Handy-Belastungstests Die Qual der Wahlwiederholung


Bevor ein neues Handy in den Verkauf geht, testen nicht nur die Hersteller, sondern auch die Mobilfunkanbieter die Geräte auf Belastbarkeit. Roboter wählen Nummern und verschicken MMS - Tag und Nacht.

Im Zangengriff des Roboters muss das neue Handy seine Qualitäten beweisen. Ein Finger aus kaltem Stahl gleitet im Düsseldorfer Testzentrum des Mobilfunkanbieters Vodafone über die Tastatur und wählt eine Nummer für eine Video-Verbindung. Gleichzeitig wacht ein Kamera-Auge darüber, was sich auf dem Display des Mobiltelefons tut. "Vor der Einführung eines neuen Handys nehmen wir 800 bis 1.000 solcher Testläufe vor, um unseren Kunden eine möglichst hohe Qualität zu gewährleisten", erklärt der Leiter des Vodafone-Testcenters in Düsseldorf, Christian Tralle. "Wir testen immer aus der Sicht des Endkunden. Der Mobile Robot macht das, was der VF-Kunde dann auch tut." Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Roboter Tag und Nacht im Einsatz ist. In diesen Wochen haben die Mitarbeiter im MVTC, dem "Multi Vendor Test Center", neue UMTS-Handys auf dem Prüfstand.

Momentan umfasst das Angebot an UMTS-Handys bei Vodafone über 10 Modelle. Im Weihnachtsgeschäft will Vodafone das Handy-Angebot mit neuen Modellen für den mobilen Zugriff aufs Internet weiter ausbauen. Dabei werden alle Funktionen des Geräts und der Handy-Software mehrfach geprüft, darunter vor allem auch die Nutzung der unter dem Namen "Vodafone live!" zusammengefassten Multimedia- und Info-Portale. Die von Vodafone selbst entwickelten Roboter sind vor allem für Ausdauertests zuständig. So soll sicher gestellt werden, dass eine bestimmte Funktion nicht nur beim ersten Mal, sondern auch beim 1001. Mal so funktioniert, wie es gedacht ist.

Dabei stehen die Tester in engem Kontakt mit den Ingenieuren der Handy-Hersteller und machen diese sofort auf entdeckte Fehler aufmerksam. "Im Mittelpunkt unserer Tests steht immer das Zusammenspiel von Hardware und Software in der gesamten Wirkkette eines Mobilfunknetzes. Netztechnologie, Dienste, Applikationen und Endgeräte müsssen optimal aufeinander abgestimmt sein", erklärt Diplomingenieur Tralle. So steht auf der anderen Seite der "Mobile Robots" ein "Soft-Robot", der gerade dabei ist, die Qualität der Datenverbindungen zu testen: Alle 15 Minuten verschickt er eine MMS, also eine Multimedia-SMS mit Bild oder Ton, und misst die "Auslieferungsgeschwindigkeit", also die Zeitdauer, bis die Botschaft beim Adressaten eintrifft. Das Test-Center verfügt über ein eigenes autarkes Mobilfunknetz mit der gleichen Systemtechnik von Siemens und Ericcson wie das Netz in Deutschland.

Zwei Wochen Härtetest

Rund 6.500 Quadratmeter stehen auf dem Gewerbestandort an der Völklinger Straße in Düsseldorf für Systemtechnik und Testräume zur Verfügung. "Wir testen hier alles, was das Vodafone-Netz ausmacht, das ist neben den Handys die gesamte Netztechnik", erklärt Hausherr Tralle. Von den etwa 150 Vodafone-Mitarbeitern im MVTC sind 50 vorwiegend mit den Tests von Handys beschäftigt. Daneben testen hier auch die Ingenieure von anderen Unternehmen ihre Geräte oder Netzangebote im Zusammenspiel mit dem Vodafone-Netz. Strenge Sicherheitsvorkehrungen verhindern, dass jemand die Neuheiten der Konkurrenz vorzeitig zu Gesicht bekommt. Ein typischer Gerätetest dauert bei einem klassischen GSM-Handy etwa 14 Tage, bei einem UMTS-Handy etwas länger.

Die technischen Untersuchungen der Ingenieure sind Teil der "Acceptance Phase" von acht bis zehn Wochen, in der die Entscheidung über die Einführung eines neuen Handys fällt. Dass ein Gerät dabei durchfällt, kommt aber relativ selten vor, weil bereits bei der Auswahl eines neuen Modells strenge Kriterien angelegt werden.

Geräte immer leichter und leistungsfähiger

Bei den neuen UMTS-Handys setzt sich der Trend fort, der immer höherwertige Funktionen mit schickem Design verbindet - meist in den Farben Schwarz und Silber. So wird es ein Telefon von Sharp mit einer Kamera geben, deren Sensor eine Auflösung von 3,2 Megapixel bietet. Das Sharp V903 (mit Vertrag ab 300 Euro, ohne Vertrag 800 Euro) hat einen optischen Zweifach-Zoom und ein großes Display mit 320 mal 240 Pixel. Und von Sony Ericsson kommt mit dem Modell V600i (mit Vertrag ab 9,90 Euro, ohne Vertrag 600 Euro) ein UMTS-Handy, das nur noch 101 Gramm wiegt - auch dank der Entscheidung für das klassische Riegel-Design statt der Ausführung mit Klappe. Hier begnügt sich die Kamera mit einer Auflösung von 1,3 Megapixel, dafür gibt es aber ein integriertes UKW-Radio.

Von den 27,7 Millionen Vodafone-Kunden in Deutschland nutzen bislang 530.000 auch UMTS. Von ihnen haben 410.000 ein UMTS-Handy und 120.000 eine Notebook-Datenkarte. Während die Video-Telefonie von den Mobilfunkanwendern offenbar eher zögerlich angenommen wird, finden der Musik-Download sowie das Handy-Fernsehen wie die werbefreie Zusammenfassung der Bundesligaspiele am Samstagabend nach Angaben von Vodafone-Sprecher Heiko Witzke wachsenden Anklang: "Mobile TV läuft aus unserer Sicht zurzeit am erfolgreichsten bei UMTS."

Peter Zschunke/AP AP

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