diesmal tatsächlich vorhaben, aus eigener Kraft ein Geschäft aufzubauen, das die Erwartungen erfüllt, so muss er ein Wunder vollbringen.

Bislang ist sein Unternehmen nicht mehr als die neueste Heißluftnummer einer Ära, die wohl als Web-2.0-Blase in die Geschichte eingehen wird. Youtube, Myspace, Facebook - sie alle haben Großes versprochen und (finanziell) nichts erreicht.

Auf der Suche nach Geldquellen

Wie also mit Twitter Geld verdienen? Bislang haben die Gründer nur herumexperimentiert, mit Exectweets etwa, Kurznachrichten von Managern, die über eine von Microsoft gesponserte Website abgerufen werden können. Dazu will Williams künftig Unternehmen zur Kasse bitten, die über Twitter ihre Kunden über Produkte oder Sonderangebote informieren. Dies tun die Fluggesellschaft Jetblue, die Kaffeehauskette Starbucks und der PC-Anbieter Dell. Allzu viel dürfte dabei für Twitter aber nicht herausspringen. So hat Dell in 18 Monaten 1 Millionen Dollar über den neuen Vertriebsweg eingenommen - bei 60 Milliarden Dollar Umsatz.

Auch die Idee, einen gebührenpflichtigen Dienst anzubieten, der frei von Werbung ist, verspricht keine Reichtümer. Voraussetzung ist, dass Twitter-Manager Twitter so erfolgreich als Werbeformat vermarkten, dass genervte Nutzer bereit sind, für das reklamefreie Angebot zu bezahlen. Dies ist kaum zu erwarten.

Sicher, ein wenig Werbung lässt sich verkaufen. So hängt das Berliner Startup Magpie & Friends Reklamebotschaften an Tweets an und teilt den Erlös mit den Absendern. Aber das ist eine Ausnahme in einem schwierigen Markt. Onlinewerbung tut sich in der Krise schwer. In den USA hatte die Wachstumskurve 2008 eine deutliche Delle. "Die Einnahmen aus Werbung im Internet werden bei Weitem nicht in dem Umfang zunehmen, den viele in Geschäftsmodellen einplanen", warnt Christian Nagel, Geschäftsführer des Riskokapitalinvestors Earlybird.

Verhandlungen mit Google stocken

Und dass soziale Netzwerke keine Reklame mögen, haben bereits die Facebook-Macher lernen müssen. Deren Versuch, persönliche Daten wie die politische Haltung oder den Familienstand der Nutzer für eine gezielte Werbung zu vermarkten, löste 2007 große Proteste aus. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg musste den Rückzug antreten. Schätzungen zufolge liegen die jährlichen Werbeumsätze, die Facebook mit mehr als 200 Millionen Nutzern einfährt, bei gerade mal 300 Millionen Dollar. Nicht zuletzt deshalb dürfte der Firmenwert weit unter den 15 Milliarden Dollar liegen, auf den er vor zwei Jahren geschätzt wurde, als Microsoft sich in die Firma einkaufte.

Ob es was nützt, wenn eine Blase die andere schluckt? Ende vergangenen Jahres soll Facebook mit Twitter verhandelt haben. Williams winkte schließlich ab - zu verschieden waren die Meinungen über den Wert Twitters. Auch die Verhandlungen mit Google sollen deswegen stocken. Die Google-Chefs sind vorsichtiger geworden. Nach dem Kauf von Youtube haben sie lernen müssen, wie weit Wunsch und Wirklichkeit im Web 2.0 auseinander liegen.

Die Videoplattform wurde mit Aktien im Wert von 1,65 Milliarden Dollar bezahlt. Doch dann blieben auch hier die Werbeerlöse weit hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Jahr rechnet Spencer Wang, Analyst bei Credit Suisse, mit einem Verlust von 470 Millionen Dollar. Zu hoch sind die Kosten für Lizenzen und Technik. "Ohne Googles Kapital und Infrastruktur hätte Youtube möglicherweise nicht überlebt", schreibt der renommierte Silicon-Valley-Blogger Arrington

Übernahmespekulationen schaukeln die Bewertung hoch

Immerhin räumt Arrington dem Kurznachrichtendienst doch noch größere Chancen ein als Youtube. "Der Betrieb von Twitter kostet deutlich weniger." Auch sieht Arrington einen Trumpf in der Suchfunktion des Dienstes. Sie ermöglicht es Unternehmen, nach Tweets über ihre Produkte zu suchen und zielgenau Anzeigen zu platzieren. "Darauf werden die ihr Geschäftsmodell aufbauen", ist der Branchenexperte überzeugt. Arrington hofft, dass Twitter es aus eigener Kraft schaffen wird. "Alle Startups, die einen Börsengang anstreben, sind gut für das Silicon Valley", sagt er. Viele der jungen Unternehmen verschwänden nach einer Übernahme durch Konzerne in einem schwarzen Loch.

Doch weil es derzeit niemand bis an die Börse schafft, ahnt der Blogger, dass er schon bald über die nächste Übernahmespekulation berichten wird. Wenn Googles Interesse an Twitter anhalte, könnten auch die Wettbewerber nicht untätig bleiben. "Microsoft würde verhindern wollen, das Twitter wie Youtube in die Hände von Google fällt", prophezeit er. Dann dürften sich die Bewertungen hochschaukeln - und für Williams könnte es ausgehen wie immer: Er sei eigentlich nur "ein Bauernjunge aus Nebraska", sagt der Twitter-Chef, der bislang "sehr viel Glück im Beruf und im Leben hatte".

FTD
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.