VG-Wort Pixel

Dog-Fight Das Ende von Top-Gun – künstliche Intelligenz schießt menschlichen Piloten mühelos ab

Bild aus einer echten F-16
Bild aus einer echten F-16
© US Airforce / Commons
Die USA haben einen ihrer besten Piloten gegen eine KI antreten lassen. Fünf Mal holte das Programm ihn vom Himmel. Allerdings spielte der Computer nicht fair.

In diesem Jahr sollte die Fortsetzung von "Top-Gun" in die Kinos kommen, erneut mit Tom Cruise in der Rolle des Super-Piloten. Dass die Ära der Piloten-Asse in Wirklichkeit zu Ende geht, zeigt ein aktuelles Experiment des Pentagons. In einer Simulation trat einer der besten F-16-Kampfpiloten der Air Force gegen eine Künstliche Intelligenz an.

Kurvenmanöver 

In dem Alpha-Dogfight wurde ein eher altmodischer Luftkampf simuliert, bei dem die Fähigkeiten der Piloten gefordert sind. Wie im Zweiten Weltkrieg müssen sich zwei Maschinen mit den Bordkanonen vom Himmel holen, und sie dürfen keine weitreichenden Raketen einsetzen. Auf nahe Distanz kommt nur derjenigen zum Schuss, der den Gegner ausmanövrieren kann.

Der Pilot mit Rufnamen "Banger" musste in fünf Runden gegen eine KI von Heron antreten. Das vergleichsweise kleine Unternehmen befindet sich in Frauenbesitz und hat in den Ausscheidungswettkämpfen die Teams großer Rüstungsfirmen besiegt. Dabei hat Hebron nur ein Jahr mit einem überschaubaren Budget an dem Computer-Piloten gearbeitet. Auf Youtube sagte Ben Bell, Herons Leiter für das Projekt. "Selbst eine Woche vor Trial 1 hatten wir Agenten, die überhaupt nicht gut fliegen konnten. Wir haben das Blatt überraschend gewendet, und seitdem sind wir wirklich die Nummer eins."

Simulation schummelte

Die KI von Heron Systems ging in der Simulation aggressiv vor. Der KI-Pilot war schnell in der Lage, sich hinter die F-16 des menschlichen Piloten zu setzen und ihn abzuschießen. Allerdings handelt es sich um eine reine Simulation, bei der nicht die Wirklichkeit, sondern vorgegebene Parameter exakt jede Flugbewegung vorbestimmen. Dennoch ist das Ergebnis ernüchternd: In fünf Luftkämpfen holte die KI mühelos den menschlichen Piloten vom Himmel. Überraschen kann das nicht, schon 2016 besiegte eine KI einen Top-Piloten - dieses Programm benötigte nur die Rechenleistung eines Raspberry Pi für 35 Dollar (Künstliche Intelligenz holt menschliche Kampfpiloten vom Himmel).

Der ehemalige Pilotenausbilder Vincent Aiello sagte "Forbes", dass man nicht zu viel in den Sieg hineininterpretieren solle. "Es hat sich gezeigt, dass Menschen sich in einem wichtigen Bereich im Kampf gegen die KI auszeichnen - sie wissen mit der Art von Unsicherheit umzugehen, die in den heutigen Kampfeinsätzen herrscht", sagte Aiello. "Kämpfe finden nicht in sterilen, statischen Umgebungen statt. Er findet in 3-D und in Echtzeit statt, wo das Wetter, der Gegner und eine ganze Reihe anderer Faktoren ins Spiel kommen."

KI übte 4 Milliarden mal

In der Simulation verhält sich dagegen alles so, wie programmiert – und die KI-Programme haben anders als der menschliche Opponent vollkommene Kenntnis über diese Bedingungen. Die KI konnte auf den Servern fast unendlich trainieren. Ben Bell sagte, dass seine KI mindestens 4 Milliarden Simulationen durchlaufen habe. Der menschliche Pilot hatte dagegen nur fünf Versuche, um sich auf die neuen Bedingungen einzustellen.

Hinzu kommt eine Besonderheit: Die F-16 in der Simulation fliegt offenbar anders als eine echte Maschine. In der Simulation waren Flugbewegungen möglich, von denen die menschlichen Piloten wissen, dass man sie in der Realität nicht fliegen kann. Nach Runde vier änderte "Banger" seine Strategie. "Die üblichen Dinge, die wir als Kampfpiloten tun, funktionieren nicht", sagte und vergaß nun auch alles, was er zuvor gelernt hatte, und machte es der KI deutlich schwerer.

Der Mensch entscheidet, die KI führt aus

Diese Versuche fanden in einem Programm statt, das die Rolle des Kampfpiloten neu definiert. Die eigentliche Steuerung des Flugzeugs wird die KI übernehmen, der Mensch wird zum Missionskommandanten, der von seiner Maschine aus, den Einsatz des eigenen Jets mit dem von unbemannten Drohnen koordiniert und dabei auch Waffensysteme einsetzt, die vom Boden oder der See aus gestartet werden. So wie etwa die Drohne Loyal Wingman von Boeing ("Boeing stellt das erste Kampfflugzeug ohne Piloten vor"). 

Der Erfolg bedeutet daher nicht, dass die Piloten bald aus den Cockpits verschwinden werden, aber das Ergebnis deutet doch an, wie wenig Chancen menschliche Besatzungen haben werden, sobald Künstliche Intelligenz tatsächlich ein Flugzeug, Schiff oder einen Panzer steuern wird.

Länder, die in diesem Wettlauf abgehängt werden oder gar nicht erst starten, werden von den führenden Militärmächten deklassiert.

Quellen: Forbes, Airforce Mag, Augen geradeaus

Lesen Sie auch: 

Künstliche Intelligenz holt menschliche Kampfpiloten vom Himmel

Luftschlacht um England - als die Deutschen Luftwaffe die Luftherrschaft verlor

USA und China hängen Europa bei der Zukunftsindustrie Künstlicher Intelligenz ab

Loyal Wingman – Boeing stellt das erste Kampfflugzeug ohne Piloten vor


Technik


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker