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Mobiles Betriebssystem iOS 6 Apple verbannt Youtube-App vom iPhone


Frontalangriff gegen Google: Nach dem Rausschmiss von Google Maps verbannt Apple nun auch die Youtube-App. Davon profitieren beide Seiten - nur nicht die Nutzer.

Die Youtube-App auf iPhone und iPad ist eines der letzten Überbleibsel der ersten Tage des Apple-Smartphones. Damals, im Januar 2007, verkündeten Apple-Gründer Steve Jobs und der damalige Google-Chef Eric Schmidt ihre gemeinsame Zusammenarbeit für das iPhone. "Man kann nicht über das Internet nachdenken, ohne über Google nachzudenken", sagte Jobs bei der Präsentation in San Francisco. Schmidt scherzte: "Wenn wir beide Unternehmen fusionieren würden, sollten wir uns AppleGoo nennen."

Fünf Jahre später sind aus den einstigen Partnern Rivalen geworden. Mit dem Betriebssystem Android dominiert Google mittlerweile die Hälfte des Smartphone-Markts. Steve Jobs wetterte noch kurz vor seinem Tod, dass Android seine Ideen geklaut habe und dass er jeden Penny von Apples Geldreserven nutzen werde, um Android zu vernichten.

iPhone ohne Google

Auf der letzten Apple-Entwicklermesse WWDC präsentierte der iPhone-Hersteller einen eigenen Kartendienst, mit dem kommenden mobilen Betriebssystem iOS 6 wird die "Google Maps"-App nicht mehr auf Apples Mobilgeräten zu finden sein. Nun folgt mit Youtube der nächste Rausschmiss: In der nächsten Version des Betriebssystems werde die App nicht mehr vorinstalliert sein, teilte Apple mit.

Die Nutzer könnten aber über den Internet-Browser auf die Videoplattform zugreifen, und außerdem arbeite Google an einer neuen App zum separaten Laden, sagte eine Apple-Sprecherin der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. "Unsere Lizenz, die Youtube-App in iOS einzuschließen, ist abgelaufen", erklärte sie ohne weitere Angaben. Nach Informationen des Blogs "All Things D" soll die Initiative zur Trennung eher von der Google-Seite ausgegangen sein. Es gehe dabei auch um Werbedollar. YouTube lehne jetzt die Entwicklung fremder Apps für ihren Dienst ab, erläuterte ein Informant des "Wall Street Journal"-Blogs, der mit beiden Unternehmen zusammenarbeitet. "Ihre Strategie hat sich verändert. Sie wollen ihr Schicksal stärker selbst in die Hand nehmen."

Für die Unternehmen dürfte sich die Scheidung lohnen: Apple kann sich in Zukunft den Aufwand sparen, eigene Entwickler zu beschäftigen, die die App für einen Hauptkonkurrenten pflegen. Denn bisher entwickelte nicht Google die Youtube-App, sondern Apple.

Mit einer eigenen Youtube-App wäre Google wesentlich flexibler und könnte sie besser auf dem neuesten Stand halten. Und: Google würde mehr Kontrolle für die Vermarktung mit Werbevideos bekommen. Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle des Suchmaschinenriesen. Nur die Nutzer müssen sich zunächst umgewöhnen: Wer die vierte Entwicklerversion von iOS 6 installiert hat, kann bislang nur über den Browser Youtube-Videos ansehen. Zum Start, vermutlich im September, könnte Google die eigene App aber bereits im App-Store zur Verfügung stellen.

Das Fehlen der Youtube-App war am Montag zunächst Software-Entwicklern aufgefallen, die eine neue Vorab-Version von iOS 6 bekamen. In den drei vorherigen Varianten war sie noch drin. Weitere Neuerungen der vierten Version sind laut amerikanischen Fachblogs unter anderem ein verbesserter Apple-Kartendienst und Hinweise auf neue Funktionen für den sprechenden persönlichen Assistenten Siri.

cf/DPA DPA

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