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Handy-Designer Nuovo: Luxus mit Klingelton

Mobiltelefone gibt's für einen Euro - und für 55.000 Euro. Dann ist es ein Luxus-Handy von Vertu. Chef-Designer Frank Nuovo verarbeitet Edelmetalle und Diamanten. Im stern.de-Interview spricht er über Inspirationen - und seine Zeit bei Nokia.

Von Dirk Liedtke

Sie sind die teuersten Mobiltelefone der Welt: Handys der Edelmarke Vertu. In England werden sie seit vier Jahren in einer kleinen Fabrik zu einem großen Teil von Hand zusammengebaut. Die Bauteile sind hochwertig und wertvoll wie bei einer Schweizer Uhr: Weißgold, Platin, Diamanten, gegossenes Aluminium und Leder. Die Preisliste startet bei rund 3500 Euro und geht hoch bis auf 55.000 Euro. Das Unternehmen ist ein Ableger des finnischen Weltmarktführers Nokia. Der Chef-Designer der Firma, der Italo-Amerikaner Frank Nuovo, 45, war bis zum März auch für das Design aller Nokia-Handys verantwortlich. Seitdem kümmert er sich ausschließlich um den Look der schwer in der Hand liegenden Edel-Telefone. Der Sitz seines neuen Design-Studios ist an seinem Wohnort im Westen von Los Angeles.

stern.de traf ihn zum Interview im neuen Vertu-Store auf Hamburgs Luxus-Einkaufsmeile Neuer Wall. Nuovo benutzt alle drei Vertu-Modelle. Sein Signature-Platin-Modell hat bereits Gwyneth Paltrow in die Kameras gehalten, als die Marke 2002 in Paris startete.

Warum haben Sie bei Nokia aufgehört?

Ich wurde 45 im März und fragte mich: Hey, noch fünf Jahre bis 50! Was will ich eigentlich tun, wenn ich 50 bin, was wenn ich 55 bin? Es war ein sanfter Abgang. Es wurde einfach Zeit. Es gibt nur wenige, die mit 35 schon Design-Chef einer großen Firma sind.

Warum sind sie den Finnen treu geblieben?

Die Finnen waren gut zu mir. Ich habe das Nokia-Design aus dem Nichts aufgebaut. Genauso bei Vertu. Ich wollte, dass der Vertu-Traum weiterlebt. Daneben entwickle ich meine eigenen Design-Ideen in meinem Studio - allerdings nur für Projekte, an denen ich einen Anteil halte. Die meiste Energie verwende ich aber auf Vertu.

Früher haben Sie Hunderte von Modellen jährlich abgenickt, jetzt nur noch eins, wenn es hochkommt. Wie fühlt sich das an?

Früher war ich der Dirigent eines globalen Design-Teams und habe kaum mit meinen eigenen Händen entworfen. Bei Vertu kümmere ich mich um jedes Detail. Das ist sehr spannend und schärft meine Fähigkeiten als Designer.

Wie lassen sie sich inspirieren?

Für das jüngste Modell "Constellation" war das gleichnamige Propeller-Flugzeug aus der großen Zeit der Flugreise in den Vierzigern und Fünfzigern ein Vorbild. Das sieht man an den nachgebildeten Luftauslässen, den Nieten und dem winzigen Propeller im Mikrofon des Telefons. Das Modell will nicht ultra-modern sein. Es ist inspiriert von Kunststilen wie Art Nouveau. Deshalb nenne ich meinen Stil im Scherz auch Art Nuovo.

Und wo kommen die Ideen für die künftigen Modelle her?

Ich umkreise ständig den Globus auf der Suche nach dem nächsten Ding. In diesem Jahr war ich in Bali, Bombay, Bangkok, Peking, Shanghai, quer durch Europa und die USA. Ich interessiere mich für Kunst, für natürliche Materialien in Klassikern, wie Handwerker diese verarbeiten. Aber auch in Musik. Alles, was inspiriert, was eine zweite Botschaft hat.

Was wird es denn an neuen Materialien in Vertu-Telefonen geben?

Wir haben viele Prototypen mit Holz gebaut. Wir experimentieren mit Metallen, mit Mischungen. Wir waren bei den ersten, die so genanntes flüssiges Metall eingesetzt haben. Das daraus hergestellte Modell "Ascent" ist so stabil, da können Sie mit einem Auto drüber fahren. Unsere Kunden schätzen die wertvollen Materialien, auch das hohe Gewicht. Sie wollen nicht unbedingt dass dünnste Handy haben.

Welche Trends sehen Sie in der ferneren Zukunft?

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Uhr von Vertu, die eine SMS anzeigt während das Telefon in der Aktentasche liegt. Mit der Miniaturisierung der Technik kann deren Funktion - etwa ein Mikrofon - in Schmuckstücken verschwinden, einem Ohrring, einem Armband. Dieser digitalisierte Schmuck könnte rund um die Uhr ihre Körperfunktionen messen und die Daten an das Telefon übertragen als ihr persönlicher Wellness-Manager.