Tipps für den digitalen Alltag Der Airbag für den Computer


Man merkt erst, dass das Sichern wichtiger Daten vernachlässigt wurde, wenn es zu spät ist. Dabei bieten moderne Betriebssysteme und Tools schmerzfreie Möglichkeiten fürs tägliche Backup. Letzter Teil der Serie mit Überlebenstipps für den digitalen Alltag.
Von Rainer Hattenhauer

Beliebte Frage in einem Computerforum: "Wie stelle ich die versehentlich gelöschte Datei XY wieder her?" Antwort: "Mit dem Backup des gestrigen Tages." Na toll. Gerade gestern hatten Sie aber keine Zeit, Ihre Daten zu sichern, ebenso vorgestern und vorvorgestern ...

Ich bekenne, dass ich selbst ein Sicherungspsychopath bin. Meine Datensicherungskarriere bekam einen wesentlichen Schub, als ein Mitarbeiter an der Uni sich nach zwei arbeitsreichen Jahren anschickte, seine Dissertation zusammenzuschreiben. Just am Tag nach dem bedeutungsvollen Entschluss verabschiedete sich die Festplatte des Laborrechners mit einem lauten mechanischen Knarzen - und mit ihr sämtliche Messdaten. Murphys Gesetz folgend war auch die einzige Sicherungsdiskette nicht mehr lesbar ...

Welchem Sicherungsmedium kann man überhaupt trauen? Bekanntlich sollen ja auch unsere geliebten Urlaubsfotos, die wir mühsam auf CD-Rohlinge gebrannt haben, dort schon nach drei bis vier Jahren vom Verfall bedroht sein. "Digitale Demenz" nennt man das heutzutage. Also sichert man wichtige Daten wohl doch besser auf einer zusätzlichen externen Platte - um dann nach einigen Jahren festzustellen, dass deren Mechanik auch nicht unsterblich ist. Linus Torvalds, der Vater des freien Betriebssystems Linux, sagt: "Only wimps use tape backup: real men just upload their important stuff on ftp, and let the rest of the world mirror it." Auf gut Deutsch: Nur Warmduscher machen Backups auf Bändern, der harte Kerl in der IT lädt seine wichtigen Dateien auf einen FTP-Server und lässt diese vom Rest der Welt spiegeln. In der Tat haben Onlinespeicherlösungen ihren ganz eigenen Charme.

Im vorliegenden Kapitel lernen Sie zunächst wichtige Sicherungsstrategien kennen, bevor es an das eigentliche Backup von Daten oder ganzen Betriebssystempartitionen geht. Wenn Sie die Tipps und Tricks umsetzen, kann die nächste Datenhavarie Ihrem Gemütszustand nicht mehr viel anhaben.

Das braucht man

Sicherungsmedien: Das kann eine externe oder interne Zweitfestplatte sein. Weniger geeignet sind DVDs oder gar CDs aufgrund des hohen Datenaufkommens bei Datensicherungen in aktuellen Betriebssystemen. Eine Windows Vista- bzw. Windows 7-Partition nimmt in der Regel mindestens 30 GByte Speicherplatz ein, das heißt, man müsste mindestens 7 Single-Layer-DVDs für ein Komplettbackup bereithalten. Möchte man allerdings nur einzelne Verzeichnisse sichern, kann man dies durchaus auf CDs/ DVDs tun. Ideal für die Sicherung persönlicher Daten sind in jedem Fall USB-Speichersticks. Sollen überschaubar viele Daten gesichert werden, auf die man darüber hinaus von jedem Ort der Welt zugreifen möchte, dann sollte man über Onlinespeicher nachdenken.

Backupsoftware: Aktuelle Betriebssysteme sind meist von Haus aus mit Werkzeugen zur Datensicherung ausgestattet. Windows bietet zum Beispiel den Mechanismus der Schattenkopien an, bei dem Vorgängerversionen von bearbeiteten Dateien automatisch gesichert werden. Auch ein Komplettbackup ist bei den teuren Varianten von Windows Vista/Windows 7 (Premium, Ultimate) zu finden. Apple hat in Mac OS X mit Time Machine ein geniales Backuptool integriert. Wir werden uns im Folgenden aber hauptsächlich mit Alternativen jenseits des Betriebssystem-Mainstreams beschäftigen: Mit dem SyncToy von Microsoft halten Sie Verzeichnisse auf verschiedenen Medien synchron. Mit dem Werkzeug SyncBack klappt das sogar in Verbindung mit einem FTP-Server. Und wer schließlich ganze Partitionen bzw. Systeme sichern will, der nutzt ein kommerzielles Werkzeug wie Norton Ghost, Acronis True Image oder die freie Lösung partimage, die auf der Open-Source-SystemRescueCD enthalten ist.

