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LG G3 im Alltagstest Das schärfste Handy der Welt


Was für ein Brocken! Das LG G3 hat ein riesiges, extrem hochauflösendes Display, das Kino-Feeling für die Hosentasche verspricht. Doch braucht man das? Wir haben das Handy getestet.
Von Christoph Fröhlich

Mehr ist mehr - das ist seit jeher das Motto der Technikwelt. Full HD zum Beispiel, für das viele Nutzer ihre alte Röhre eingemottet haben, ist schon wieder Schnee von gestern. Längst stapeln sich in den Elektronikgeschäften schrankwandgroße, extrem hochauflösende Ultra-HD-Fernseher. Schneller, schärfer, besser, das gilt auch für Smartphones: Mit dem G3 bringt LG nun das erste Handy mit 2K-Display nach Deutschland. Es hat eine Auflösung von 1440×2560 Pixeln, damit ist es das schärfste Handy der Welt und lässt in puncto Pixelpower selbst den Fernseher im Wohnzimmer alt aussehen. Doch kann das Handy im Alltag überzeugen? Wir haben das Smartphone eine Woche lang ausprobiert und sagen, welche Dinge uns begeistert haben - und welche nicht.

Diese fünf Features finden wir klasse

Display:
Das Herzstück des LG G3 ist der Bildschirm. Die Quad-HD-Auflösung punktet vor allem bei Videos und Fotos: Wir haben testweise einen 2K-Trailer des Weltraumblockbusters "Gravity" angesehen und man konnte jedes Detail auf dem 5,5 Zoll großen Screen erkennen. Beeindruckend! Die Farben und Kontrastwerte sind gut, wenn auch nicht herausragend. Wer knallige Farben mag, sollte eher zu einem Samsung-Modell greifen. Schriften werden vollkommen glatt dargestellt und wirken wie mit einem Keil eingeritzt.

Für den Großteil der Anwendungen dürfte es derzeit noch egal sein, ob man auf ein 2K-Display oder einen Full-HD-Screen schaut. Einige Apps kommen mit der hohen Auflösung gar nicht erst klar. Das Rennspiel "Real Racing 3" etwa verweigerte in unserem Test den Dienst. Wer regelmäßig extrem hochauflösende und detaillierte Bilder anschaut - etwa Kunstdrucke -, dürfte am G3 seine hellste Freude haben.

Ausstattung:
Im LG G3 steckt alles, was was gut und teuer ist. Dank eines pfeilschnellen Prozessors und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher muss sich das LG-Flaggschiff nicht vor der Konkurrenz verstecken. Praktisch ist der microSD-Slot, mit dem sich das Handy theoretisch um bis zu zwei Terabyte erweitern lässt. Leider gibt es diese Speicherkarten noch nicht, und bis diese zu bezahlbaren Preisen im Saturn an der Zubehörwand hängen, ist das Handy schon wieder veraltet. Schade eigentlich. Derzeit ist bei 128 Gigabyte Schluss.

Kamera:
Die 13-Megapixel-Kamera knipst sehr gute Bilder. Ein eingebauter optischer Bildstabilisator schützt vor groben Unschärfen. Der Laser-Autofokus misst die Entfernung zum Motiv, wodurch die Kamera in Sekundenbruchteilen fokussiert - selbst im Dunkeln stellt die Kamera problemlos scharf. Bei schlechten Lichtbedingungen neigt sie aber zum Bildrauschen.

Software:
Das Betriebssystem basiert auf Android 4.4.2, die Nutzeroberfläche wirkt sehr aufgeräumt und nicht so überfrachtet wie bei Samsungs Galaxy S5. Das Layout orientiert sich am Flat-Look, wie man ihn vom Windows Phone und Apples iOS 7 kennt. LG hat dem G3 einige spannende Features spendiert, so kann man etwa die Höhe der Tastatur anpassen. Interessant: Das Handy kann mit einem Klopfmuster auf dem Display entsperrt werden. Dank einiger Stromspartricks hält der Akku trotz der hohen Auflösung gefühlt genauso lang durch wie ein Full-HD-Pendant. Ohne die Pixelpower wäre aber vermutlich mehr Laufzeit drin gewesen.

