DVD-Nachfolger Ein unversöhnlicher Machtkampf


Die Abspielgeräte Blu-Ray und HD-DVD treten an zum Kampf um die Marktherrschaft. Auf der Internationalen Funkausstellung werden die Neuheiten präsentiert. Doch selbst Stiftung Warentest kennt nicht den Sieger.

Die DVD wird wohl bald Geschichte sein. Ihr Speicherplatz ist viel zu gering, um Spielfilme im hoch auflösenden High Definition-Format abspielen zu können. Die Nachfolger der DVD sind längst in den Startlöchern - und führen einen absurden Machtkampf. Auf der einen Seite steht Blu-Ray, auf der anderen Seite HD-DVD, miteinander kompatibel sind sie natürlich nicht. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vom 1. bis 6. September werden die ersten serienreifen Abspielgeräte und Brenner für die neuen Standards präsentiert.

Es geht ähnlich wie 1980, als Philips das Video-2000-System vorstellte und damit in Konkurrenz zu VHS von JVC und Betamax von Sony trat, um einen Kampf der Konzerne.

Unternehmen wie Sony, Apple und Dell wollen Blu-Ray. Firmen wie Microsoft, Toshiba oder Intel favorisieren dagegen HD-DVD. Eine Einigung ist bislang nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Spekuliert wurde über die Einführung eines dritten Formats. Gewinnen muss bei einem solchen Machtpoker noch nicht einmal immer das beste System: So setzte sich in den 80er Jahren VHS gegen seine Konkurrenten durch. Gegenüber Betamax und Video 2000 aber bietet es eine geringere Video-Bandbreite. Durchgesetzt hatte es sich, weil JVC bei der Lizenzvergabe deutlich großzügiger war als die Konkurrenten und weniger Lizenzgebühren verlangte. Kolportiert wurde aber auch, der Erfolg liege darin begründet, dass auf VHS weit mehr pornografische Filme zur Verfügung standen.

Das Machtspiel kennt nur Verlierern

Blu-Ray und HD-DVD arbeiten beide mit kurzwelligem blauem Laserlicht, das viel tiefere Datenspuren lesen kann als der rote Laser in DVD-Spielern. Viel mehr Gemeinsamkeiten gibt es aber nicht. 30 Gigabyte passen so auf eine HD-DVD (High Density DVD) mit zwei Schichten, bei Blu-ray (blue ray: blauer Laser) sind es sogar 50 Gigabyte. Durch verbesserte Kompressionsverfahren wird die höhere Speicherkapazität erreicht. Zum Vergleich: Auf einer DVD lassen sich maximal 8,5 GB pro Seite unterbringen.

Die Markteinführung zum jetzigen Zeitpunkt zeigt, dass die Konzerne auf die Konsumenten wenig Rücksicht nehmen. Der jeweilige Standard wird kompromisslos auf den Markt gedrückt. Kompatibel sind sie nicht miteinander. Das bedeutet, die Filme des einen Formats lassen sich nicht auf dem Gerät des anderen sehen. Dieses Machtspiel kenne nur Verlierer, denn der Markt werde dadurch verunsichert, sagen Experten. Konsumenten würden warten und keines der beiden Geräte kaufen, und zwar so lang, bis es welche gäbe, die beide Formate beherrschen.

Auf der IFA präsentieren die Hersteller trotzdem stolz ihre Neuheiten. So zeigt beispielsweise Samsung ein Blu-ray-Abspielgerät mit einer Bildauflösung mit bis zu 1.080 Zeilen, Mehrkanal-Sound und interaktiven Funktionen. Toshiba präsentiert ein Multimedia-Notebook mit einem HD-DVD-ROM-Laufwerk. Mit ihm können ebenfalls Spielfilme in HD-Qualität abgespielt werden. Welches Format denn nun zu favorisieren ist, vermag aber noch nicht einmal die Stiftung Warentest zu sagen. Denn Testergebnisse gibt es noch nicht.

HDTV, IPTV und Mobil-TV weitere IFA-Trends

Auf der IFA steht aber nicht nur der Kampf dieser Formate im Mittelpunkt. Darüber hinaus geht es wieder um HDTV. Vorgestellt werden die ersten Fernseher mit HDTV-Empfängern und HDTV-Festplattenrekordern. Das Gerät von Loewe kann hoch auflösendes Fernsehen aus der Satellitenschüssel oder aus dem Kabel auf den Bildschirm bringen, und mit den eingebauten Festplattenrekordern können sogar HDTV-Programme mitgeschnitten werden. LG zeigt ein Handy, das nicht nur zur mobilen Kommunikation taugt. Darüber hinaus kann es auch Fernsehen empfangen, nach dem DMB-Standard.

Weiteres Thema wird das Internet-Fernsehen sein. In ganz Europa werden mittlerweile die Festnetze für die neue Medienplattform ausgebaut. Damit wird die Grundlage für IPTV geschaffen - Fernsehen auf der Basis des Internet-Protokolls, verteilt über DSL-Netze. In Deutschland werden die IPTV-Angebote noch in diesem Jahr starten, unter anderem mit der Übertragung der Fußball-Bundesliga. Damit wird die IFA auch zur Premieren-Veranstaltung für diese neue Medienplattform. Die IFA wird am Donnerstagabend von Kanzlerin Angela Merkel feierlich eröffnet.

Holger Mehlig/AP AP

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