Backupstrategien

Was muss eigentlich überhaupt gesichert werden? Arbeiten Sie nach folgender Reihenfolge:

1. Die sogenannten persönlichen Daten: Das sind Dokumente, die Sie persönlich verfasst haben, zum Beispiel wichtige Texte oder Ihre Steuererklärung, aber auch Musik, die Sie teuer von einem Onlinestore wie z. B. iTunes erworben haben, oder Bilder und Videos des letzten Urlaubs. Unter Windows finden Sie die persönlichen Daten bei einer Standardinstallation im Startmenü des angemeldeten Benutzers. Die persönlichen Daten sind beim Neueinspielen des Betriebssystems unwiederbringlich verloren.

2. Die Einstellungen und Daten wichtiger Programme: Das können z. B. die Konfiguration des Mailprogramms oder die über Jahre gesammelten Bookmarks Ihres Browsers sein. Anwender der freien Programme Firefox und Thunderbird finden mit dem MozBackup-Utility ein geeignetes Werkzeug zur Sicherung der wichtigen Bookmarks und E-Mails, zum Beispiel auch dann, wenn der Umzug der Daten auf einen anderen PC anstehen sollte.

3. Natürlich kann der PC auch komplett gesichert werden. In diesem Fall findet man nach dem Zurückspielen der Sicherung den letzten Zustand vor. Das geschieht mit sogenannten Imaging-Werkzeugen. Beachten Sie bei Ihren Sicherungen stets das goldene Prinzip der Medienstreuung: Sehr wichtige Dokumente wie zum Beispiel Ihre Doktorarbeit oder die Habilitationsschrift sollten auf verschiedenen Medien an verschiedenen Orten aufbewahrt werden. Dann kann Ihnen auch ein Wohnungsbrand nichts anhaben.

Unterschiedliche Datenträger

Für unterschiedliche Datentypen bieten sich auch unterschiedliche Sicherungsmedien an:

1. Persönliche Daten wie Texte oder Tabellen können zum Transport oder zur Aufbewahrung an verschiedenen Orten auf USB-Memorysticks gesichert werden. Diese sparen Platz und bieten mittlerweile auch ausreichend Speicherkapazität für wenig Geld.

2. Heruntergeladene Programme können auf beliebigen Medien (Sticks, Festplatten, DVDs) gespeichert werden. Die Sicherung von Programmen ist dann sinnvoll, wenn man ein installiertes Programm nach einer Fehlkonfiguration noch einmal von Grund auf neu installieren möchte. Wenn Sie Ihr System aber komplett neu aufsetzen möchten, ist zu überlegen, ob Sie die benötigten Programme nicht erneut aus dem Internet herunterladen, da es mit Sicherheit schon wieder neuere Versionen gibt.

3. MP3s oder Videodateien werden auf eine externe Festplatte gespeichert. Mit Kapazitäten von bis zu einem Terabyte passen nicht nur Ihre Urlaubsbilder, sondern auch die Ihrer Kinder und Kindeskinder drauf. Auf diese Weise können Sie z. B. Ihren kompletten iTunes-Ordner sichern. Ein Restore der Daten erfolgt dann über den Punkt Datei/Ordner zur Mediathek hinzufügen im iTunes-Programmmenü. 4. Abbilder des Systems (Images) sollten ebenfalls auf externen Festplatten gespeichert werden.