Design:
Mit 14,6 Zentimetern ist das G3 so hoch wie das neue HTC One (M8), mit 7,5 Zentimetern ist es aber noch etwas breiter. Mit einer Hand lässt sich das Gerät kaum noch bedienen, deshalb hat LG clevere Funktionen zur Einhandbedienung eingebaut, sodass man mit dem Handballen nicht aus Versehen Eingabebefehle gibt. Der Rahmen um den Bildschirm ist sehr schmal, insgesamt bedeckt das Display 76 Prozent der Frontseite - effizienter geht es derzeit kaum. Die Buttons auf der Rückseite sind anfangs ungewohnt, doch nach einigen Tagen geht die Bedienung in Fleisch und Blut über. Toll: Mit 151 Gramm ist das G3 für die Größe erstaunlich leicht. Weniger toll: Es ist weder staub- noch spritzwassergeschützt.

Das hat uns nicht gefallen

Die Größe:
Ich muss zugeben: Ich bin kein Fans von Riesen-Handys, den sogenannten Phablets. Mehr als fünf Zoll finde ich bei einem Smartphone unpraktikabel. Obwohl das LG für sein Mega-Display recht leicht ist (151 Gramm) und sich überraschenderweise komfortabler bedienen lässt als das etwas kleinere Galaxy S5, stört mich die Größe. In der Hosentasche wird das Smartphone sprichwörtlich zum Klotz am Bein, egal ob beim Schuhebinden oder schnellen Treppensteigen. Immer habe ich das Gefühl, das Handy könnte jeden Moment durchbrechen.

Material:
Kunststoff oder Metall, diese Frage spaltet Technikfans seit Jahren. LG wählt beim G3 einen Mittelweg und setzt auf eine Kunststoffabdeckung, die mit einer Polymer-Schicht überzogen ist, in der Metallpartikel stecken sollen. Das hat den Vorteil, dass so auch Wireless Charging (kabelloses Aufladen) unterstützt wird und Fingerabdrücke keine Chance haben. Der Look erinnert an gebürstetes Aluminium. Das sieht nicht schlecht aus, fühlt sich aber eben nicht wie Metall an. Das Gefühl, ein absolutes Premiumprodukt in den Händen zu halten, stellt sich nicht ein. Eventuell schiebt LG in den nächsten Monaten noch ein Prime-Modell mit Metallhülle nach.

Sound:
Das LG G3 hat nur einen Lautsprecher im linken unteren Bereich der Rückseite. An den Stereo-Sound des HTC One (M8) reicht das Handy nicht im Ansatz heran. Wer aber auf dem Handy kaum Filme guckt und selten die halbe U-Bahn beschallt, dürfte auf den zweiten Lautsprecher verzichten können. Der Kopfhörer-Klang des G3 ist sehr sauber und klar.

Fazit: Der neue Android-König

Das LG G3 ist ein absolut gelungenes Smartphone. Das große Display liefert knackige Bilder, die Rechenpower reicht für anspruchsvolle 3D-Games und die Software ist clever designt. Der Akku ist austauschbar und der Laser-Autofokus der Kamera bietet einen echten Mehrwert. Die Bedienknöpfe auf der Rückseite sind nicht jedermanns Sache und der Lautsprecher klingt etwas blechern. Der mit 3000 Milliamperestunden recht üppig bestückte Akku hält im Schnitt einen Tag durch. Im Vergleich zum Galaxy S5, dem derzeit erfolgreichsten Android-Smartphone, hat das LG G3 leicht die Nase vorn.

Das 32-Gigabyte-Modell kostet 599 Euro.

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