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Neuer Anlauf Solaranlagen auf Lärmschutzwänden: USA testen den Highway-Strom

Auch in Europa ist das Projekt "Solaranlagen an Lärmschutzwänden" bislang nicht über Versuche hinausgekommen.
Auch in Europa ist das Projekt "Solaranlagen an Lärmschutzwänden" bislang nicht über Versuche hinausgekommen.
© R4223 / Picture Alliance
Bei Boston startet ein neuer Versuch, regenerative Energie zu erzeugen, ohne die Landschaft zu bebauen. Dazu werden Lärmschutzwände umgebaut. 

Regenerative Energie, die alle Anwohner willkommen heißen, ist gar nicht so leicht zu bekommen. In einem Vorort von Boston will man nun Lärmschutzwände entlang einer Autobahn mit Solarpanels bestücken. Die Idee ist bestechend. Die Wände sind ohnehin vorhanden, es wird keine natürliche Fläche überbaut.

Auf einem Teilstück von einer halben Meile der Interstate 95 wird im Frühjahr ein Versuch gestartet. Dabei soll geprüft werden, ob es störende Lichtreflexionen auf den Paneelen gibt oder ob sich die Installation der glatten Platten negativ auf die Schalldämmung auswirkt.

"Wenn dieses Projekt erfolgreich ist, öffnet es die Tür für viele weitere Standorte", sagte Mohammed Siddiqui von Ko-Solar, dem Unternehmen, das das Projekt zusammen mit dem Massachusetts Department of Transportation entwickelt zu "Energy News". "Warum passen wir nicht einfach das an, was wir bereits haben, und rüsten die vorhandenen Strukturen nach? Die meisten Staaten haben Schallschutzwände."

Bürokratie bremst 

Ko-Solar ist darauf spezialisiert, Solarprojekte auf und an Verkehrsbauwerken zu errichten. Versuche, Solarzellen in der Fahrbahn selbst zu integrieren, haben sich bislang als Flop erwiesen. Ko-Solar will eine Struktur von Metallgittern an den bestehenden Wänden montieren und darauf die Panels befestigen. Für eine gute Solarausbeute sollen sie nicht einfach senkrecht montiert werden.

Das Projekt hat schon einen langen Vorlauf, wurde aber immer wieder vertagt, weil sich die gesetzlichen Bedingungen und Förderungen für Solarenergie änderten. "Regierungsprojekte kommen sehr langsam voran", so Siddiqui. "Man muss geduldig sein."

6 US-Cent pro Kilowattstunde

Die Anlage wird auf 160 Betonsegmenten an der Südseite der Straße montiert. Sie blicken zur Fahrbahn und können daher von den Anwohnern nicht gesehen werden. Der Abschnitt soll 800 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugen – das reicht, um in den USA etwa 100 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Damit solche Projekte überhaupt funktionieren, gibt es in den USA ein Programm, das ihnen langfristige Konditionen sichert und sie so nicht den Preisschwankungen des Strommarktes aussetzt. Der Garantiepreis von 6 US-Cent pro Kilowattstunde für den Autobahnstrom zeigt, wie günstig Solarstrom heute produziert werden kann.

Dennoch birgt das Projekt Risiken, denn von der Anlage dürfen keine Gefahren für den Verkehr ausgehen. Die Installation darf die Lärmschutzwand nicht schädigen. Und das Gitter und die Panels müssen den harten Wintern in Massachusetts standhalten.

Rechtlich ist für den Bau entlang einer Bundesstraße keine Genehmigung der Kommune notwendig. Doch bei einer Anhörung waren die Anwohner begeistert. In Europa hat es bereits ähnliche Projekte gegeben, doch durch den starken Preisverfall der Photovoltaikanlagen ergibt sich heute eine andere Wirtschaftlichkeit.

Lärmschutzwände sind im Besitz der öffentlichen Hand. Sollte der Versuch erfolgreich sein, könnten sehr große Flächen entlang der Straßen in eine zusammenhängende Solaranlage verwandelt werden. Das gäbe ganz andere Möglichkeiten als bei der dezentralen Installation etwa auf Dachflächen.

Quelle: Energy News

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