Mein Sicherungsmarathon: Vorbereitungen

Begleiten Sie mich im Folgenden auf meinem höchstpersönlichen Sicherungsmarathon, nach dem ich selbst beruhigt sagen kann: "So, der nächste Plattencrash kann kommen." Ich verwende dabei folgende zusätzliche Werkzeuge:

- Den Windows Explorer zum einfachen Kopieren von Dokumenten (Texten, Tabellen etc.) auf ein externes Medium, z. B. einen USB-Memorystick.
- Das Microsoft SyncToy (derzeit aktuelle Version: 2.0). Das Programm ist zwar in englischer Sprache lokalisiert, bietet aber meines Erachtens die derzeit beste Funktionalität zum Datenabgleich auf verschiedenen Medien.
- MozBackup zum Sichern meiner Thunderbird-E-Mails sowie der Firefox-Bookmarks.
- Ein konventionelles Brennprogramm wie zum Beispiel Nero (www.nero.com, ca. 60,- Euro) zum mittelfristigen Sichern von Downloads auf DVD.
- Die Software SyncBack zum Abgleich von Daten mit einem FTP-Server.
- Norton Ghost als kommerzielles Werkzeug zum Erstellen eines Images der Systemplatte aus dem laufenden System heraus (www.norton.de, ca. 40,- Euro). Alternativ können Sie hier auch Acronis True Image verwenden.

Mein Sicherungsmarathon: Dokumente

Beginnen Sie mit der Sicherung Ihrer wichtigen Textdokumente auf einem USB-Memorystick oder einer externen Festplatte. Begeben Sie sich dazu im Windows Explorer zum Verzeichnis Dokumente und ziehen Sie dessen Inhalt per Drag&Drop auf das Symbol des Sicherungsmediums in einer zweiten Instanz des Explorers. Ordentliche Menschen legen zu diesem Zweck auf dem Sicherungsmedium einen Ordner an.

Auf diese Weise können Sie eine Datensicherung mit Bordmitteln vornehmen. Möchten Sie die Sicherung etwas komfortabler gestalten und zwei Verzeichnisse auf dem PC und dem Sicherungsmedium synchron halten, bietet sich die Software SyncToy von Microsoft an.

Starten Sie SyncToy und definieren Sie über Create New Folder Pair ein neues Ordnerpaar, das synchron gehalten werden soll. Der Quellordner ist dabei das Windows-Verzeichnis Dokumente, als Zielordner wählen Sie ein entsprechend neu erstelltes Verzeichnis auf dem Sicherungsmedium.

Mittels Preview können Sie sich zunächst anzeigen lassen, welche Dateien bei einem Abgleich synchronisiert würden. Mittels Run wird dann die eigentliche Synchronisation durchgeführt. SyncToy ist für mich ein unverzichtbares Werkzeug zur Datensicherung geworden. Unter anderem gleiche ich damit auch meine iTunes-Sammlung mit einer externen Festplatte ab.

Mein Sicherungsmarathon: E-Mails

Theoretisch könnte man auf die beschriebene Weise die komplette Festplatte sichern, spezielle Programme wie das E-Mail-Modul verlangen allerdings nach besonderen Sicherungstechniken. Da ich den Mailer Thunderbird verwende, kommt bei mir für diesen Zweck MozBackup zum Einsatz. Wenn Sie hingegen die Windows-eigenen E-Mail-Programme verwenden, sollten Sie zur Sicherung der Daten nach der integrierten Exportfunktion oder einem Spezialprogramm Ausschau halten (Google: windows mail sichern).

Installieren Sie das Sicherungsprogramm (hier: MozBackup) und starten Sie es. Wählen Sie die Anwendung aus (Thunderbird bzw. Firefox), deren Daten gesichert werden sollen, sowie die Option Profil sichern.

Wählen Sie im nächsten Schritt das Profil (in der Regel default) und das Verzeichnis, in dem die Daten gesichert werden sollen, aus.

Dieses sollte sich ebenfalls auf einem externen Speichermedium befinden. Sie haben an dieser Stelle die Möglichkeit, die gespeicherten Daten durch ein Passwort zu schützen. Durch Betätigen des Knopfes Weiter wird die Sicherung schließlich angeworfen. Die Wiederherstellung der gesicherten Daten erfolgt in ähnlicher Weise über den Punkt Profil wiederherstellen.

Mein Sicherungsmarathon: Programme

Einen Großteil meiner verwendeten Software erwerbe ich mittlerweile als Downloadversion. Die Installationsdateien der Programme sowie die Lizenzschlüssel speichere ich in einer Ordnerstruktur unterhalb des Systemordners Download ab. Der Ordner selbst wird von Zeit zu Zeit auf DVD gesichert. Dadurch hat man für den Fall, dass man das System einmal neu aufsetzen muss, einen Überblick darüber, was alles installiert werden muss. Die Installationsschlüssel sind somit ebenfalls zentral gesichert.

