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E-Book: Dresdner Werk arbeitet an Zeitung der Zukunft

Im deutschen "Silicon Valley" bei Dresden eröffnet das britische Unternehmen Plastic Logic sein erstes Werk zur Herstellung von Halbleitern aus Kunststoff. Mit diesen lassen sich E-Book-Displays herstellen und vielleicht bald schon die ersten elektronischen Zeitungen.

Von Sven Schirmer

Am Mittwoch wird die Fertigungsanlage für Displays auf Basis von Plastikchips in Anwesenheit von Bundesminister Wolfgang Tiefensee und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich in Betrieb genommen. Der Bau der rund 100 Millionen Dollar teuren Produktionsstätte konnte unter anderem "dank der Unterstützung des Freistaates und der Stadt Dresden realisiert werden", sagt der Geschäftsführer der deutschen Plastic Logic GmbH, Konrad Herre, in einem Gespräch mit "FTD.de".

Nicht zu letzt habe auch der "exzellente Support in Sachen Baugenehmigung und Beschaffung von Grund und Boden" Ausschlag für die Standortentscheidung gegeben, sagt Herre. Zudem sei auch das ansässige Forschungs- und Entwicklungs-Know-How für Volumenfertigung entscheidend gewesen.

Sachsen ist der wichtigste Standort der Halbleiter- und Elektronikbranche in Deutschland. Rund 1500 Firmen geben mehr als 44.000 Menschen Arbeit. Jeder zweite in Europa produzierte Chip könnte somit den Aufdruck "Made in Saxony" tragen.

IT-Hochburg Dresden

Die bisherige Standortentwicklung wurde durch Geld von der Europäischen Union, dem Bund und dem Freistaat gefördert. Die Förderpolitik Sachsens hat seit den 90er-Jahren die drei Branchenriesen Infineon, Infineon-Tochter Qimonda und US-Hersteller AMD in den Raum Dresden gelockt. Dank dieser Firmen existiert eine sehr gute lokale Infrastruktur, auf die auch Plastic Logic aufsetzt.

Geldgeber für die Fabrik in Dresden sind die US-Beteiligungsgesellschaften Oak Investment Partners und Tudor Investment. Zu den Plastic-Logic-Aktionären gehören der Chiphersteller Intel, der Chemiekonzern BASF und der Elektronikkonzern Siemens.

Mit rund 80 Mitarbeitern soll anfangs das vollautomatisierte Werk betrieben werden. Diese setzten sich überwiegend aus Ingenieuren zusammen, die Prozesse steuern und überwachen. Der Produktionsprozess besteht aus Roboterabläufen, in denen die Displays schrittweise zusammengesetzt werden. Automatisierte Vehikel transportieren die Komponenten durch die Anlage zu den jeweiligen Stationen. Viel Personal wird dabei nicht gebraucht.

100.000 Displays sollen in Dresden im Jahr produziert werden. "Später kann die Stückzahl in den Millionen-Bereich gehen", sagt Herre. Dann müsse mit Sicherheit auch rund um die Uhr produziert und der Mitarbeiterstamm auf etwa 140 aufgestockt werden.

Elektronische Bücher

Die Displays aus Dresden werden in den USA mit weiteren Komponenten wie zum Beispiel Rahmen und Elektrik zusammengeführt. Das fertige Endprodukt, der Plastic Logic Reader, ist ein Din A4 großes Lesegerät mit dem Formaten wie Microsoft Word, Excel und Powerpoint, aber auch PDF-Dateien von Adobe sowie Formate von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern betrachtet werden können.

Damit ist Plastic Logic einer von mehreren Anbietern, die jüngst E-Book-Lösungen vorgestellt haben. Der prominenteste war bisher der amerikanische Online-Händler Amazon. Dessen elektronisches Lesegerät Kindle ermöglicht es Amazon-US-Kunden auf über 300.000 Bücher und Zeitschriften direkt zuzugreifen ohne mit einem PC online sein zu müssen.

Schon lange in Sachen E-Book aktiv, hat auch der Unterhaltungselektronik-Konzern Sony eine neue Lösung im Angebot. Der Sony E-Reader arbeitet, wie die anderen Geräte, auf der Ressourcen sparenden E-Ink-Basis.

Klare Zielgruppe

Konrad Herre sieht den Plastic Logic Reader nicht wirklich in Konkurrenz zu diesen Produkten: "Unsere Zielgruppe ist klar definiert. Wir wenden uns in erster Linie an Business-Kunden und Manager, die ihre Geschäftsunterlagen und Präsentationen kompakt transportieren wollen". Darum sei auch die Entwicklung der bis dato monochromen Schwarz-Weiß-Darstellung in Richtung von Farbdisplay eher sekundär. Entscheidend seien die "flexiblen Inhalte", die sich laufend aktualisieren lassen. Spielereien wie das aktuelle Titelblatt des amerikanischen Lifestyle-Magazin Esquire, wo sogar farbige Inhalte mit E-Ink präsentiert werden, seien eher etwas für die Werbung. Zudem handle es sich dabei um vordefinierte Bilder, die nicht flexibel austauschbar seien.

FTD