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Howard Rheingold: Wenn der Mob smart wird

Mobilfunk macht die Massen mächtig, glaubt der Soziologe Howard Rheingold. SMS könnten schon jetzt Wahlen entscheiden.

Die Erleuchtung kam Howard Rheingold an einem Frühlingsnachmittag vor drei Jahren in den Straßen von Tokio: Rings um sich herum beobachtete der amerikanische Soziologe Menschen, die ihre Mobiltelefone nicht ans Ohr hielten, sondern vor die Augen - sie tippten Textnachrichten. Es war Rheingolds erste Begegnung mit einem Phänomen, das er heute "Smart Mobs" nennt: Wenn Gleichgesinnte dank Handy und SMS ihre Kräfte bündeln, bekommen sie genug Macht, um Wahlen zu entscheiden und sogar Präsidenten zu stürzen. Im Gespräch mit dem stern erklärt der 55-Jährige, warum mobile Technik unser Leben ähnlich dramatisch verändern könnte wie der PC und das Internet.

Herr Rheingold, was macht Smart Mobs smart?

Ein Smart Mob ist eine Gruppe von Menschen, die Mobiltechnik nutzen, um sich spontan zusammenzutun, egal wo sie sind - mit dem Ziel, gemeinsam etwas zu erreichen: einen Superstar im TV zu wählen, eine Demonstration zu organisieren, Freunde zum Ausgehen zu finden oder auch 25 Leute zusammenzutrommeln, um einen niedrigeren Preis bei einem Geschäft auszuhandeln. Smart Mobs sind nicht unbedingt weise. Ich habe bewusst den Begriff "Mob" gewählt, weil da etwas Bedrohliches mitschwingt: Nicht alle Gruppen, die sich auf diese neue Art organisieren, haben das Gemeinwohl im Sinn. Kriminelle, Terroristen, totalitäre Regime - sie alle bekommen mehr Macht.

Wo haben Sie dieses Phänomen schon konkret beobachtet?

Zum Beispiel bei den jüngsten Wahlen in Südkorea: Präsident Roh Moo Hyun lag eine Woche vor der Stimmabgabe noch zurück, ehe seine Anhänger per Internet und SMS eine Kampagne starteten, um Wähler zu mobilisieren. Die Proteste gegen die "Miss World"-Wahlen in Nigeria wurden ebenfalls per Handy und SMS organisiert, genau wie viele Demonstrationen gegen den Irak-Krieg. Das ging alles viel schneller als früher.

Und obendrein blieben die Protestler mobil.

Genau. "Die Polizei ist drei Straßen weiter" - das sieht man nicht, wenn man am Schreibtisch sitzt. Vieles bei diesen Demonstrationen war Selbstorganisation: 10.000 Gruppen von jeweils fünf Leuten, die sich untereinander koordinieren. Wir sehen das auch an weniger dramatischen Beispielen: Überall in der Welt verabreden sich Teenager per Handy zur selben Zeit in Cafés und in Einkaufszentren. Das mag trivial erscheinen, aber in zehn Jahren werden diese Kids 25 sein und Geräte nutzen, die tausendmal mehr können.

Nämlich was?

Ich kann Ihnen noch keine konkreten Beispiele nennen. Es ist so ähnlich wie 1990 mit dem Internet: Schon damals war klar, dass große Veränderungen kommen würden - aber niemand hätte Google, Ebay oder die Dot-com-Blase vorhersehen können. Genauso unmöglich ist es, jetzt schon zu sagen, was die Leute alles mit Mobiltechnik anfangen werden. Klar ist nur: Wir haben eine Schwelle überschritten. Neue Berufe werden entstehen, alte verschwinden, unsere Gewohnheiten werden sich grundlegend ändern.

Nur weil wir das Internet überallhin mitnehmen können?

Wenn man Technologien kombiniert, kommt dabei sehr oft etwas ganz Neues heraus. Zum mobilen Internet fällt vielen Leuten nur ein: "Prima, dann kann ich überall surfen und immer meine Aktienkurse überprüfen." Da ist sicher etwas dran, aber wir sollten auch das Unerwartete erwarten.

Es gibt zumindest hübsche Visionen - zum Beispiel, dass sich Traumpaare finden, weil ihnen ihre Handys sagen, dass sie füreinander geschaffen sind.

Es ist für uns schon Alltag, dass wir im Internet zu jedem Thema Menschen mit ähnlichen Interessen finden - egal, ob sie seltene Hunde züchten, ihr Kind mit Krebs diagnostiziert wurde oder sie ein Problem mit ihrem Computer lösen möchten. Nun stellen Sie sich vor, das ginge, während Sie über die Straße gehen.

Warum gibt es das nicht längst?

Wir haben noch kein System, das Vertrauen schafft. Märkte und gemeinsames Handeln basieren auf Vertrauen, andernfalls passieren gewisse Dinge eben nicht: Wir lassen uns nicht einfach von Fremden mitnehmen, und erlauben ihnen auch nicht, auf unsere Kinder aufzupassen. Ebay zeigt, dass es möglich ist, diese Hemmschwelle zu überwinden: Wenn ein Verkäufer 3000 Empfehlungen hat, dann sagt mir das, dass ich ihm wahrscheinlich guten Gewissens Geld überweisen kann. Die Frage ist, ob sich dieses Prinzip auf das mobile Internet übertragen lässt.

Keine Frage scheint zu sein, dass Datensammler goldenen Zeiten entgegensehen, weil Telekomkonzerne und Staat jeden Knopfdruck registrieren. Sie wissen sogar, wo der Handynutzer wann gewesen ist.

Sorgen bereitet mir vor allem, wie eifrig viele Leute freiwillig ihre Daten preisgeben, um sich ein bisschen Bequemlichkeit oder Rabatte zu erkaufen. Etwa die Kundenkarten: Für zehn Cent Nachlass erfährt der Supermarkt genau, was Sie kaufen. Um die politischen Freiheiten steht es nicht besser. Nach dem 11. September 2001 haben die Amerikaner bereitwillig vieles aufgegeben. Demokratie, wie wir sie heute kennen, ist durch die technischen Möglichkeiten des Staates, seine Bürger zu kontrollieren, akut bedroht.

Können Smart Mobs dagegen ankämpfen?

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits geben wir mehr und mehr Informationen aus der Hand, die dazu verwendet werden können, uns zu überwachen - andererseits bekommen wir ganz neue Mittel, uns mit anderen zusammenzuschließen.

Interview: Karsten Lemm / print
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.