Legen Sie einen DVD-Rohling in Ihren Brenner ein und starten Sie Ihr bevorzugtes DVD-Brennprogramm.

Ziehen Sie den zu sichernden Ordner (im vorliegenden Fall Download) per Drag&Drop auf das Symbol des DVD-Rohlings und brennen Sie die Sicherung.

Alternative: FTP oder Onlinespeicher

Eine echte Sicherungsalternative, sofern man über eine schnelle Upstream-Internetanbindung verfügt, ist die Sicherung via FTP auf einem Onlinespeicher. Für diesen Zweck bietet sich das Werkzeug SyncBack an. SyncBack ist umgekehrt auch geeignet, eine Website auf dem lokalen Rechner zu sichern. Das Prinzip von SyncBack ähnelt dem von Microsoft SyncToys: Auch hier werden Ordnerpaare definiert, die vom Programm synchronisiert werden. Achten Sie dabei genau darauf, wo sich Quelle und Ziel befinden.

Mit steigender Bandbreite moderner Internetanschlüsse wird die Sicherung von persönlichen Daten auch vermehrt auf Onlinespeichern stattfinden. Sensible Daten sollte man selbstverständlich nur verschlüsselt auf fremden FTP-Servern ablegen. Professionelle Imaging-Programme bieten entsprechende Funktionen.

Mein Sicherungsmarathon: Systempartitionen

Kommen wir zu einer etwas heiklen Geschichte: der Sicherung kompletter Systempartitionen. Der Idealfall sieht so aus, dass man nach einem Plattencrash die Rettungs-CD des Imaging-Tools bootet, das System vom Sicherungsmedium (z. B. einer externen USB-Festplatte) auf die integrierte Platte einspielt und alles so läuft wie vorher. Guten Gewissens kann ich Ihnen an dieser Stelle eigentlich nur ein kommerzielles Imaging-Tool wie Norton Ghost oder Acronis True Image empfehlen. Die in Windows Vista/Windows 7 eingebaute Komplettsicherung funktioniert meiner Erfahrung nach nicht in allen Szenarien einwandfrei.

Moderne Imaging-Tools bieten den Vorteil, aus einem laufenden System heraus sichern zu können. Bei Norton Ghost etwa geschieht das folgendermaßen:

Starten Sie das Imaging-Programm Norton Ghost und wählen Sie mithilfe des Backupassistenten das Komplettbackup aus. Definieren Sie Quellpartition und Zielspeichermedium und starten Sie das Komplettbackup. Das Backup läuft nun im Hintergrund und kann je nach Partitionsgröße bis zu einer halben Stunde in Anspruch nehmen. Keine Angst, der Assistent bewahrt Sie vor groben Schnitzern. Sollten Sie sich nun das System einmal komplett zerschießen, dann booten Sie von der Rettungs-DVD und spielen mithilfe des Assistenten die gesicherte Partition wieder ein.

Die Software ist dabei so intelligent, dass sogenannte inkrementelle Backups angefertigt werden. Es werden dabei nur die Daten gesichert, die sich zwischen zwei Sicherungen verändert haben. Mithilfe des integrierten Dateibackups haben Sie außerdem die Möglichkeit, alte Versionen von Dateien aus dem Image zuverlässig wiederherzustellen. Das kann dann nützlich sein, wenn man mit der aktuellen Version eines Textes nicht zufrieden ist, die Datei mit der alten Version aber schon überschrieben hat.

Damit wären wir am Ende unserer Sicherungsrundtour. Belassen Sie es bitte nicht bei guten Vorsätzen - der nächste Headcrash lauert schon!

So geht's bei MacOS und Linux

Die Sicherung kompletter Systempartitionen funktioniert bei Linux hervorragend mit einer Knoppix-CD, mit der man von außen auf das System zugreift.

Unter Mac OS verwenden Sie die geniale, in Mac OS X integrierte Software Time Machine: Wenn Sie eine externe Festplatte anschließen, wird Ihnen diese automatisch als Sicherungsmedium für Time Machine angeboten. Sie haben dann nach erfolgter Sicherung die Möglichkeit, das System zu einem beliebigen Zeitpunkt wiederherstellen zu lassen. Da kann dann wirklich gar nichts mehr schiefgehen, falls eine Datei einmal versehentlich gelöscht wird.


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